Im Aargau kommt es am 20. Oktober zum Super-Wahlsonntag, gleichzeitig werden Nationalrat, Ständerat und Regierungsrat gewählt – ist das keine Überforderung für die Wählerschaft?

Daniel Kübler: Nein, da sehe ich keine Probleme, man ist ohnehin schon im Wahlkampfmodus. Wenn jetzt für den 20. Oktober noch ein weiterer Wahlzettel dazukommt, ist das für die Bevölkerung nichts Ungewöhnliches. Es gibt ja immer wieder Abstimmungssonntage mit zahlreichen verschiedenen Themen, das sind sich die Schweizerinnen und Schweizer gewohnt.

Die Parteien haben ihre Kandidaten für Stände- und Nationalrat schon nominiert – wie sollen sie jetzt noch valable Anwärter für den Regierungsrat finden?

Das ist tatsächlich ein Problem für die Parteien, zumal es beim Ständerat und beim Regierungsrat um eine Persönlichkeitswahl geht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand zugleich einen Wahlkampf für das Stöckli und die Kantonsregierung führt, das wäre auch nicht glaubwürdig. Eine Kombination aus Nationalrats- und Regierungsratskandidatur halte ich aber für möglich. Dies würde der betreffenden Person sogar noch zusätzliche Präsenz und
Publizität einbringen.

Kann die Situation für gewisse Parteien auch eine Chance sein – zum Beispiel für Links-Grün, die von einer Klimakandidatur sprechen?

Ja, diese könnten von dieser unerwarteten Vakanz profitieren, bei den letzten kantonalen Wahlen hat sich gezeigt, dass die Klimadebatte durchaus einen Einfluss hat. Wer auf dieser Welle reiten will, müsste aber von den Grünen oder der GLP portiert werden – wenn es ums Klima geht, haben diese Parteien die grösste Glaubwürdigkeit.

Sie würden in der möglichen Klima-Allianz für die Regierungsratswahlen also nicht auf Yvonne Feri als gemeinsame Kandidatin von SP, Grünen und GLP setzen?

Nein, eher nicht, die Wählerschaft der Grünen oder der GLP würde das nicht verstehen – wobei Yvonne Feri für die SP allein durchaus eine logische und auch valable Kandidatin wäre. Sie war in der Ausmarchung für die Ständeratskandidatur, ist am Parteitag dann zwar Cédric Wermuth unterlegen, würde aber parteiintern sicher die notwendige Unterstützung finden.

Wie sehen Sie die Ausgangslage für die SVP, die 2016 mit Franziska Roth nach mehreren Versuchen den zweiten Regierungssitz erobert hat und diesen nun wieder verlor?

Für die SVP ist die Situation eher ungemütlich, offenbar ist die Personaldecke ziemlich dünn. Auch wenn die Parteiführung bisher geschwiegen hat, gehe ich aber davon aus, dass die SVP als stärkste Kraft im Aargau eine Kandidatur stellen wird. Die anderen Parteien und die Wähler werden diese Person sicher genau unter die Lupe nehmen.

Muss die SVP nach dem gescheiterten Experiment mit Quereinsteigerin Franziska Roth jetzt zwingend jemanden bringen, der schon viel politische Erfahrung hat?

Idealerweise müsste es jemand sein mit Exekutiverfahrung aus einem Gemeinde- oder Stadtrat. Nochmals auf Quereinsteiger zu setzen, wäre sicher riskant. Ich glaube aber, dass es im Aargau genügend SVP-Lokalpolitikerinnen und -politiker gibt, die starke Kandidaturen wären. Meiner Meinung nach ist die Chance gross, dass die SVP am 20. Oktober ihren zweiten Regierungssitz verteidigen kann.

Bei den Wahlen 2016 wurde SVP-Kandidatin Franziska Roth von der FDP unterstützt, die CVP anerkannte den Anspruch der SVP auf einen zweiten Sitz – nun liebäugeln die bürgerlichen Parteien mit einer eigenen Kandidatur.

Angesichts der Parteistärken im Aargau (die SVP erzielte 2016 bei den Grossratswahlen 32 Prozent, die FDP 16 Prozent, die CVP 12 Prozent, die Redaktion) kann ich mir nicht vorstellen, dass die beiden bürgerlichen Parteien den Anspruch der SVP infrage stellen. Eine erfolgversprechende Kandidatur von FDP oder CVP könnte ich mir nur vorstellen, wenn sich bei der SVP keine valable Person findet.