Aargau

Prämien: Krankenkassen schlagen im Aargau um bis zu 15 Prozent auf

Der Blick auf 19 Aargauer Krankenkassenprämien für 2015 zeigt: Für Erwachsene steigen sie im Durchschnitt um 5,2 Prozent, für Kinder um fast so viel. Die Bandbreite ist jedoch gross.

Am 28. September findet die Abstimmung über die Einheitskasseninitiative statt. In der Woche davor plant das Bundesamt für Gesundheit (BAG), die Prämien für die obligatorische Grundversicherung für das kommende Jahr zu veröffentlichen. Die «Nordwestschweiz» weiss bereits jetzt: Im Kanton Aargau belaufen sich die Aufschläge von 19 Grundversicherern im Schnitt auf 1,0 bis 14,5 Prozent (siehe Tabelle).

Am wenigsten schlägt Compact auf, eine Billigkasse der Sanitas Gruppe, am stärksten Sana24, die zum Visana-Konzern gehört. Zu den 19 Kassen, deren Prämienerhöhungen bekannt sind, zählen zudem die Tochterfirmen des Helsana- und des CSS-Konzerns sowie der Sanitas Gruppe. Dazu kommen die in Baden domizilierte Aquilana, die Luzerner Concordia, die Bündner ÖKK und die Basler Sympany. 

Bewilligungsprozess läuft noch

Errechnet hat die Durchschnittsaufschläge der Internetvergleichsdienst comparis.ch. Sie basieren auf den beim BAG eingereichten Prämien der 19 Anbieter. Diese verfügen im Kanton Aargau über einen Marktanteil von mehr als zwei Dritteln. Die Prämien sind von der Aufsichtsbehörde meist noch nicht genehmigt worden. 

Insgesamt heben diese Kassen ihre Prämien im Kanton Aargau um 5,2 Prozent an. Allerdings fehlen noch die Prämien von Billiganbietern wie der Assura. Daher geht Felix Schneuwly, der Krankenversicherungsexperte von Comparis, davon aus, dass dieser Wert noch sinken könnte. Er läge dann leicht über dem schweizweiten Durchschnitt von 4,5 Prozent. Damit rechnet auch der Kassenverband Santésuisse. Das liegt im Bereich des langjährigen Mittels, wäre aber der höchste Aufschlag seit 2011. Die grössten Kostentreiber sind laut Schneuwly die Spitäler sowie Ärzte, die nach der partiellen Aufhebung des Ärztestopps neue Praxen eröffnet haben. 

Die Bandbreite der effektiven Aufschläge ist je nach gewählter Franchise und Versicherungsangebot auch im kommenden Jahr gross:

Am stärksten bitten die von Comparis berücksichtigten Anbieter junge Erwachsene zwischen 19 und 25 Jahren zur Kasse. Ihre Prämien schlagen um sechs Prozent auf. Erwachsene zahlen 5,2, Kinder 5,1 Prozent mehr.

Kosten- und damit prämiensparende Managed-Care-Angebote wie Hausarztmodelle oder die Behandlung in Gruppenpraxen (HMO) kosten im Schnitt zwischen 5,3 und 5,8 Prozent mehr. 

Sind die Prämien publiziert, lohnt es sich, bei der Wahl der Franchise genau darauf zu achten, wie hoch der effektive Spareffekt ist. Im Aargau gilt: Je höher die Franchise, desto höher der Aufschlag: Erwachsene zahlen bei den 19 von Comparis berücksichtigten Versicherern 6,7 Prozent mehr, wenn sie die höchste Franchise von 2500 Franken wählen. Beim Standardmodell mit der Mindestfranchise von 300 Franken inklusive Unfalleinschluss beläuft sich der Anstieg auf 4,7 Prozent.

Wechsel bis Ende November

Wer bei einer CSS- oder Visana-Kasse sowie der ÖKK versichert ist, kann bereits heute auf comparis.ch nachsehen, wie viel er im kommenden Jahr für seine Grundversicherung berappen muss. Diese Prämien sind bereits aufgeschaltet. Ein vollständiger Vergleich ist noch nicht möglich, weil nicht alle der 19 Versicherer ihre Prämien zur Veröffentlichung freigegeben haben.

Daher ist es für einen definitiven Prämienvergleich zu früh. Der lohnt sich erst, wenn das BAG alle Prämien abgesegnet und publiziert hat. Wer wechseln will, hat noch Zeit: Die Versicherer versenden die neuen Policen im Oktober. Der eingeschriebene Brief mit der Kündigung muss erst am 28. November beim aktuellen Versicherer eingetroffen sein.

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