Verdorben

Pilzkontrolleurin warnt: Speisepilze werden durch das extreme Wetter giftig

Selbst erfahrene Pilzsammler sollten heuer ihre Ausbeute kontrollieren lassen. (Symbolbild)

Selbst erfahrene Pilzsammler sollten heuer ihre Ausbeute kontrollieren lassen. (Symbolbild)

Kaum hat der September angefangen, kommt Herbststimmung auf. Wer aber saisongerecht sein Essen mit selbst geschnittenen Pilzen verfeinern will, sollte sich nicht vor dem Gang zum Kontrolleur drücken, denn: Auch Speisepilze können giftig sein.

Selbst erfahrene Pilzsammler sollten heuer ihre Ausbeute kontrollieren lassen, denn sie müssen damit rechnen, dass sie bereits verdorbene Pilze gepflückt haben. «Durch die extremen Wetterverhältnisse in diesem Jahr haben wir eine Ausnahmesituation», bestätigt Margrith Montalta, Pilzkontrolleurin der Stadt Aarau. Wenn Montaltas Fachwissen benötigt wird, arbeitet sie auch in der Spitaldiagnostik. Dort hatte sie bereits mit einem unüblichen Vergiftungsfall zu tun.

Weil es im Frühling sehr lange kalt gewesen sei und im Sommer eine sehr trockene Wetterperiode einsetzte, hätten viele Pilzarten gelitten. Im Wald finde man deshalb im Moment nur vereinzelt Pilze. «Es war zu trocken, das Mycel, so nennt sich das unterirdische Pilzgeflecht, hat keine Fruchtkörper gebildet.» Weniger empfindliche Pilzarten, wie Eierschwämme könne man zwar mit etwas Glück entlang von Feuchtgebieten pflücken, aber man solle alle gefundenen Pilze gewissenhaft kontrollieren. «Sie könnten bereits vor dem Pflücken verdorben sein», warnt Montalta.

Nach den kurzen und heftigen Regengüssen, die es in den letzten Wochen immer wieder gab, hätten sich die von der Trockenheit geplagten Pilze mit Wasser vollgesaugt. Die darauf folgende Hitze habe sie dann «gekocht». Das habe zur Folge, dass auch Pilze, die normalerweise geniessbar seien, zu Vergiftungen führen könnten. Allerdings handle es sich dabei um Lebensmittelvergiftungen.

Erst kürzlich sei sie zu einem solchen Fall herbeigezogen worden. «Die Person hatte einen Parasol, ein beliebter Speisepilz, im Wald gefunden und nichts ahnend gekocht.» Sie sei wenig später mit einer Vergiftung ins Spital eingeliefert worden. «Nach Untersuchung der Pilzreste war anhand der Sporen klar, dass sie keinen giftigen Pilz gegessen hatte.»

Um zu verhindern, dass man einen verdorbenen Pilz pflücke, gelte vor allem eines: Achtsamkeit. «Beim Pilzlen muss man mit Augen, Nase und Mund urteilen.» Verdorbene Pilze wären leicht an ihrem unangenehmen Geruch zu erkennen. «Wenn zum Beispiel ein Steinpilz schlecht geworden ist, stinkt er erbärmlich.»

Damit Pilzliebhaber im Herbst trotz allem verschiedene Arten von Pilzen sammeln können, brauchte es Wetter wie aus dem Bilderbuch, so Montalta. «Der im Herbst übliche Morgennebel und warme Temperaturen wären ideal.» Es werde den Pilzsammlern dieses Jahr wohl wenig Zeit bleiben, ihre Vorräte zu füllen. «Ich denke erst nach den Herbstferien wird die Pilzsaison richtig starten», sagt Montalta. Bis zum ersten Frost im November bleibe dann nur noch wenig Zeit.

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