Bio

Pionierarbeit: Das Rüebliland Aargau will mehr eigene Bio-Bauern

Bäcker Marco Monaco-Oesch setzt auf Bio-Rohstoffe.

Bäcker Marco Monaco-Oesch setzt auf Bio-Rohstoffe.

Bio-Produkte werden oft aus dem Ausland importiert. Der Aargau will das nun ändern. Als einziger Kanton lanciert er einen regionalen Bio-Aktionsplan.

Seit fast 100 Jahren behauptet sich die Bäckerei Furter in Aarau, trotz Grossverteilern und Ladenketten. Drei Generationen lang führten Mitglieder der Familie Furter die Bäckerei, mittlerweile wird sie von Mario Monaco-Oesch geleitet. Er ist Quereinsteiger, ursprünglich ist er gelernter Konditor. Nicht alle hätten ihm zugetraut, dass er die Bäckerei so erfolgreich führe wie seine Vorgänger, erinnert sich Monaco-Oesch.

Sein Fokus auf Qualität habe sich aber bewährt. «Geldverdienen ist nicht unsere erste Priorität, die Ethik ist uns wichtiger». Darum setzt er, genau wie seine Vorgänger, auf biologische Rohstoffe für sein Brot. Damit hole er Kunden in seinen Landen. «Immer mehr Leuten wollen wissen, was im Brot steckt. Oft wissen sie besser Bescheid über Getreidesorten als ich.» Liebevoll werden die Gipfeli in seiner Backstube von Hand gerollt. «Sie sind dann zwar nicht so schön wie aus der Maschine, aber sie schmecken besser.»

Mehr Bio-KMU

So wie Mario Monaco-Oesch sollen in Zukunft mehr Inhaber von KMU denken. Bioprodukte, mit Rohstoffen aus dem Aargau und hier verarbeitet, sollen bald die Verkaufsregale im Aargau füllen. Darum hat der Kanton zusammen mit verschiedenen Akteuren (KMU, Verband Bio Aargau, dem eidgenössischen Departement für Wirtschafts, Bildung und Forschung, Staatssekretariat für Wirtschaft sowie Landwirtschaft Aargau im Departement für Finanzen und Ressourcen) den Bio- Aktionsplan 2021 entworfen. Der Aktionsplan entstand im Rahmen des Projekts «Bio KMU Aargau», ein Teilprojekt des europäischen Projekts «SME Organics». Dieses will die Bio-Branche auf regionaler Ebene stärken.

Ziel des Aktionsplans ist es, KMU im Biolandbau und der Bio-Lebensmittelwirtschaft zu fördern. Der Plan wurde vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) in Frick und dem landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg ausgearbeitet. Finanziell unterstützt wurden sie dabei vom Staatssekretariat für Wirtschaft Seco. Der Kanton will das Projekt ebenfalls fördern: «Bio-Produkte sind auf dem Markt gefragt», so Regierungsrat Markus Dieth an der Medieninformation zum Aktionsplan. «Der Aargau muss darauf reagieren.» Speziell am Aktionsplan im Aargau ist, dass der Fokus auf der ganzen Lebensmittel-Wertschöpfungskette liegt. So wie bei Monaco-Oesch. Deshalb fungierte seine Bäckerei an der Medieninformation in Aarau als Beispiel-KMU.

Im Aktionsplan sind in sieben Bereichen klare Ziele festgelegt, die bis ins Jahr 2021 erreicht werden sollen. Zum Beispiel sollen 14 Prozent der Landwirtschaftsfläche im Aargau biologisch bewirtschaftet werden, zu den 241 Bio-Landwirtschaftsbetrieben im Aargau sollen zehn dazukommen. Damit das erreicht wird, werden verschiedene Weiterbildungen durchgeführt und die Landwirtschaftsbetriebe beraten.

Attraktiver für die Kunden

Schliesslich wird der Blick auch auf die Konsumentinnen und Konsumenten gerichtet: Sie sollen über die Vorteile von regionalen Bioprodukten informiert und dafür sensibilisiert werden. Dies könnte etwa mit einem neuen Marktkonzept gelingen, wo Produzenten und Konsumenten sich begegnen und austauschen. Bereits gibt es im Aargau verschiedene Wochenmärkte, an dene Bio-Produkte angeboten werden. Dieses Potenzial ist laut den Initianten des Aktionsplans, aber noch nicht ausgeschöpft. Es sollen neue Marktkonzepte dazukommen. Verantwortlich dafür ist Aargau Tourismus, zusammen mit den Landwirtschaft- betrieben. Vorstellbar wäre etwa ein Abendmarkt. Um die verschiedenen Massnahmen zu koordinieren, wird eine Geschäftsstelle aufgebaut, die auch vom Kanton finanziell unterstützt wird. Die Mittel dafür werden im Rahmen des Budgets 2019 beantragt.

Vom Profi für gut befunden

An der Medieninformation in Aarau sass auch Otto Schmid im Saal. Er war der erste Bio-Berater in der Deutschschweiz und hat europaweit an mehreren Aktionsplänen für biologische Landwirtschaft mitgearbeitet. Er war langjähriger Mitarbeiter am FiBL und ebenfalls an der Planung für den Aktionsplan 2021 beteiligt.

Schmid sieht viel Potenzial in dem Plan: «Der Aargau hat eine vielfältige Landwirtschaft. Bereits heute gibt es viele kleine, innovative Unternehmen.» Zudem bestehe das Bedürfnis der KMU, enger zusammenzuarbeiten. «Mit dem Aktionsplan entsteht eine Plattform, die das ermöglicht.»

Der TeleM1-Beitrag zum Thema: 

Bio ist voll im Trend!

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Darum fördert der Kanton Aargau, als erster Deutschschweizer Kanton, die Bio-Produktion mit einem Aktionsplan.

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