Kapo Aargau

Polizeipsychologe: «Gerade in Ausnahmesituationen dürfen wir erleben, dass es die Polizeifamilie noch gibt»

Horst Hablitz ist seit 15 Jahren Polizeipsychologe.

Horst Hablitz ist seit 15 Jahren Polizeipsychologe.

Horst Hablitz arbeitet seit 15 Jahren als Polizeipsychologe für die Kapo Aargau. Er ist für die Betreuung seiner Kameradinnen und Kameraden zuständig und hilft ihnen dabei, mit schweren Einsätzen und Erlebnissen umzugehen.

Sie überbringen Todesnachrichten, treffen als Erste an Tatorten ein und müssen, wie in Suhr, im Extremfall auf Menschen schiessen. Um solche Situationen zu verarbeiten, haben die Polizisten einen Psychologen. Für die Kapo Aargau ist das Horst Hablitz. Seit über 15 Jahren ist er Polizeipsychologe. Bereits die Polizeiaspiranten bildet er in psychologischen und ethischen Themen aus. Und schliesslich steht er den Polizisten und deren Angehörigen in belastenden Situationen zur Seite.

Wie gehen Sie auf einen Polizisten zu, der mit einer schlimmen Situation konfrontiert war?

Horst Hablitz: Dank meiner sehr guten Vernetzung in den Korps der Kantons- und Regionalpolizeien fällt mir der kameradschaftliche Zugang zu den Betroffenen nicht schwer. Ich bin mit allen Einsatzkräften per Du, was mir und ihnen den Einstieg selbst in persönliche Gespräche sehr erleichtert.

Und wie genau können Sie helfen?

Mir als Polizeipsychologe stehen sogenannte Peers zur Seite. Das sind in Notfallpsychologie ausgebildete Polizistinnen und Polizisten, die eine besondere Wertschätzung unter ihren Kollegen geniessen. Mit ihnen zusammen können wir eine Betreuung unserer Kameradinnen und Kameraden 24/7/365 sicherstellen. Wir alle sind ausgebildet in der Dia­gnose und Behandlung von Symp­tomen der akuten Belastungsreaktion. Das heisst: Wir besitzen offene Augen und vor allem offene Ohren. Und wir wissen vertraulich mit allen erhaltenen Informationen umzugehen.

Wie schafft es denn ein Polizist, belastende Situationen zu verarbeiten und danach weiterzuarbeiten?

Ich möchte ausdrücklich erwähnen, dass wir keine grenzenlos belastbaren, unbeeindruck­ba­ren und damit unsensiblen ­Polizisten und Polizistinnen rekrutieren. Sondern psychisch gesunde und einsatzfreudige Menschen mit einer überdurchschnittlichen Sozialkompetenz und der Fähigkeit, wiederaufzustehen. In unseren Polizeikorps wird sehr viel Wert gelegt auf eine professionelle Aus- und danach kontinuierliche Weiterbildung. Kameradschaft wird nach wie vor bei uns grossgeschrieben. Gerade in Ausnahmesituationen dürfen wir alle erleben, dass es die Polizeifamilie wirklich noch gibt. Der kameradschaftliche Beistand, der selbstverständlich nicht mit einer ­unbotmässigen Kameraderie verwechselt werden darf!

Wenn jetzt ein Polizist, wie im Fall Suhr, auf einen Menschen schiessen muss: Wie können Sie dort helfen?

Als Polizeipsychologe führe ich eine strukturierte psychologische Einsatznachbesprechung. Dabei überzeuge ich mich von der Einsatzfähigkeit des Polizisten/der Polizistin und versuche, die Ausbildung einer posttraumatischen Belastungsreaktion abzuwehren. Erwähnenswert erscheint mir zudem, dass wir im Aargau einen Polizeiseelsorger beschäftigen, der notabene ebenfalls in Notfallpsychologie ausgebildet ist. Ihm stehen neben den erwähnten auch seine seelsorgerischen Methoden zu Verfügung, wofür wir ihm sehr dankbar sind.

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