Eine Nachbarin rief Daniel Ottiger an. Zwei Männer seien auf dem Dach seiner Eltern, es seien Schwindler, sagte sie. Sofort fuhr Ottiger zum Elternhaus. Tatsächlich waren dort zwei Männer auf dem Dach. Ottiger fragte die beiden, was sie tun und forderte sie auf zu gehen. Das taten sie - nach einer heftigen Diskussion.

Was vorher geschah: Ricardo Reinhard, Dachsanierer aus dem Kanton Schaffhausen, klingelte bei Ottigers Eltern und riet ihnen, das Dach sanieren zu lassen, weil es sonst bald kaputt gehe. Er zeigte ihnen Bilder von gereinigten Dächern und erzählte von zufriedenen Kunden.

Der eloquente Reinhard überzeugte die beiden Senioren von der Notwendigkeit seiner Arbeit. Sie willigten ein und waren einverstanden, sofort zu bezahlen. Ottigers Mutter hatte den vereinbarten Betrag von 2800 Franken bereits auf der Bank abgeholt, als ihr Sohn eintraf und die Schwindler entlarvte.

«Picobello sauber»

Dass er ein Schwindler sei, davon will Ricardo Reinhard nichts wissen. «Ich verspreche nichts Falsches», sagt Reinhard auf Anfrage. Nach Reinigung und Imprägnierung sei das Dach jeweils «picobello sauber», betont er.

Dass Reinhard ein Schwindler ist, davon ist hingegen Gervas Matter, Geschäftsführer der Firma Matter Bedachungen in Schöftland, überzeugt. Matter selber würde niemals Dächer imprägnieren: «Es ist das Schlimmste, was man machen kann», sagt der Fachmann.

Durch das Imprägnieren würden die Poren der Tonziegel versiegelt. Der Ton könne darum das Wasser nicht mehr abstossen. Im Winter sprenge es dann die Ziegel. «Dachimprägnierung ist reine Kosmetik», sagt der Dachdecker. Ausserdem sei eine Reinigung heute fast so teuer wie neue Ziegel.

Barbezahlung unüblich

Davon, dass ein Fachmann davor warnt, Dächer imprägnieren zu lassen, lässt Reinhard sich nicht beeindrucken. Als Beweis für seine gute Arbeit gibt er die Telefonnummer einer zufriedenen Kölliker Kundin an. Die ältere Dame bestätigt ihre Zufriedenheit am Telefon.

Genau das sei das Problem, sagt Daniel Ottiger: «Die Leute merken gar nicht, dass sie betrogen werden.» Dachdecker Matter bestätigt das. Ein Dach sehe nach einer Reinigung zwar schön aus, Reinigung und Imprägnierung aber seien ansonsten nutzlos und beschädigten die Ziegel sogar. «Scharlatane» nennt Matter darum solche Dachsanierer, wie Reinhard einer ist.

Der Fachmann warnt davor, sich an der Haustüre zu solchen Imprägnierungen überreden zu lassen. «Seriöse Handwerker schauen sich das Dach zuerst an, beraten den Kunden und offerieren erst dann.» Ausserdem sei es nicht üblich, bar zu bezahlen, sagt Matter.