Präsidium

Präsidentin dringend gesucht: Frauennetzwerk droht das Aus

Connie Fauver und Sandra-Anne Göbelbecker haben «frauenaargau» gemeinsam seit 2012 präsidiert, jetzt suchen sie eine Nachfolge. Archiv

Connie Fauver und Sandra-Anne Göbelbecker haben «frauenaargau» gemeinsam seit 2012 präsidiert, jetzt suchen sie eine Nachfolge. Archiv

Der Verein «frauenaargau» sucht seit Monaten eine Nachfolge für die abtretenden Co-Präsidentinnen Connie Fauver und Sandra-Anne Göbelbecker. Bisher vergebens. Zeit ist nur noch bis am 30. Juni, sonst wird der Verein aufgelöst.

Seit September 2018 ist bekannt, dass Connie Fauver und Sandra-Anne Göbelbecker das Präsidium des Vereins «frauenaargau» Mitte 2019 abgeben werden. Die Suche nach geeigneten Nachfolgerinnen verlief bisher aber erfolglos, wie der Verein in seinem aktuellen Newsletter schreibt: «Etliche Gespräche mit interessierten Frauen wurden geführt, jedoch konnte bis heute keine Nachfolge gefunden werden.»

Stichtag ist der 30. Juni. Könne das Präsidium bis dorthin nicht besetzt werden, so werde «frauenaargau» an einer ausserordentlichen Mitgliederversammlung aufgelöst, schreiben die Co-Präsidentinnen Fauver und Göbelbecker im Namen des Vereins. «Das wäre das schlimmstmögliche Szenario.»

Gesucht ist eine Macherin

Dass es nicht so einfach ist, Nachfolgerinnen zu finden, liege auch daran, dass die Vorstandsarbeit in Vereinen viel Zeit braucht, sagen die Co-Präsidentinnen: «Geeignete Frauen sind häufig schon engagiert oder haben eine andere Mehrfachbelastung.» Zudem sei die Vernetzung über die Parteigrenzen hinweg nicht immer einfach und brauche einen langen Atem. «Als erstes muss man die nötige Zeit für dieses Amt zur Verfügung haben», beschreiben Fauver und Göbelbecker die Kriterien für die Nachfolge. Zudem sollte die Person Wissen über gleichstellungsrelevante Themen mitbringen und Interesse haben an nationaler und regionaler Politik. «Wichtig ist aber auch, dass die Person eine Macherin ist und Vernetzungsarbeit über Partei- und Organisationsgrenzen hinweg spannend findet», sagen die Co-Präsidentinnen.

Verein mit Geschichte

«frauenaargau» gibt es unter diesem Namen seit 2012, seither teilen sich Connie Fauver und Sandra-Anne Göbelbecker das Amt als Co-Präsidentinnen. Früher hiess der Verein «FrauenLandsGemeinde». Die Idee für das überparteiliche, aargauische Frauennetzwerk entstand bereits beim ersten Frauenstreik 1991. Die Ziele sind auch nach 28 Jahren die gleichen geblieben. So will der Verein Frauen ermutigen und stärken, Frauen vernetzen und deren Zusammenarbeit fördern sowie Frauenprojekte initiieren und leiten.

Zweimal im Jahr lädt «frauenaargau» alle Aargauer Parteien, Frauenorganisationen und Fachstellen an den runden Tisch. «Dort wird vernetzt, es werden Termine ausgetauscht und gemeinsame Aktivitäten, wie beispielsweise Podien mit Kandidatinnen aus allen Parteien geplant», sagt Fauver. Weiter organisiert «frauenaargau» einmal im Jahr eine Tagung. «Wir bieten an unseren Tagungen explizit Workshops an, die die Auftrittskompetenz von Frauen fördern», sagte die Co-Präsidentin im Oktober gegenüber der AZ.

Doch 2018 fand zum ersten Mal seit vielen Jahren keine solche Tagung statt. «Leider ist es heutzutage nicht einfach, Personen zu finden, die Lust und Zeit haben, in Zusammenarbeit mit uns als Co-Präsidentinnen eine Tagung zu stemmen», sagten Sandra-Anne Göbelbecker und Connie Fauver damals auf Anfrage. Die nächste Tagung findet am 25. Mai in Aarau unter dem Motto «Helvetia beweg dich! Frauen in Aktion» statt. Es wird die siebte und letzte Tagung unter der Führung von Fauver und Göbelbecker sein.

Ende nach Frauenstreik?

Dass sich die Suche nach einer Nachfolge so schwierig gestaltet, finden die beiden Co-Präsidentinnen schade: «Wir haben in den letzten Jahren viel Zeit und Energie investiert und einiges erreicht.» Sorgen bereite es ihnen aber nicht. «Es ist einfach eine Tatsache, dass wir auf unserer Suche noch nicht erfolgreich waren.» Während den bisherigen Gesprächen mit Kandidatinnen hätten sowohl Fauver als auch Göbelbecker angeboten, dass sie auf Wunsch beide noch ein weiteres Jahr im Vorstand und in der Tagungsvorbereitung mithelfen würden.

Knapp 30 Jahre nach dem ersten Frauenstreik in der Schweiz ist am 14. Juni dieses Jahres ein weiterer Frauenstreik geplant. Das Timing ist besonders bitter, nur zwei Wochen später droht dem Verein «frauenaargau» möglicherweise das Aus.

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