Notfalldienst
Personal-Notstand: Ein Aargauer Rettungsdienst steht vor dem Aus

Sie sind Lebensretter, ständig in Alarmbereitschaft und helfen Menschen zu jeder Zeit aus der Not: die Rettungssanitäter. Doch nun befinden sie sich selber in einer misslichen Lage, aus der sie sich befreien müssen. Es fehlt an Ausbildungsplätzen.

Silvan Hartmann
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Gefragtes Personal: Rettungssanitäter im Einsatz.Keystone

Gefragtes Personal: Rettungssanitäter im Einsatz.Keystone

«In der Schweiz gibt es zu wenig ausgebildete Rettungssanitäter. Uns fehlen gesamtschweizerisch 1000 Personen», beklagt sich Peter Ott, Präsident der Vereinigung Rettungssanitäter Schweiz, im «SonntagsBlick».

Eine Umfrage bei regionalen Rettungsdiensten zeigt, dass der Aargau davon nicht ausgeschlossen ist: Beim Freiämter Rettungsdienst Neeser in Wohlen ist die Situation mittlerweile so prekär, dass ein Betriebs-Aus in naher Zukunft nicht ausgeschlossen werden kann. Man fürchtet um die Existenz.

Denn neu müssen alle Rettungsdienste eine Zertifizierung vorweisen. Doch um sich diese zu sichern, braucht das Unternehmen mehr als eine Handvoll fest angestellte Rettungssanitäter. «Uns fehlen mindestens drei Rettungssanitäter», sagt Belinda Neeser vom Rettungsdienst Neeser, der derzeit vier Rettungssanitäter und drei Transporthelfer beschäftigt.

Damit es zu einer Anstellung kommt, muss das Unternehmen tief in die Tasche greifen – ein hoher fünfstelliger Betrag ist möglich: «Rettungssanitäter sind wie Fussballer. Ohne Ablösesumme bekommt man auf dem Markt keinen», so Neeser.

Pflicht zu Ausbildungsplätzen

Für Peter Ott von der Vereinigung Rettungssanitäter Schweiz sei dies keine Lösung. Er kenne die Ursache des Mangels an qualifizierten Rettungssanitätern: Kaum jemand will genügend Personal ausbilden.

Bei den Kantonsspitälern Aarau und Baden sowie dem Gesundheitszentrum Fricktal sind derzeit alle Stellen im Rettungswesen besetzt. Sie bestätigen jedoch auf Anfrage, dass deutlich zu wenig Ausbildungsplätze für auszubildende Rettungssanitäter bestünden.

«Wir könnten aufgrund der Nachfrage mindestens fünf Ausbildungsplätze besetzen», sagt Sascha Schwieder, Leiter Rettungsdienst im Gesundheitszentrum Fricktal, das zwei Lebensretter ausbildet. Um eine vernünftige Ausbildung anbieten zu können, müssten die Strukturen im Unternehmen aber stimmen, so Schwieder weiter.

«Wir können aufgrund unserer Betriebsgrösse nicht mehr Auszubildende aufnehmen.» Ähnlich klingt es bei den Kantonsspitälern: «Wir müssen leider für jede Ausbildungsstelle Absagen schreiben», sagt Yvonne Biri, Pflege-Direktorin des Kantonsspitals Baden. Auch sie hätten die Kapazitäten der Ausbildungsplätze ausgeschöpft.

Einige Kantone haben das Problem der viel gesuchten Rettungssanitäter erkannt: Vielerorts besteht ein Modell, das Rettungsdienste verpflichtet, je nach Grösse des Betriebs einen bestimmten Anteil an Ausbildungsplätzen anzubieten.

Im Aargau besteht im Gesundheitswesen eine Ausbildungsverpflichtung verschiedenster Berufe: Erreichen etwa die Rettungsdienste die Quote der Auszubildenden nicht, so müssen sie diese mit Ausbildungsplätzen in anderen Berufen im Gesundheitswesen kompensieren.