Wahlen 2019
Philipp Müller hört auf – er tritt als FDP-Ständerat nicht mehr an

Nach Pascale Bruderer (SP) wird auch Philipp Müller (FDP) sich nächstes Jahr nicht wieder zur Wahl stellen. Damit erhält der Aargau mit Sicherheit eine neue Doppelvertretung im Stöckli in Bern.

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Philipp Müller beginnt seine Karriere bei der FDP Reinach, deren Präsident er von 1996 bis 2004 ist. (Bild von 1997)
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Von 1997 bis 2003 sitzt er im Aargauer Grossen Rat.
National macht Müller erstmals 2000 von sich reden mit...
... der 18-Prozent-Initiative, mit der er eine Ausländerquote von 18 Prozent einführen will. Über 63 Prozent der Stimmenden und alle Kantone sagen Nein.
Bei den Schweizer Parlamentswahlen 2003 wird Müller in den Nationalrat gewählt.
Er nimmt während seiner Zeit in der grossen Kammer Einsitz in der Staatspolitischen Kommission und der Kommission für Wirtschaft und Abgaben.
2004 wird er Geschäftsleitungsmitglied der FDP Schweiz.
Ab 2008 ist Müller Mitglied der Schweizerischen Gewerbekammer.
2012 wird er zum Parteipräsidenten der FDP Schweiz gewählt. Hier gratuliert ihm Christian Lüscher (Naionalrat GE). Müller wird 2015 von Petra Gössi als Präsident abgelöst.
2013 verursacht er mit einer brisanten Aussage Schlagzeilen: An einer FDP-Veranstaltung in Dagmersellen sagt er über einen Bankmanager «Ein Arschloch bleibt ein Arschloch».
«Ich fragte den Manager, ob er wisse, was er mit seinen in den Medien genannten Bezügen von 7,2 Millionen Franken beim Volk anrichte. Er gab mir zur Antwort, es sind nicht 7,2 Millionen, sondern 8,9 Millionen Franken. Diese Arroganz. Ein Arschloch bleibt ein Arschloch.»
Der einzige Manager mit einem bekannten Salär in dieser Höhe ist UBS-Chef Sergio Ermotti. Müller entschuldigt sich später für seine Wortwahl.
2015 wird Müller als Nachfolger von Christine Egerszegi Aargauer Ständerat. Pascale Bruderer (SP), die als Ständerätin wiedergewählt wird, gratuliert ihrem neuen Ratskollegen.
Müllers Wahl stand unter unsicheren Vorzeichen. Im September 2015 – kurz vor der Wahl – fährt er in Lenzburg eine Rollerfahrerin (17) an, die schwer verletzt wird. Er sagt daraufhin alle Wahlkampftermine ab.
Müller wird per Strafbefehl wegen Fahrens in fahrunfähigem Zustand und wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung zu einer bedingten Geldstrafe von 150 Tagessätzen und einer Busse von 10'000 Franken verurteilt.
Auf die Wahl hat der Unfall letztlich keinen entscheidenden Einfluss: Müller schafft es, zusammen mit Bruderer, ins Stöckli.
Müller gilt in seiner Partei und darüber hinaus als Migrationsexperte.
Er prägt das Umsetzungskonzept der Masseneinwanderungsinitiative – den Inländervorrang light – massgeblich mit.
Weil sich die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren zu Beginn mit der Idee des Inländervorrangs schwer tun, spricht Müller 2017 Klartext: «Dann soll man die RAV doch gleich abschaffen und mit privaten Arbeitsvermittlern zusammenarbeiten.»
Die letzten Vorstösse, die er eingereicht hat (Stand 5.9.18), drehen sich ebenfalls um Migration: 1. Geplante Rückführung von Eritreern. Ist es dem Bundesrat ernst mit dem Wegweisungsvollzug? 2. Griffige und wirksame Umsetzung der Stellenmeldepflicht 3. Konsequenter Vollzug von Landesverweisungen (alle 29.5.18)
Auch die Mehrwerststeuer ist Müller ein Anliegen. Er setzt sich laut seiner Website ein für die "einfachste und europaweit tiefste Mehrwertsteuer".
Am Ende staatsmännisch: Philipp Müller im Ständerat.

Philipp Müller beginnt seine Karriere bei der FDP Reinach, deren Präsident er von 1996 bis 2004 ist. (Bild von 1997)

zvg

Ständerat Philipp Müller hat die Parteileitung der FDP Aargau am Dienstag informiert, dass er bei den Ständeratswahlen 2019 nicht zur Wiederwahl antritt. Die FDP dankt Philipp Müller in einer Mitteilung vom Mittwoch "ganz herzlich für seinen langjährigen Einsatz zugunsten der Kantonalpartei und des Kantons Aargau".

Philipp Müller im Spezial-Talk

Verfolgen Sie hier um 18.30 Uhr den Live-Stream von TeleM1 mit Philipp Müller. Im Talk Täglich spezial, moderiert von Rolf Cavalli, blickt der FDP-Ständerat auf sein bewegendes Politleben zurück.

Philipp Müller habe die Parteileitung darüber informiert, dass er bei den Ständeratswahlen 2019 nicht mehr antreten wird. Damit ende eine lange politische Karriere.

Diese startete er als Mitglied des Grossen Rates aus dem Bezirk Kulm von 1997 bis 2003. Anschliessend wirkte er ab 2003 während 12 Jahren im Nationalrat, bis er 2015 in den Ständerat gewählt wurde. Von 2012 bis 2016 war er Parteipräsident der FDP Schweiz und führte die Partei auf die Gewinnerstrasse zurück.

«Man soll gehen, wenn es am schönsten ist» habe Philipp Müller bereits gesagt, als er als Präsident der FDP Schweiz zurücktrat. Das gelte auch jetzt. Amtsmüde sei Müller nicht. Bis Ende der Legislatur wolle er wichtige Geschäfte weiterhin prägen, so insbesondere das Dossier Europa, bei dem er zu den politischen Schwergewichten in der Schweiz gehöre.

Danach freue er sich auf mehr Zeit für seine Familie und seine weiteren Tätigkeiten.

«Philipp Müller vertrat den Kanton Aargau in Bern äusserst wirksam», so die Partei . «Seine immense Erfahrung und seine Art zu politisieren hinterlassen im Aargau und in der Schweiz bedeutende Spuren», so Parteipräsident Lukas Pfisterer; «Philipp Müller schaffte es auch als Parteipräsident der FDP Schweiz, der Partei ein neues Gesicht zu geben. Ich danke Philipp für den langjährigen Einsatz für unseren Kanton und unsere Partei».

Mit der Ankündigung von Philipp Müller erhalten nun die Bezirksparteien Gelegenheit, Kandidaturen für die Nachfolge zu Handen des Nominations-Parteitages für die Ständeratswahlen am 29. November 2018 vorzuschlagen.

Philipp Müller vertritt den Stand Aargau aktuell zusammen mit der SP-Politikerin Pascale Bruderer. Auch diese hat im Januar ihren Rücktritt für 2019 erklärt.