Murgenthal: Brand auf Flachdach – Bremgarten: Fussgänger von Lastwagen überfahren – Aarau: Drei Festnahmen nach Fussballspiel.

Das sind die Medienmitteilungen, die die Kantonspolizei Aargau gestern Samstag bis 13 Uhr verschickt hatte.

Rund 1000 Communiqués sind es pro Jahr, wie Polizeisprecher Bernhard Graser schätzt. Der Mediendienst ist sieben Tage die Woche erreichbar, bei schweren Ereignissen auch als Pikett während der Nacht.

Bernhard Graser ist einer von drei hauptamtlichen Mitarbeitenden im «Dienst Medien & PR». Hinzu kommen zwei, die Wochenenddienste übernehmen.

Sie alle sind keine studierten Medienleute, sondern erfahrene Polizisten. Das ist für Journalisten und Zeitungsleser ein Vorteil: Sie wissen, wovon sie sprechen – und sagen Sätze, die etwas aussagen statt nur gut tönen.

Dennoch will jetzt die Kantonspolizei kommunikativ aufrüsten. Am Donnerstag teilt sie mit: «Kantonspolizei Aargau informiert schneller über Kriminalitätsphänomene».

Nebst den Medienmitteilungen, die die Öffentlichkeit «über begangene Straftaten, besondere Deliktsarten und auftauchende Phänomene» informierten, gehe man «nun einen Schritt weiter».

Gewonnene Erkenntnisse sollen «schneller und direkter» verbreitet werden. Insbesondere bei der Einbruchskriminalität wolle man «aufgrund aktueller Hinweise noch rascher und gezielter» informieren.

«Rascher und gezielter», «schneller und direkter», «einen Schritt weitergehen»: Ausnahmsweise benutzen auch die Aargauer Floskeln statt Fakten.

Dass sie dennoch ernst gemeint sind, zeigt ein Blick auf das Smartphone: Seit Donnerstag steht eine neue Version der Kapo-App zum Download bereit.

Vor einem halben Jahr lanciert, wurde sie jetzt modernisiert. Neu werden News in zwei Kategorien angezeigt: «Die Polizei informiert» und «Die Polizei warnt».

Am Freitag, einen Tag nach Aufschaltung, folgt bereits die erste Warnung: «Vorsicht, Autoaufbrüche im unteren Fricktal!» Dies, nachdem in der Nacht auf Donnerstag unbekannte Täter in Rheinfelden bei drei Autos Scheiben eingeschlagen und dabei ein Portemonnaie, ein Notebook und ein Tablet erbeutet hatten.

Polizeisprecher Graser bestätigt: «Wir wollen damit gezielt orientieren und warnen.» Vor allem bei Einbruchdiebstählen, aber auch bei anderen Phänomenen, die kurzzeitig auftreten, wolle man den Kanal nutzen.

«Damit werden wir zwar nicht mehr Festnahmen haben, aber einige Einbrecher vertreiben können», sagt Graser. 2014 hatte die Kantonspolizei mit Patrouillen in Quartieren und Warnungen die Zahl der Einbrüche bereits deutlich senken können – jetzt soll sie weiter tief gehalten werden. Im ersten Quartal 2015 wurde das Ziel erreicht. Auch dank der App.

Diese kann neu auch sogenannte Push-Meldungen verschicken. Heisst: Im Moment, in dem die Polizei eine Warnung herausgibt, poppt sie auf dem Smartphone auf – nach Wunsch mit Ton. Die Idee: Dank der Polizei-Software «Precobs», die Verbrechen voraussagen kann und die derzeit von der Kapo Aargau getestet wird, wird auf ein Dorf oder sogar auf ein Quartier genau gewarnt, wo die Gefahr für den nächsten Einbruch hoch ist.

Das Verbrechen verhindern, bevor es passiert: Die Polizei der Zukunft ist Gegenwart. Sie spricht von «Sensibilisierung» – doch ist es nicht auch Angstmacherei? «Das kann sein», räumt Bernhard Graser ein. «Wir sind uns bewusst, dass so Verunsicherung gesteigert werden könnte. Aber wir sind der Ansicht, dass der Nutzen überwiegt.» Man wolle keineswegs Angst und Schrecken verbreiten, doch teilweise seien sich die Leute «wirklich nicht bewusst, wie fahrlässig sie sich verhalten». Damit es keine Abnutzung gebe, werde man die Push-Funktion «zurückhaltend einsetzen». Und: Wem auch einzelne Warnungen zu viel sind, der kann sie ganz deaktivieren.

Etwas weniger um den Ernst der Lage soll es auf der gemäss Communiqué «neu zu erstellenden Facebook-Site» gehen. Sie soll «in den nächsten Wochen» erstellt werden, wie Graser auf Nachfrage erklärt, und vor allem «als weiterer Kanal für den direkten Kontakt mit der Bevölkerung» dienen. «Wir wollen kein Abbild der Homepage, sondern Sachen publizieren, die wir über die herkömmlichen Medien nicht publizieren können.» Etwa Tipps für den Sommer, die sonst untergehen würden – oder auch Amüsantes, das zum Lachen anregt. «Als Behörde ist das immer eine Gratwanderung», sagt Graser. Aber man habe Erfahrungen mit Korps ausgetauscht, die Facebook bereits nutzen. So wissen die Aargauer auch, dass die Betreuung eines solchen Auftritts viel Zeit in Anspruch nimmt. Zeit, die künftig woanders fehlen wird. Denn: «Wir machen das alles mit den bestehenden Ressourcen.»

Die Polizei ist das Zentralorgan der Diskretion. Doch, um Verbrechen zu verhindern, gibt sie immer mehr preis. «Das ist ein gewisser Spagat», sagt Bernhard Graser. Aber man gebe nicht wahllos Informationen preis, sondern nur dort, wo es taktisch Sinn mache. Zudem würden das Amtsgeheimnis und der Persönlichkeitsschutz immer gewahrt. Ob in Murgenthal, Bremgarten oder Aarau. 365 Tage im Jahr, 7 Tage die Woche.