Wohlen
Posts unter der Gürtellinie: Schulpflege-Kandidatin veröffentlicht derbe Sprüche

«Feuchte Höschen» und «Erigierte Penisse»: Sogar ihre eigene Partei findet das Facebook-Profil von Marlies Werner fragwürdig. Nun sind die Schulpflege-Kandidatin und ihre Posts in Wohlen Dorfgespräch Nummer eins.

Lisa Stutz
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Post unter der Gürtellinie: Marlies Werner's Eintrag auf Facebook
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Schulpflege-Kandidatin Marlies Weber publiziert derbe Sprüche auf Facebook

Post unter der Gürtellinie: Marlies Werner's Eintrag auf Facebook

Screenshot/fb

Und wieder hat die Facebook-Falle zugeschnappt: Die Wohler Schulpflege-Kandidatin Marlies Werner veröffentlicht fragwürdige Sprüche auf dem Internet-Portal. Ihre Posts, die zum Teil wortwörtlich unter der Gürtellinie liegen, sind für alle sichtbar.

Ob Marlies Werner nun von «feuchten Höschen» und «erigierten Penissen» schreibt oder eine verhüllte Burka-Trägerin als Ehefrau der Star-Wars-Figur «Darth Vader» bezeichnet – es ist klar: Solche Aussagen geben zu reden. Und inzwischen sind Werners Posts beliebtes Gesprächsthema in halb Wohlen.

Die 41-jährige Werner, die für die SVP kandidiert, sieht in ihrem Facebook-Verhalten kein Problem: «Ich stehe zu meinem Humor. Ich bin ich. Wenn andere nicht damit umgehen können, ist es ihre Sache», sagt sie auf Anfrage der Aargauer Zeitung.

Facebook-Falle: Viele Politiker treten ins Fettnäpfchen

Schon oft wurden Politikern Facebook und Co. zum Verhängnis. Unüberlegte Posts und virtuelle «Freundschaften» haben schon einige Personen mit öffentlichen Ämtern in heikle Situationen befördert.
Im Jahr 2011 geriet zum Beispiel Grossrat Daniel Heller in die Facebook-Falle. Er hatte auf seinem Profil bei Facebook die Kompetenz der Bundesrätin Doris Leuthard angezweifelt. Nach 24 Stunden war der Beitrag verschwunden und Heller stritt ab, den Post jemals verfasst zu haben. Einige Tage später bestätigte er in einer vierten Stellungnahme, der Verfasser des Eintrags gewesen zu sein. Jedoch habe er ihn «unabsichtlich» gepostet, der Beitrag sei für einen Chat-Kollegen bestimmt gewesen.
Vor rund anderthalb Jahren stand das ehemalige Schulpflege- und SVP-Mitglied Aldo Patriarca aus Widen unter Beschuss: Er hatte rassistische Sprüche auf die Partei-Website gepostet. Dafür wurde er später wegen Rassismus verurteilt. Nachdem einige SVP-Nationalräte auf Facebook mit einer anti-islamischen Seite «befreundet» waren, schickt die Partei ihre Mitglieder nun in die Social-Media-Schule.
Ab Oktober bietet die SVP Kurse im Umgang mit Facebook, Twitter und Co. an. Dabei wird die Handhabung von Kommentaren, Posts und Freundschaftsanfragen behandelt. (lis)

«Jugendliche sehen Schlimmeres»

Auch dass Schüler auf ihr Profil klicken und die grenzwertigen Posts lesen könnten, stellt für sie kein Problem dar: «Die Jugendlichen sehen heutzutage viel schlimmere Dinge im Internet. Wenn ich nicht wollte, dass alle meine Einträge sehen können, dann hätte ich keinen Facebook-Account.»

Wie Werner ausführt, sei sie sich dem Konflikt zwischen ihrer Kandidatur und solcher Posts bis anhin nicht bewusst gewesen: «Ich will der Kritik aber nicht ausweichen. Ich bin eine Kämpfernatur.»

Für sie ist klar: Sie wird die Posts nicht löschen. «Ich habe mir vorgenommen, mich nicht zu verändern oder zu verbiegen, nur weil ich für die Schulpflege kandidiere», sagt sie.

Die Wohlerin denkt nicht, dass ihre Posts Einfluss auf die Wahl vom 22. September haben: «Wer mich sympathisch findet, der wird mich wählen, Facebook-Posts hin oder her.»

Sie fände es übertrieben, wenn jetzt im Dorf ein Theater wegen ihrer Einträge losgehen würde. «Ich habe eben Humor», sagt sie. «Im Gegensatz zu den Leuten, die mit meinen Posts nicht einverstanden sind.»

Sensibilität für Facebook und Co.

Der Wohler Schulpflegepräsident Franco Corsiglia sieht die Angelegenheit weniger gelassen: «Wenn Frau Werner schon in der Schulpflege wäre, dann würde ich das Gespräch mit ihr suchen.

Jemand in einem solchen Amt trägt Verantwortung.» Seiner Meinung nach sollten alle, die für ein öffentliches Amt kandidieren, wissen, wie man sich gegen aussen präsentieren muss. «Das Auftreten der Kandidaten sollte vertrauenswürdig und vertretbar sein», sagt Corsiglia.

Auch der SVP-Präsident von Wohlen, Roland Vogt, der mit Marlies Werner auf einem Wahlflyer abgebildet ist, bezeichnet die Facebook-Einträge als unglücklich gewählt: «Wenn man für ein Amt kandidiert, muss man sich genau überlegen, was man öffentlich macht. Aber das muss jeder selber wissen», räumt er ein.

Er denkt nicht, dass Werners Fauxpas seiner Partei schadet.

«Ich werde den Fall aber mit dem Vize-Präsidenten anschauen. Unter Umständen werden wir mit Frau Werner darüber sprechen müssen.» Für Vogt ist klar, dass eine Person in einem öffentlichen Amt Sensibilität in Sachen Facebook und Co. aufbringen muss.

Wurde Marlies Werner denn von niemandem gewarnt, dass solche Einträge nicht gut ankommen könnten?

«Bis jetzt hat mich niemand auf die Posts angesprochen, geschweige denn, sie kritisiert», so die Mutter zweier Kinder. «Und auch wenn: Ich hätte nichts geändert.»

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