Regierungsratswahlen
Politik-Berater spricht von «Fehlstart» für SVP-Kandidatin Franziska Roth

Politik-Berater Mark Balsiger findet das Schweigen von Franziska Roth ungeschickt. Die SVP hat die bisher unbekannte Richterin als Regierungsratskandidatin angekündigt. Vorläufig will sie in der Öffentlichkeit aber nicht auftreten.

Fabian Hägler
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Sinnbildlich: Der bisherige SVP-Bildungsdirektor Alex Hürzeler (ganz rechts) spricht, die neue Regierungsratskandidatin Franziska Roth schweigt.

Sinnbildlich: Der bisherige SVP-Bildungsdirektor Alex Hürzeler (ganz rechts) spricht, die neue Regierungsratskandidatin Franziska Roth schweigt.

Alex Spichale

Kaum jemand kennt Franziska Roth. Die SVP-Kandidatin für den Regierungsrat, die vor gut einer Woche vorgestellt wurde, ist politisch ein fast unbeschriebenes Blatt.

Die heute 51-jährige Brugger Gerichtspräsidentin kandidierte 2011 für den Nationalrat und sass vier Jahre lang im Einwohnerrat Brugg, trat aber öffentlich nicht gross in Erscheinung. «Ich muss offen sagen, dass ich nicht wahnsinnig viel Erfahrung habe. Doch ist es immer auch gut, wenn man politisch nicht verbraucht ist», sagte Roth gegenüber Tele M1.

Seit der Medienkonferenz vor zehn Tagen sagt die SVP-Frau indes gar nichts mehr. Die Teilnahme am TalkTäglich vom Dienstag sagte sie kurzfristig ab und auf eine Anfrage der az für ein Porträt antwortete Roth, sie stehe vor der offiziellen Nomination durch ihre Partei nicht für Fragen zur Verfügung. Dabei hatte SVP-Präsident Thomas Burgherr betont, in den nächsten Monaten gehe es darum, die Kandidatin im Kanton bekannt zu machen.

Ähnlich wie bei Hansjörg Knecht

«Die Situation ist ein bisschen ähnlich wie bei Hansjörg Knecht vor einem Jahr», sagt Burgherr auf Nachfrage. Knecht sei im Vergleich mit seinen Konkurrenten auch weniger bekannt gewesen, deshalb habe man ihn früh nominiert und dann mit einer gezielten Kampagne den Bekanntheitsgrad gesteigert. Verantwortlich dafür war Werner Laube, SVP-Bezirkspräsident in Zurzach und Inhaber eines Werbebüros. Laube soll nun auch Roth bekannt machen – «und ich bin sicher, dass ihm dies gelingt», sagt Burgherr über den Wahlleiter seiner Partei.
Doch auch Werner Laube gibt sich auf Anfrage zugeknöpft: «Vor der Nomination von Frau Roth sage ich nichts zur Wahlstrategie.»

Er habe auch der Kandidatin empfohlen, vor der Bestätigung durch die Parteibasis keine Anfragen von Medien zu beantworten. «Dies wäre ein Affront gegenüber den Parteigremien und würde nicht goutiert, schliesslich erfolgt die offizielle Nomination unserer Kandidaten am 20. April vor.» Laube sagt, die Ausgangslage für Roth sei tatsächlich ähnlich wie jene für Knecht, «und Sie können sicher sein, nach der Nomination werden wir schon aus dem Busch kommen».

«Kandidatin verschenkt Punkte»

Mark Balsiger, Kampagnen-Experte und Politikberater, findet dieses Verhalten von Roth ungeschickt. «Man kann sogar von einem Fehlstart sprechen», sagt Balsiger. Wenn eine unbekannte Kandidatin wie Roth eine Einladung für einen 20-minütigen Talk im Regionalfernsehen ablehne, verpasse sie eine erste grosse Plattform, sich der Bevölkerung zu präsentieren. Auch ihre Weigerung, ein paar Fragen für ein Porträt zu beantworten, werde die Redaktion nicht davon abhalten, dennoch über sie zu schreiben – «einfach ohne eigene Stellungnahme, und damit verschenkt sie Punkte», ergänzt Balsiger.

Mark Balsiger, Politik-Berater

Mark Balsiger, Politik-Berater

Solothurner Zeitung

Das Argument von Roth, sie wolle die Nomination durch die Partei abwarten, überzeugt den Kampagnen-Spezialisten nicht. «Die Nomination ist in solchen Fällen reine Formsache, man kann auch von einem Akt der Akklamation sprechen.»

Mit der Präsentation durch die Parteileitung ist für Balsiger klar, dass Franziska Roth die zweite Kandidatin der SVP ist. Deshalb gebe es keinen Grund, mit Aussagen in den Medien abzuwarten bis zur Nomination. «Wer sich nur ein bisschen auskennt mit den politischen Mechanismen, muss zum Schluss kommen, dass die Strategen der SVP und auch Franziska Roth offenbar einfache Grundregeln nicht verstanden haben», kritisiert Balsiger.

Doch wie hätten Roth und die Partei vorgehen sollen? «Entweder hätte man direkt bei der Medienkonferenz sagen müssen, dass Franziska Roth bis zur Nomination nicht für weitere Auskünfte zur Verfügung steht. Oder dann müsste der Nominationstermin zeitlich näher bei der Präsentation der Kandidatin liegen – dass sie nun vier Wochen lang schweigt, ist keine gute Ausgangslage.»

«Kakophonie» für SVP-Wähler

Auch den Zick-Zack-Kurs von SVP-Präsident Thomas Burgherr, der im vergangenen Herbst den Angriff auf den Sitz von Susanne Hochuli ankündigte, nun aber kein Duell mit der Grünen mehr will, kritisiert der Politikberater.

«Das klingt nach Hüst und Hott – entweder definiert man die Person, deren Sitz man will, und hält dann auch daran fest, oder man setzt von Anfang auf die Aussage, aufgrund der Wählerstärke habe man Anspruch auf zwei Sitze.»

Mit der systematischen, jahrelangen Kritik an Regierungsrätin Hochuli habe die SVP den Angriff auf sie praktisch schon gestartet, analysiert Balsiger.

«Wenn nun der Parteipräsident von einer bürgerlichen Auswahl spricht und nicht mehr den Grünen-Sitz angreifen will, stellt sich für viele Leute die Frage, was nun gilt.»

Gerade für eine Partei wie die SVP und ihre Wählerschaft, die sich klare Parolen und Positionen gewöhnt sei, töne dies wie eine Kakophonie, sagt Balsiger.

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