Politiker von links bis rechts sind höchst besorgt über die unbefriedigenden Zustände an den Realschulen. Mit dem Einbezug der Kleinklassenschüler sei ein Sammelsurium entstanden, mit dem niemand etwas zu tun haben wolle.

Die Realschule finde kaum mehr Lehrkräfte, aber auch die Eltern versuchten mit allen Mitteln, «eine Einteilung in diesen integrativen Leistungszug der Oberstufe zu verhindern», schreibt die SVP-Fraktion in ihrem Postulat.

Das Misstrauen sei für normale Realschüler verheerend, weil sie immer mehr Berufsverbände wegen ungenügender Leistungen nicht mehr haben wollten.

Bei zu kleinen Klassen lege man nun 1. und 2. oder 2. und 3. Klasse zusammen, was laut SVP zu einem unmöglichen Schulbetrieb führt: zwei Jahrgänge, Kleinklassenkinder, Ausländerkinder und potenzielle Sekundarschul-Anwärter auf einem Haufen, was eine enorme Leistungsschere bedeute.

Dazu komme noch «die ständige Unruhe durch den Beizug von Heilpädagoginnen und andere Fachlehrkräfte», moniert die SVP.

Mit dem Nein zum Kleeblatt habe der Souverän sich für Leistungszüge ausgesprochen. Für Eltern, Schüler und Lehrbetriebe sei es wichtig, dass die Realschule wieder ein vollwertiger und eigenständiger Leistungszug werde, fordert die SVP.

Zusatzlektionen für Realschulen

Handlungsbedarf orten auch die Fraktionen der SP, CVP/BDP, GLP, EVP und der Grünen, die in einem gemeinsamen Postulat Verbesserungen fordern. Die Realschule entwickle sich immer mehr zu einer Restschule, mit der man möglichst nichts zu tun haben wolle. Nur mit einem entschlossenen Handeln der Politik könne man diesem Teufelskreis entkommen.

Das Rezept der fünf Fraktionen lautet Zusatzlektionen. Diese sollen alle Realschulen erhalten, welche integrativ arbeiten. «Die Ressourcen könnten dem geplanten und bewilligten Pool für Zusatzlektionen entnommen werden», lautet die gemeinsame Forderung.

Der Grosse Rat habe ja mit dem Paket «Stärkung der Volksschule Aargau» beschlossen, die Realschulen in erheblich belasteten Gemeinden zu unterstützen. Was sich in der Primarschule bewähre, greife in der Realschule zu kurz.

Gleich grosse Belastungen

Auch Gemeinden mit weniger Schülern in der Realschule und ohne Zusatzlektionen müssten die gleich grossen Belastungen verkraften.

«Die Anzahl der Jugendlichen, die zusätzlicher Betreuung bedürfen, ist in allen Gemeinden etwa gleich gross», steht im Postulat. Die Schulen sollten gemäss ihren Bedürfnissen selber entscheiden, wie sie die Zusatzlektionen auf ihre Klassen verteilen wollten.

Denkbar seien Teamteaching, Halbklassenunterricht, heilpädagogische Unterstützung oder Einsatz für die Berufswahl.

Der politische Weg wird unterschiedlich beurteilt, das Ziel ist identisch: Die Jugendlichen sollen in den Grundkompetenzen gefördert werden, um sie für die Weiterbildung auf der Sekundarstufe II zu befähigen.