Öffentlicher Verkehr
Pöbelnde und spuckende Passagiere: Schattenseiten eines Busfahrer-Lebens

Das Verhältnis zwischen Busfahrer und Fahrgast ist nicht immer einfach, wie der Fall des entlassenen Chauffeurs in Brugg zeigte. Er sei von Passagieren beschimpft und bespuckt worden, sagt ein Chauffeur, der nach 26 Jahren genug von seinem Beruf hat.

Manuel Bühlmann
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Am Brugger Busterminal beschimpfte ein Chauffeur einen Fahrgast, was ihn den Job kostete. Doch auch Busfahrer müssen sich von den Fahrgästen so einiges gefallen lassen. Claudia Meier

Am Brugger Busterminal beschimpfte ein Chauffeur einen Fahrgast, was ihn den Job kostete. Doch auch Busfahrer müssen sich von den Fahrgästen so einiges gefallen lassen. Claudia Meier

Claudia Meier

Weil er einen jungen Mann mehrmals beschimpft hatte, wurde ein Postauto-Chauffeur der Linie 142 Brugg-Laufenburg entlassen.

Der Fall bewegt die Gemüter, wie die zahlreichen Reaktionen auf den az-Artikel von Mitte Juni zeigen.

Die einen berichten von unfreundlichen, rüpelhaften Fahrern. Die anderen schreiben von unflätigen Passagieren, die den Chauffeur das Leben schwer machen.

Das Verhältnis zwischen Fahrern und Fahrgästen ist kein einfaches. Das bestätigt auch ein Blick ins Online-Forum der AAR Bus+Bahn. Viele Einträge handeln von Konflikten in den Bussen.

Gerade auch unter den Busfahrern scheint der Frust tief zu sitzen.

So meldete sich bei der Redaktion unter anderem ein mehrjähriger Arbeitskollege des entlassenen Chauffeurs.

Hans-Peter Meier war ebenfalls lange Zeit auf der Linie Brugg-Laufenburg unterwegs.

Er habe sich gemeldet, weil er auf die teils schwierige Situation der Chauffeure aufmerksam machen möchte. «Mich nervt, wenn in der Öffentlichkeit nur die eine Seite wahrgenommen wird.»

Denn was sich Chauffeure und Billetkontrolleure regelmässig anhören müssten, würde die Mehrheit der Leute gar nicht mitbekommen.

Mittelfinger und Schimpfwörter seien keine Seltenheit. «Zuerst ausreden lassen, dann erklären», wird den Fahrern im Umgang mit pöbelnden Passagieren geraten. Entsprechende Kurse sind Pflicht.

«Oftmals bleibt uns in solchen Situationen nur, die Faust im Sack zu machen», sagt Meier.

Beschwert sich ein Fahrgast, muss der betroffene Chauffeur schriftlich Stellung nehmen. «Der Aufwand dafür hat in den letzten Jahren stark zugenommen.»

Auch wegen solcher Vorfälle hat der 64-Jährige nun nach 26 Jahren genug – er liess sich frühpensionieren. «Chauffeur war für mich ein schöner Beruf. Heute würde ich ihn nicht mehr wählen.»

Doch nicht immer bleibt es bei Beleidigungen. «Letztes Jahr hat mir ein Mann ins Gesicht gespuckt.»

Gar von einem Stein beworfen wurde kürzlich einer seiner ehemaligen Arbeitskollegen.

Der Busfahrer hatte Glück, der Stein verfehlte ihn und zertrümmerte das Fenster hinter ihm. Manchmal kämen sich die Chauffeure vor wie Freiwild, sagt Meier.

Mit Aus- und Weiterbildungen versucht die Postauto Schweiz AG ihre Mitarbeitenden auf brenzlige Momente vorzubereiten.

«Das Fahrpersonal wird gezielt für diese Situationen geschult und sensibilisiert», sagt Postauto-Mediensprecher Simon Glauser.

«Insbesondere wird das deeskalative Verhalten gefördert.»

In der Ausbildung gebe es zudem ein Ausbildungsmodul zum Thema «Kriminalität und Gewalttaten».

Wie häufig Tätlichkeiten vorkommen, lässt sich aufgrund fehlender systematischer Erhebungen nicht sagen. «Tendenziell nehmen Drohungen und Nötigen eher zu, Körperverletzungen und Tätlichkeiten eher ab», sagt Glauser.

Die Mehrheit der Fahrgäste verhalte sich absolut korrekt, es könne im täglichen Fahrbetrieb aber immer wieder zu Beleidigungen kommen, die alle Facetten von Kraftausdrücken abdeckten.

«Aufgrund seiner Kundennähe ist der Fahrer natürlich auch bei allfälligen Wut-Reaktionen erste und direkt greifbare Ansprechsstelle», sagt Simon Glauser.