Rücktritt
Polizeichef Reinhardt wurde beim Bund mehrfach geröntgt

Stephan Reinhardt war vor seinem Antritt 2008 als Aargauer Polizeichef Verbindungsoffizier des Generalstabs bei der Nato in Brüssel. Danach Stabschef bei der Bundeskriminalpolizei. Für beide Jobs wurde er einer strengen Sicherheitsprüfung unterzogen.

Beat Kraushaar
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Der Aargauer Polizeikommandant Stephan Reinhardt in Aarau

Der Aargauer Polizeikommandant Stephan Reinhardt in Aarau

Keystone

Stephan Reinhardt war vor seinem Antritt 2008 als Aargauer Polizeichef Verbindungsoffizier des Generalstabs bei der Nato in Brüssel. Danach Stabschef bei der Bundeskriminalpolizei. Für beide Stellen wurde er einer strengen Sicherheitsprüfung unterzogen. In seiner Funktion bei der Bundeskriminalpolizei musste sich Reinhardt, laut Fedpol-Sprecherin Danièle Bersier, sogar einer erweiterten Sicherheitsüberprüfung unterziehen.

Dazu gehört die Prüfung in fünf Polizei-Registern – bis hin zur Abfrage beim Geheimdienst. Danach kommen Abklärungen in Betreibungs-/Verlustschein- und Konkursregister. Weiter folgen eine routinemässige Internet-Abfrage sowie eine mündliche, rund zweistündige Befragung. Dabei geht es auch um das Sexleben und andere intime Fragen.

Admas auch beim Bund nicht abgefragt

Doch ausgerechnet ein Register wird beim Bund nicht abgefragt: Jenes für Administrativmassnahmen (Admas). «Für die Einholung eines Admas-Auszuges besteht keine explizite gesetzliche Grundlage. Dazu braucht es die Ermächtigung der zu prüfenden Person», sagt Thomas Abegglen, stellvertretender Informationsleiter bei der Bundeskanzlei.

In den Medien hiess es, dass man in diesem Register über die diversen Verkehrsdelikte von Reinhardt fündig geworden wäre. Das stimmt so nicht. Auch wenn der Kanton Aargau die Unterlagen des Bundes bekommen hätte, wäre wenig bis nichts über Reinhardt ersichtlich gewesen.

Nur alle fünf Jahre

Das «Sicherheitsleck» bei Reinhardt ist rasch erklärt: Der Bund macht die Überprüfung alle fünf Jahre. Sein Verkehrsdelikt mit einem einmonatigen Fahrausweisentzug von 2007 blieb deshalb unentdeckt. Seine alkoholisierte Motorradfahrt vor 20 Jahren und ein Selbstunfall mit dem Velo ist zu Recht verjährt und im Strafregister gelöscht.

Dumm gelaufen: Wäre Reinhardt vor einem Jahr nicht in Zürich von einer Radarfalle geblitzt worden, wäre er immer noch Aargauer Polizeichef – trotz all den Sicherheitsüberprüfungen.