Herr Müller, warum gehen Sie nach einer Amtsperiode im Ständerat?

Philipp Müller: Ich möchte die Politik verlassen, solange sie mir noch Freude macht. Und das tut sie – auch für mein letztes Jahr in Bern bin ich topmotiviert.

Sie haben ein zweites Mal geheiratet und sind nach Meisterschwanden gezogen. Hat das Ihren Entscheid beeinflusst?

Nein. Meine Frau unterstützt mich voll, in allem, was ich mache. Sie ist selber voll berufstätig und arbeitet in Zürich. Aber natürlich haben wir lange über meine politische Zukunft diskutiert. Langweilig wird mir nicht!

Was sind Ihre Pläne?

Ich habe in Meisterschwanden ein grösseres Bauprojekt angestossen. Die Bauerei wird nun wieder wichtiger für mich. Ich werde auf Jahre hinaus vieles zu tun haben. Zudem möchte ich das soziale Netz wieder besser pflegen. Das kam in den letzten Jahren zu kurz.

Und politisch? Werden Sie sich nach Ihrer Zeit im Ständerat noch öffentlich vernehmen lassen?

Wir haben Beispiele von Ehemaligen, die den Aktiven besserwisserisch dreinschwatzen. Das will ich nicht! Ich werde mich öffentlich nicht mehr äussern.

Wen wünschen Sie sich als Nachfolger?

Ich habe keinen Favoriten. Die FDP Aargau hat sehr starke Leute. Der Parteitag wird entscheiden.

Philipp Müllers Karriere in Bildern:

Sie beenden eine rund 20 jährige Polit-Karriere. Was war Ihr Höhepunkt?

Da gibt es viele. Aber meine Wahl zum Parteipräsidenten 2012 war etwas Sensationelles. Es war eine kleine Revolution, dass ein Nicht-Akademiker, ein Gipser auf den Thron gehoben wurde. Rückblickend war es wahrscheinlich genau das Profil, das die FDP damals brauchte.

Welche Fehler haben Sie gemacht?

Als Parteipräsident musste ich zuerst lernen, dass ich eine ganz andere Rolle habe, auch medial. Wenn ich etwas sagte, hiess es: «Die FDP hat gesagt...», nicht: «Philipp Müller hat gesagt.» Ein Jahr lang habe ich da praktisch nur Fehler gemacht und beispielsweise auf Kritik von Journalisten mimosenhaft reagiert.

Einmal nannten Sie einen Bankchef, der Millionen verdiente, ein «Arschloch».

Wer sagt, dass es ein Bankchef war? Aber gut. Mir ging es grundsätzlich darum, bei der FDP zurück zu einer klaren Sprache zu finden. Ich fing zum Beispiel an zu sagen: Warum schreibt ihr immer Fremdwörter in die Medienmitteilungen? Warum schreibt ihr «explizit» und nicht einfach «ausdrücklich»?

«Ein vernünftiger Entscheid – aber auch gut für die Konkurrenz»

«Ein vernünftiger Entscheid – aber auch gut für die Konkurrenz»

Der Kommentar des stellvertretenden AZ-Chefredaktors Rolf Cavalli.

Eine Frage an den Aargauer Standesvertreter: Wie hat sich der Kanton in all den Jahren verändert?

Zum Guten! Man nimmt den Aargau heute vermehrt als grossen, starken Kanton wahr und nicht nur als Durchfahrtskanton. Wir haben unsere Identität geschärft, eindeutig. Das Image unseres Kantons hat sich klar verbessert.