Corona-Virus

Präsident von GastroAargau: «Die Lage ist wirklich ernst» – So leidet die Aargauer Wirtschaft unter Corona

Die Gastronomie spürt die Ausnahmesituation wegen dem Corona-Virus stark. (Bild: Keystone).

Die Gastronomie spürt die Ausnahmesituation wegen dem Corona-Virus stark. (Bild: Keystone).

Sinkende Aktienkurse und zunehmende Kurzarbeit in der Gastronomie und Industrie: Das sind die Auswirkungen des Corona-Ausnahmezustandes auf die Wirtschaft.

Verschobene Generalversammlungen, abgesagte Bankette und Telefon- statt Medienkonferenzen – das Corona-Virus treibt auch den Wirtschaftsleuten in der Region den Schweiss auf die Stirn. Und zwar so richtig, seit der Bundesrat vor einer Woche die besondere Lage ausrief. Für Veranstalter und Gastro-Betriebe ist das Geschäft förmlich zusammengebrochen. «Die Lage ist wirklich ernst», sagt Bruno Lustenberger, Präsident von GastroAargau und Betreiber des Hotels Krone in Aarburg.

Betroffen sind vor allem Hotels und Bankett-Anbieter. Die abgesagten Generalversammlungen wirken sich da sehr direkt aus. In seinem Hotel seien die Übernachtungen um 50 Prozent zurückgegangen, offenbart Lustenberger. Weniger litten kleinere Beizen. Die Stammgäste halten die Treue, es wird immer noch auswärts gegessen. Aber die grossen und finanziell interessanten Anlässe, die fallen weg.

Lustenberger hat sich deswegen schon am Montag mit der Aargauer Regierung getroffen. Mit Erfolg. Gastro-Betriebe dürfen in dieser Ausnahmesituation erstmals auch Kurzarbeit beantragen. Auch für Ausgleichszahlungen habe man sich beim Bund starkgemacht. «Da ist noch nichts entschieden, aber wir erwarten, dass die Politik ein Zeichen setzt. Wirte sind keine Jammeris, und jetzt brauchen wir Hilfe. Den Bauern greift man ja jeweils auch sofort unter die Arme.»

20 Anträge auf Kurzarbeit im Aargau, 13 im Kanton Solothurn

Wie ernst die Lage ist, zeigen auch die bewilligten Anträge auf Kurzarbeit bei den kantonalen Ämtern für Wirtschaft und Arbeit (AWA). Im Aargau wurden seit Beginn des Corona-Wirbels 20 Anträge auf Kurzarbeit bewilligt. Giovanni Pelloni, der stellvertretende Amtsleiter, rechnet mit weiteren Gesuchen. Auch im Nachbarkanton Solothurn wurde bisher zwölf Mal Kurzarbeit beantragt. Bis jetzt wurden alle Anträge bewilligt, allerdings konnten noch nicht alle bearbeitet werden, wie Jonas Motschi, Leiter des AWA Solothurn, sagt. Noch hat keiner der beiden Kantone weitere Massnahmen ergriffen.

Mehr als die Hälfte der Anträge im Aargau kamen aus dem Event- und Gastrobereich. Wie beispielsweise das Veranstaltungstechnik-Unternehmen Smartec aus Aarau. «Bei uns herrscht kompletter Stillstand – und das in der eigentlich Hauptsaison», sagt Geschäftsleitungsmitglied Marc Probst. 60 Mitarbeitend sind betroffen. Mit Besserung rechnet Probst in naher Zukunft nicht.

Die restlichen Unternehmen kommen aus der Transportbranche und aus der Maschinen-, Elektro- und Metall-­Industrie. Dort wirkt das Virus subtiler. Zum Beispiel, indem es Lieferketten unterbricht. Kurt Schmid ist Präsident des Aargauischen Gewerbeverbandes und Verwaltungsrat diverser Unternehmen, die dies sehr direkt zu spüren bekommen. «Gewisse Komponenten aus Italien werden derzeit nicht geliefert. Zum Glück halten die Unternehmen Lager», sagt Schmid. So und ähnlich geht es vielen Unternehmen, die Komponenten aus China, Italien oder Südkorea brauchen. Schmid sagt: «Wenn der Ausnahmezustand länger dauert, werden einige Probleme bekommen. Es kann im Extremfall sogar zu Betriebsschliessungen kommen, wenn man keine alternativen Zulieferer findet.»

Einbrüche von bis zu 20 Prozent bei regionalen Börsentiteln

Auch Josef Maushart rechnet mit ähnlichen Szenarien. Der Präsident des Solothurner Industrieverbandes stellt aber vorerst einen geläufigen Trend fest: «Für die Industrie ist das Jahr ganz gut angelaufen. Die Bestellungseingänge sind überraschend hoch. Wir gehen davon aus, dass die Firmen ihre Lager füllen, um vorzusorgen, falls es zu Unterbrüchen in der Lieferkette käme.» Aber Corona binde derzeit viel Energie. Die Vorsorge, die Kommunikation, das Management der Epidemie – das alles braucht Zeit. Zwar ist man finanziell bisher verschont geblieben. Aber Maushart sagt auch: «Es wird auch auf uns durchschlagen.»

Was man schon jetzt spürt, sind die Absagen von internationalen Messen. Beat Bechtold, Direktor der Aargauischen Industrie- und Handelskammer, sagt: «Wir kriegen derzeit viele nicht gebrauchte Zollpapiere für Prototypen, Musterartikel und dergleichen zurück.» Wie Corona die Wirtschaft in den Würgegriff nimmt, bildet sich auch an der Börse ab. Ein Blick auf die Entwicklung sechs regionaler Titel (siehe Grafiken) der letzten Tage zeigt: Es geht runter. Besonders hart traf Corona das Life-­Science-Unternehmen Siegfried Holding (minus 20 Prozent) und die ABB (minus 15 Prozent). Sascha Haudenschild, Leiter Portfolio-Management bei der ABK, erklärt: ABB sei als sogenannter Zykliker stark vom Wirtschaftsumfeld abhängig. «Und das ist in der Schwebe wegen der Unsicherheit durch Corona.»

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