Obdachlose
Pfuusbus für Randständige im Aargau fährt auf Zielgerade

In Baden sollen Randständige aus dem Kanton bald eine mobile Notschlafstelle erhalten. Die Stadt startete das Projekt vor zwei Jahren. Jetzt steht der Bus fast fertig eigerichtet beim Werkhof in Baden. Doch die Finanzierung ist noch nicht gesichert.

Sabina Galbiati
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André Ott, Präsident des Vereins für Notschlafstellen ist stolz: Die Küche vom Pfuusbus für Aargauer Randständige ist schon fertig.

André Ott, Präsident des Vereins für Notschlafstellen ist stolz: Die Küche vom Pfuusbus für Aargauer Randständige ist schon fertig.

AZ

Tiefgaragen, Wartehäuschen, Unterführungen: Im Winter finden Obdachlose und Randständige nur schwer einen Schlafplatz. Das trifft im Aargau vor allem auf die Achse Baden/Brugg/Aarau/Zofingen zu. Viele Randständige weichen auf Zürich aus, wenn sie im Aargau keinen warmen Schlafplatz finden. Besonders beliebt: Pfarrer Siebers Pfuusbus.

Doch damit soll jetzt Schluss sein. Aargauer Obdachlose müssen vermehrt zurück gewiesen werden, weil die Notschlafstellen im Raum Zürich überlaufen sind.

In Zusammenarbeit mit dem Verein für Notschlafstellen und der Stiftung Sozialwerke Pfarrer Sieber hat die Stadt Baden einen eigenen Pfuusbus organisiert.

wird auf dem Schadenmühleplatz beim Werkhof an der Mellingerstrasse stehen und bietet Platz für 15 Übernachtungsgäste. Ab Winter 2014/15 wird er jeweils von Mitte November bis Mitte April geöffnet sein.

Raumstation Pfuusbus: Der erste Eindruck wenn man in den Pfuusbus einsteigt.
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Der Blick in Richtung Schlafkojen und Ausgang.
Dank eines wohlhabenden Spenders hat der Bus eine Luxusküche für 2000 Franken. So teuer war alleine die Abwaschmaschine im Orginal.
André Ott, Präsident des Vereins für Notschlafstellen ist stolz: Die Küche vom Pfuusbus für Aargauer Randständige ist schon fertig.
Auch Sozialvorsteherin von Wettingen und Nationalrätin Yvonne Feri interessiert sich ser für das Projekt Pfuusbus.
Tisch und Bank sind so schlicht wie möglich.
Noch ist der Kühlschrank nicht gefüllt. Hier sollen bald gespendete Lebensmittel kalt gestellt werden.
Insgesamt gibt es im Bus zwei Toiletten.
Auf den ersten Blick wirken die Toiletten kleiner als ein Toi Toi-WC.

Raumstation Pfuusbus: Der erste Eindruck wenn man in den Pfuusbus einsteigt.

Sabina Galbiati

Prinzip Hoffnung

Der Pfuusbus soll Ausganspunkt für die Wiedereingliederung der Randständigen bieten. "Wir wollen ein Netzwerk mit den politischen Gemeinden, den Kirchengemeinden und weiteren Organisationen aufbauen", sagt die ehemalige Sozialvorsteherin Badens, Daniela Oehrli. Sie hat das Projekt während ihrer Amtszeit wesentlich mitgetragen.

Ist das Netzwerk erst einmal aufgebaut, können die Obdachlosen in verschiedene Projekte oder Freiwilligenarbeiten integriert werden. "Dadurch erhalten sie wieder eine Tagesstruktur und Hoffnung", sagt Christoph Zingg von der Stiftung Sozialwerke Pfarrer Sieber.

Idealer Platz für Aargauer Randständige

Der Standort sei sinnvoll, weil er die Achse Baden/Brugg/Aarau/Zofingen gut abdecke, sagt Oehrli.

Die Variante Pfuusbus sei zudem flexibler als, wenn man ein ganzes Haus umgestalten würde, sagt Oehrli weiter.

Finanzierung noch unsicher

Per Gesetz ist jede Gemeinde verpflichtet, für ihre Obdachlosen zu sorgen. "Das ist nicht für alle Gemeinden im Kanton leicht", sagt Oehrli. Deshalb sei der Pfuusbus für sie eine gute Lösung. Ziel des Projekts ist es, dass die Aargauer Gemeinden insgesamt einen Beitrag von 50'000 bis 60'000 Franken leisten. Dafür können sie für ihre Obdachlosen bei Bedarf einen Platz für eine Nacht reservieren.

An der Informationsveranstaltung zeigten sich die Vertreter der Gemeinden allerdings leicht skeptisch. Bis im März sollen sie der Arbeitsgruppe melden, ob sie sich an der drei Jahre dauernden Pilotphase beteiligen.

Weiter soll der Swisslosfond pro Jahr 100 000 Franken einschiessen. Das gilt für die ersten drei Jahre. Noch fehlt die definitive Zusage für den Beitrag. Sie sei aber so gut wie sicher, beruhigt Oehrli.

Die Gesamtkosten des Projekts betragen rund 440 000 Franken pro Jahr. Weitere finanzielle Mittel sollen von Organisationen, Stiftungen, Sponsoren und Kirchengemeinden einfliessen.

Luxusküche für 2000 Franken

Es sei ein Glücksgriff gewesen, sagt André Ott Präsident des Vereins für Notschlafstellen. Eine wohlhabende Familie aus Schafisheim habe sich eine neue Küche einbauen lassen. Statt die alte zu entsorgen, bekam sie der Verein für 2000 Franken. "So teuer war alleine die Abwaschmaschine im Original", sagt Ott.

Es ist denn auch der einzige Luxus im ganzen Bus. Die zwei Toiletten sind kleiner als ein Toi Toi-WC und die Schlafkojen erinnern an eine Raumfahrtstation. "Aber luxuriös soll der Bus auch nicht sein", sagt Zingg.