Sie fiel auf, die PC-12 der deutschen Firma Witron Logistik + Information GmbH, die vor drei Jahren gleich mehrfach auf dem Birrfeld landete (siehe Bild). Denn eigentlich ist der grösste Flugplatz im Aargau, anders als zum Beispiel der Flughafen Grenchen, nicht auf die Geschäftsfliegerei ausgerichtet.

Das Birrfeld ist Basis einer Fliegerschule und mehrere Fluggruppen, «gegen 230 Motor- und Segelflugzeuge, vom Oldtimer bis zum modernsten Schulflugzeug», sind laut der Website des Flugplatzes hier stationiert.

Dass eine Firma ihre Mitarbeiter ins Birrfeld einfliegt, ist hingegen ziemlich selten. Witron tat dies 2015, weil Spezialisten aus Deutschland bei einem Projekt in der Migros-Verteilzentrale Buchs arbeiteten. Ausgangspunkt des Fluges war der Flughafen Hof in Oberbayern, statt einer sechsstündigen Busfahrt gab es für die Firmen-Mitarbeiter einen einstündigen Flug.

Die zentrale Lage im Mittelland, die tiefen Gebühren und die Flexibilität sprächen für das Birrfeld, sagte der Chefpilot von Witron damals gegenüber der AZ. «Der grosse Nachteil ist, dass der Flugbetrieb stark wetterabhängig ist. Wenn es neblig ist, können wir hier nicht landen und müssen nach Zürich ausweichen.» Ausserdem sei das Birrfeld eine fliegerische Herausforderung, ergänzte er: «Die Piste hier ist relativ kurz und der Start sowie die Landung müssen immer handgesteuert erfolgen.»

Piloten kämpfen mit Nebel

Künftig könnten An- und Abflüge im Birrfeld aber einfacher werden. An seiner Vorstandssitzung im Juni hat der Aero-Club Aargau eine Kommission eingesetzt, die Abklärungen zur Machbarkeit von Instrumentenflugverfahren prüfen soll. Laut der aktuellen «Birrfelder Flugpost» setzt sich die Kommission aus rund einem Dutzend Piloten zusammen, deren Flugzeuge im Birrfeld stationiert und für Instrumentenflug ausgerüstet sind.

Matthias Klein, Vorstandsmitglied des Aero-Clubs, sagt auf Anfrage: «Heute können Flugzeuge auf dem Birrfeld nur auf Sicht starten und landen, bei schlechtem Wetter oder Nebel ist dies nicht möglich.» Für Landungen könne man bei schlechtem Wetter auf einen anderen Flugplatz ausweichen, wer vom Birrfeld aus starten wolle, könne aber tagelang festsitzen.

Rund ein Dutzend Piloten, die ihr Flugzeug als Verkehrsmittel brauchen, möchten dies nun ändern. «Wir haben zwei Offerten für Studien eingeholt, die zeigen sollen, ob ein Instrumenten-Flugverfahren im Birrfeld möglich ist», sagt Matthias Klein. Er selber fliege zum Beispiel gelegentlich vom Birrfeld aus nach Deutschland, Frankreich oder Italien. «Das tue ich immer dann, wenn es keine Linienflüge dorthin gibt oder der Zeitverlust sehr gross wäre», sagt der CEO einer Firma mit Sitz in Zürich.

Nicht mehr Flugbewegungen

Klein betont, es sei nicht das Ziel der Piloten, den Flugbetrieb im Birrfeld auszuweiten oder mehr Geschäftsflieger anzulocken. Die meisten Businessjets könnten hier ohnehin nicht landen, weil die Piste zu kurz sei, erklärt Klein. «Und an Tagen mit Nebel oder Schlechtwetter könnten auch künftig nur die Flugzeuge unserer kleinen Pilotengruppe starten und landen, alle anderen weiterhin nicht.»

Mit dem neuen Instrumentenflugverfahren könnte vielmehr die Sicherheit im stark genutzten Luftraum über dem Birrfeld verbessert werden. «Heute müssen wir immer zuerst die Flugsicherung am Flughafen Zürich anrufen, künftig könnte uns diese bei Start und Landung vollständig überwachen», sagt Klein.

Selbstverständlich werde man das Gespräch mit der Flugplatzleitung, den umliegenden Gemeinden, der Flugsicherung Skyguide sowie dem Bundesamt für Zivilluftfahrt suchen, «wenn sich zeigen sollte, dass ein solches Verfahren auf dem Birrfeld möglich ist.»