Jetzt geht es wirklich los: In den nächsten Tagen werden im Aargau die Unterlagen für die National- und Ständeratswahlen verschickt. Bis Ende nächster Woche sollten praktisch alle Stimmberechtigten im Besitz des Wahlmaterials sein, schätzt Staatsschreiber-Stellvertreter Urs Meier.

In der Macht der Staatskanzlei liegt das aber nicht, für den Versand sind die Gemeinden verantwortlich. Zehn Tage vor der Wahl müssen die Unterlagen spätestens bei den Stimmberechtigten sein. Für die nächsten Nationalratswahlen werden die Parteien für den Schlussspurt im Wahlkampf übrigens umdenken müssen, denn der Bund schreibt neue Fristen für den Versand des Wahlmaterials vor: frühestens vier und spätestens drei Wochen vor dem Wahltermin.

Vimentis erklärt: So funktioniert das Schweizer Wahlsystem.

Vimentis erklärt: So funktioniert das Schweizer Wahlsystem.

Vimentis: Aargau über Schweizer Schnitt

Im Aargau bewerben sich 288 Kandidatinnen und Kandidaten um die neu 16 (bisher 15) Nationalratssitze, so viele wie noch nie. Nicht einfach für die Wähler, sich da einen Überblick zu verschaffen.

Wer setzt sich für eine offene, wer für eine restriktive Migrationspolitik ein, wer vertritt die Interessen der Umwelt am konsequentesten und wer die der Wirtschaft, mit welchen Kandidaten decken sich meine persönlichen Ansichten am meisten?

Antworten auf diese Fragen liefert die Online-Wahlhilfe vimentis.ch des gleichnamigen, 2003 von Studenten der Universität St. Gallen zur Förderung des politischen Dialogs gegründeten Vereins.

Wie wähle ich? Die Wahlanleitung von Vimentis für die National- und Ständeratswahlen.

Wie wähle ich? Die Wahlanleitung von Vimentis für die National- und Ständeratswahlen.

Im Aargau haben 83 Prozent der Kandidatinnen und Kandidaten den Vimentis-Fragebogen ausgefüllt. Das liegt deutlich über dem schweizerischen Durchschnitt von rund 70 Prozent, wie Daniel Geissmann vom Vimentis-Vorstand erklärt.

Lückenlos erfasst sind die Profile der CVP-Kandidaten und jene der Grünen, bei den anderen Parteien fehlen meistens auch nur Vereinzelte, jedenfalls bei den grösseren. Es seien eher die kleinen Splitterparteien, die die Plattform noch nicht so fleissig nutzen, so Geissmann.

Eigentlich erstaunlich, verfügen gerade sie in der Regel doch kaum über nennenswerte Budgets und haben auch weniger Gelegenheit, sich an öffentlichen Wahlpodien und dergleichen zu präsentieren als die etablierten Parteien.

Die «mittigste» Kandidatin ist in der GLP

Dass es gerade für nicht parteigebundene Wähler interessant ist, den Vimentis-Fragebogen auszufüllen (es gibt ihn in einer ausführlichen und einer Kurzfassung), um das Ergebnis mit jenen der Kandidaten zu vergleichen, zeigt ein Blick auf die nebenstehenden «Spider»: Zwischen manchen Kandidaten der gleichen Partei liegen zwar nicht gerade Welten, aber die Bandbreite der politischen Prioritäten innerhalb der gleichen Partei ist doch beachtlich, wie die Auswertung für die «extremsten» Kandidaten zeigt.

Dass zum Beispiel Andreas Glarner, der Präsident der SVP-Grossratsfraktion, von sämtlichen Aargauer Nationalratskandidaten am weitesten rechts steht, dürfte nicht sonderlich überraschen. Der Unterschied zum «politischen Fingerabdruck» von Alois Huber aus der gleichen Partei ist dann aber einigermassen erstaunlich, der Präsident des Bauernverbands gehört da im Vergleich schon eher zur politischen Mitte.

Apropos Mitte: Dass die absolut «mittigste» von allen Aargauer Kandidatinnen nicht etwa für die CVP, sondern für die Grünliberalen antritt, das hätte wohl auch nicht jeder gedacht.

Vimentis on imgur