Prävention
«Chancengerechtigkeit darf nicht am Wohnort scheitern»: Politik möchte Kinder- und Jugendhilfe im Aargau vereinheitlichen

Heute gibt es keine einheitliche Regelung der Angebote der Kinder- und Jugendhilfe. Je nach Gemeinde unterscheidet sich das Angebot. Politikerinnen von links bis rechts möchten das ändern. Die Regierung gibt aber zu bedenken: So einfach wird das nicht.

Raphael Karpf
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Der Aargau möchte den Kindes- und Jugendschutz stärken und vereinheitlichen.

Der Aargau möchte den Kindes- und Jugendschutz stärken und vereinheitlichen.

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Damit es gar nicht erst so weit kommt, dass Kinder in die Psychiatrie müssen, gibt es verschiedene niederschwellige Angebote. Mütter- und Väterberatung, Frühförderung, Erziehungsberatung, Schulsozialarbeit oder Kindesschutzdienste, um nur einige zu nennen.

Diese ambulanten Angebote der Kinder- und Jugendhilfe sind im Kanton Aargau aber nicht einheitlich geregelt, sondern in den verschiedensten Gesetzen. Entsprechend unterscheiden sich die Angebote je nach Gemeinde, je nachdem was für Strukturen und vor allem wie viel Geld vorhanden ist.

Einheitliche Regelung wäre günstiger

Damit sei die Chancengleicheit für die betroffenen Kinder nicht mehr gegeben, finden verschiedene Grossrätinnen und Grossräte von SP bis SVP. Darum solle die Regierung eine einheitliche gesetzliche Grundlage schaffen, fordern sie in einer Motion. «Die Chancengerechtigkeit für Kinder und Jugendliche darf nicht an deren Wohnort scheitern», begründen sie ihren Vorstoss.

Mit einer einheitlichen Regelung könnte auch Geld gespart werden, argumentieren sie weiter: Weil für jede Zielgruppe (etwa sozial auffällige Schülerinnen und Schüler, oder psychisch belastete Kinder) eine eigene Finanzierungsgrundlage und ein eigener Leistungskatalog besteht, würden hohe Koordinationskosten entstehen.

Zudem würde eine stärker ausgebaute Kinder- und Jugendhilfe auch präventiv wirken: Weniger Kinder müssen in die Psychiatrie und kosten dadurch den Kanton weniger.

Regierung sagt: «Ja, aber...»

Die Aargauer Regierung ist dem Anliegen grundsätzlich wohl gesonnen. Sie schreibt: «Es ist verlockend, dieser Situation mit einem kantonalen Kinder- und Jugendhilfegesetz zu begegnen, das Angebote, Finanzierung und Qualitätsvorgaben vereinheitlicht und damit sowohl Chancengleichheit schafft als auch mittel- bis langfristig zu Kosteneinsparungen führt.»

Gleichzeitig gibt der Regierungsrat zu bedenken, dass eine solche Vereinheitlichung nur beschränkt möglich sein werde. Dies, weil so viele verschiedene Leistungserbringer aus unterschiedlichen Disziplinen, die zum Teil auch historisch in den Gemeinden gewachsen sind, beteiligt wären. Und gewisse Vorgänge seien auch bereits per Bundesgesetz vorgeschrieben.

Gesetzesanpassung statt neues Gesetz

Trotzdem möchte die Regierung das Anliegen vorantreiben. Eine Motion sei aber nicht der beste Weg, dieses Ziel zu erreichen, schreibt sie. Denn damit müsste zwingend eine neue rechtliche Grundlage geschaffen werden.

Die Regierung möchte aber lieber vorher prüfen, ob das Ziel nicht besser erreicht werden könnte, indem die bestehenden Gesetze angepasst würden. Darum möchte sie die Motion als Postulat entgegennehmen. Damit hätte sie diesen Handlungsspielraum.

Die Regierung möchte als Nächstes eine Analyse durchführen lassen: Mit welchen rechtlichen Anpassungen kann das Ziel am ehesten erreicht werden? Innert zwei Jahren soll dies geschehen. Das letzte Wort hat aber der Grosse Rat.