Aargau
Plätze für Fahrende nicht ausgelastet – doch Kanton will weitere einrichten

Im Aargau sind drei weitere Durchgangsplätze geplant. Dies, obwohl die Belegung der Plätze zwischen 25 und 78 Prozent liegt. SVP-Grossrätin Milly Stöckli fordert den Verzicht auf zusätzliche Plätze, doch Kanton und Jenische sehen ein Bedürfnis.

Fabian Hägler
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Im Gegensatz zu Schweizer Fahrenden – hier in Aarau – haben die ausländischen Fahrenden noch keine Transitplätze. Chris Iseli/AZ

Im Gegensatz zu Schweizer Fahrenden – hier in Aarau – haben die ausländischen Fahrenden noch keine Transitplätze. Chris Iseli/AZ

Chris Iseli/AZ

Mit seinen aktuell sechs Halteplätzen gilt der Aargau bei Fahrenden als vorbildlich. Gérard Müllhauser, Sprecher der Schweizer Fahrenden, ist laut der «NZZ» des Lobes voll für den Aargau. Hier besuchten Behördenvertreter die Fahrenden regelmässig auf den Durchgangsplätzen, um den Dialog zu pflegen und sich zu erkundigen, ob es Verbesserungsmöglichkeiten gäbe. Auf ein Angebot eines Aargauer Landwirtes, ein Grundstück für Schweizer Fahrende zur Verfügung zu stellen, habe der Kanton rasch und unbürokratisch reagiert, sagt Müllhauser: Innerhalb weniger Monate sei auf dem Areal ein neuer Durchgangsplatz in Betrieb gewesen.

Drei weitere Plätze für Fahrende sollen im Aargau dazukommen – doch ist dies überhaupt nötig? Die Belegungszahlen der bestehenden Plätze, die von der kantonalen Fachstelle Fahrende erhoben werden, lassen Zweifel daran aufkommen. Die Belegung bewegte sich zwischen 24,6 und 78,3 Prozent, demnach waren die Plätze in den letzten beiden Jahren bei weitem nicht ausgelastet. Fachstellenleiter Jörg Hartmann erklärt: «Eine Auslastung von 100 Prozent würde bedeuten, dass die Fahrenden ihre Stellplätze praktisch gar nicht wechseln könnten.»

Die sehr tiefe Auslastung in Kaiseraugst und Zofingen begründet Hartmann so: «Seit einigen Jahren wird der Betrieb auf dem Platz Kaiseraugst, wo ausländische Fahrende zugelassen sind, stärker kontrolliert.» Deshalb seien die Ausländer auf andere Plätze ausgewichen. «In Zofingen können Plätze sehr frühzeitig reserviert werden – wenn sich die Fahrenden dann anders entscheiden, ist der gebuchte Platz eben leer.» Derzeit laufen Bestrebungen, dieses Reservierungssystem zu ändern.

Milly Stöckli, SVP-Grossrätin aus Muri, zieht andere Folgerungen aus den Belegungszahlen. «Wenn ich sehe, wie tief die Werte sind, müssen Pläne für neue Plätze für Fahrende umgehend gestoppt werden», sagt Stöckli. Sollte der Durchgangsplatz in Merenschwand realisiert werden, wäre Stöckli als Landpächterin neben dem geplanten Standort direkt betroffen. «Die tiefen Belegungszahlen zeigen, dass die bestehenden Kapazitäten bei weitem nicht ausgeschöpft werden und weitere Plätze nicht nötig sind», kritisiert Stöckli. Sie ist der Meinung, die Fahrenden stellten auch im Aargau masslose Forderungen.

Daniel Huber, Präsident der Rad-
genossenschaft der Landstrasse, widerspricht vehement: «Damit eine gewisse Rotation für uns Fahrende möglich ist, braucht es genügend Plätze.» Huber hält fest, ein Durchgangsplatz für Jenische sei nicht mit einem Migros-Parkplatz zu vergleichen, wo jede Parklücke sofort wieder vom nächsten Kunden gefüllt werde. «Normalerweise erkundigen sich Fahrende bei den Ansprechpersonen der Plätze, wie es momentan mit der Belegung aussieht, und entscheiden dann, wo sie halten», erläutert Huber.

Einen Ausreisser nach oben gibt es in der Belegungsstatistik übrigens auch. Der Platz in Aarau war im Winter 2013 zu gut 137 Prozent ausgelastet. Jörg Hartmann erklärt: «Im Winter wird der Platz im Aarauer Schachen als Standplatz genutzt, die Kapazität liegt grundsätzlich bei fünf Wohnwagen.» Bewusst sei im letzten Winter eine «Überbelegung» erfolgt, sagt Hartmann. Und er sagt: «Für die Wintersaison 2014/2015 soll die zulässige Zahl durch den dafür zuständigen Stadtrat erhöht werden.»