Kantonalbank
Performance der Kantonalbanken im Vergleich: AKB im oberen Mittelfeld

Eine neue Studie vergleicht die Performance der Kantonalbanken. Aargauische Kantonalbank weist laut der Studie eine überdurchschnittliche Rendite auf.

Mathias Küng
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Die AKB ist mit der Gewinnausschüttungsquote über dem Durchschnitt von 88 untersuchten Banken.Pascal Meier

Die AKB ist mit der Gewinnausschüttungsquote über dem Durchschnitt von 88 untersuchten Banken.Pascal Meier

Pascal Meier

Der finanzielle Nutzen und die volkswirtschaftliche Bedeutung der Kantonalbanken ist laut einer neuen Studie des Instituts für Finanzdienstleistungen Zug IFZ der Hochschule Luzern (Retail Banking-Studie 2013) für die meisten Kantone beachtlich.

Es sei wünschenswert, schreibt Institutsleiter Professor Christoph Lengwiler (er ist auch Vize-VR-Präsident der Luzerner Kantonalbank), «wenn die Kantonalbanken mit vertretbarem Risiko erfolgreich weitergeführt werden».

Die Aargauische Kantonalbank (AKB) schneidet im Rentabilitätsvergleich von 2002 bis 2012 in dieser Studie (vgl. Grafik) überdurchschnittlich gut ab.

Die kleine Grafik zeigt, dass sie 2007 bis 2012 bezüglich Gewinnausschüttungsquote auch über dem Durchschnitt von 88 untersuchten Banken liegt.

Lengwiler kommt zum Schluss, «dass die Kantonalbanken in den letzten Jahren grösstenteils ein sehr gutes Investment waren».

Im Schnitt der Jahre 2002 bis 2012 haben sie laut Lengwiler «offenbar eine ansehnliche Risikoprämie für ihre Beteiligung und die gewährte Staatsgarantie erhalten».

Doch wo sieht Lengwiler die AKB? «Im oberen Mittelfeld», sagt er gegenüber der «Schweiz am Sonntag».

Das sei positiv, erwirtschafte sie doch ansprechende Renditen für den Kanton und habe ein deutlich kleineres Risiko als andere Kantonalbanken.

Mit Blick auf Lohndeckel und geplante Einschränkungen für die AKB bei Übernahmen empfiehlt er der Politik, nicht zu viele Stellschrauben anzuziehen, die unter Umständen die Entwicklung der Bank einschränken könnten: «Man muss eine möglichst gute Geschäftsleitung haben und nicht eine solche, die möglichst wenig verdient.»

Da die AKB in Bezug auf die Einwohnerzahl nicht zu den grössten Kantonalbanken zählt, hat ihre Gewinnablieferung für den Kanton trotz guter Rentabilität der AKB nur eine leicht überdurchschnittliche Bedeutung. 2011 machte diese für den Aargau im Verhältnis zu den Steuereinnahmen 3,8 Prozent aus.

Was geschieht im Worst Case? Wie viel Geld müsste ein Kanton theoretisch in seine Bank einschiessen, wenn 100 Prozent der gemäss aufsichtsrechtlichen Vorschriften erforderlichen Eigenmittel abgeschrieben und dann wieder auf die von der Finanzmarktaufsicht verlangten 140 bis 170 Prozent der erforderlichen Eigenmittel aufgestockt werden müssten? Laut Studie bräuchten die Kantone dafür durchschnittlich 27 Prozent ihrer Steuereinnahmen eines Jahres.

Im Aargau wäre der Bedarf mit 23 Prozent leicht unterdurchschnittlich, im Kanton Zürich mit 57 Prozent weit überdurchschnittlich gross. Eintreten könnte so ein eher unwahrscheinliches Szenario laut Lengwiler «beispielsweise bei einem starken Zinsanstieg, welcher zu fallenden Immobilienpreisen führen würde».

Wie beurteilt Lengwiler die Staatsgarantie, die von politischer Seite immer wieder hinterfragt wird?

Würde sie aufgehoben, stünde sie formell nicht mehr im Gesetz, sagt er. Doch als Eigner der Kantonalbank könnte der Kanton diese ja nicht einfach fallen lassen, falls sie in Schieflage geraten würde. Der Kanton müsste unabhängig von der Staatsgarantie geeignete Massnahmen ergreifen. Deshalb würde Lengwiler diese auch nicht abschaffen.

Was schliessen Politiker aus dieser Studie? Daniel Heller, FDP-Fraktionschef und Präsident Clientis Bank Küttigen Erlinsbach AG sowie Verwaltungsrat Clientis AG, Schweizer Regionalbanken Bern, sieht in der AKB «für den Kanton ein gutes Investment bei verkraftbarem Risiko».

Zudem stünden Bank und Kanton im interkantonalen Vergleich relativ gut da. Doch Kantonalbanken haben für ihn heute in den allermeisten Kantonen keine relevante volkswirtschaftliche Bedeutung mehr. Die Versorgung mit Krediten sei durch eine Vielzahl von Banken gewährleistet.

Heller stört, «dass die Kantonalbanken den Markt verzerren, indem sie dank Staatsgarantie sehr gute Ratings erzielen und bessere Konditionen bei der Refinanzierung erhalten».

Lengwiler relativiert, bessere Konditionen hätten die Kantonalbanken nur bei den Anleihen, dem kleinsten Teil der Refinanzierung der Bank.

Heller kritisiert weiter den Trend, zwar vom Status der politisch geführten Staatsbank profitieren zu wollen, sich andererseits aber alle Freiheiten einer privaten Bank nehmen zu wollen. Heller: «Die Politik akzeptiert dieses Gebaren zunehmend weniger.»

Offene Fragen ergeben sich für Heller etwa zur Geschäftstätigkeit im Internet (Beispiel Frage möglicher Online-Hypotheken) und zur Staatsgarantie.

Er verweist darauf, dass bereits neun Kantonalbanken Aktiengesellschaften sind – mit der Möglichkeit, Aktien im Publikum zu platzieren.

Das wünscht er sich auch für die AKB. Und er würde eine Aktienminderheit ans Publikum verkaufen. Mit dem grössten Teil des Ertrags würde er Schulden abzahlen und dann einen Innovationsfonds einrichten.

Mit einer AG hätte man die Option, Aktien im Publikum breiter zu streuen. Das sieht Christoph Lengwiler genau so. Aktienverkauf mache Sinn: «Damit kann der Kanton Risiken reduzieren. Er hat dann aber auch weniger Rendite, da ab dann ein Teil davon an Dritte geht.»

Das gebe eben auch Zielkonflikte. Bei einer gut laufenden Bank könne man sich fragen, warum man Anteile an Dritte verkaufen, auf einen Teil des Gewinnpotenzials verzichten und die Struktur verkomplizieren soll, so Lengwiler.

Anders beurteilt SP-Präsident Marco Hardmeier die Thematik. Seine Partei hat bekanntlich mit einer Initiative (die 2012 vom Volk deutlich abgelehnt wurde) versucht, den Staatsbesitz an der AKB gar in der Verfassung zu verankern. Ihn freut, «dass die AKB anscheinend stabil arbeitet».

Von anderen Banken abheben könnte sie sich für Hardmeier noch mit einem massiven Ausbau eines nachhaltigen Produktportfolios.

Auch könnte sie mit zielgerichteten Krediten die Energiewende ankurbeln helfen. Vom Bankrat als strategischem Organ erwartet er Ideen, wie sich die AKB (ohne zu viel Risiko) sonst noch von andern Banken abheben könnte.

Das Risiko des Kantons mit seiner Bank erachtet Hardmeier aufgrund der Kennwerte «als sehr klein». Er ist fest überzeugt, dass es die AKB weiterhin unbedingt als staatliche Bank im Volksbesitz braucht:

«Sie gehört uns Aargauerinnen und Aargauern, wir alle profitieren von ihrem Ertrag.» Von einer Rechtsformänderung in eine AG, wie Daniel Heller vorschlägt, hält er nichts.

Vom Verkauf eines Teils der Bank schon gar nicht. Hardmeier befürchtet: «Die bürgerliche Mehrheit würde mit dem Geld die Steuern noch mehr senken und weitere Sparprogramme aufgleisen, wovon nur die Reichen profitieren. Das kommt überhaupt nicht infrage, der Kanton darf sein Tafelsilber nicht verscherbeln.»