In neun Schritten sollen im Aargau künftig Baugesuche samt der nötigen Pläne online eingereicht werden können. «eBau Aargau» heisst das Angebot, das den Baubewilligungsprozess elektronisch ermöglicht. Ab Ende Oktober steht dieser Service in Möhlin, Aarburg sowie Endingen zur Verfügung. Die Pilotgemeinden arbeiteten von Beginn weg an der Entwicklung mit, konnten dabei ihre Wünsche einbringen. «Ein Gesuch einzureichen, wird einfacher und weniger aufwendig», sagt Projektleiterin Sabine Reichen. Dazu kommt: Der Stand des Verfahrens kann jederzeit online mitverfolgt werden. Ob die Gesuche in Zukunft auch online aufgelegt werden, wodurch ein Besuch auf der Verwaltung hinfällig würde, ist den Gemeinden überlassen.

Moderne statt Steinzeit

Die elektronische Baubewilligung ist eines von mehreren Angeboten, die Aargauer Verwaltungen den Bürgern digital bereitstellen wollen. Noch ist der Handlungsbedarf gross, wie sich kürzlich am Infoanlass E-Government Aargau in Aarau zeigte. Raymond Tellenbach, Vorstand der Gemeindeammänner-Vereinigung, fand klare Worte: Die meisten Verwaltungen seien in der Steinzeit geblieben – «Doch der Anschluss ist möglich.» Digitaler soll auch die kantonale Verwaltung werden. Zwei bis drei Millionen sind dafür von 2019 bis 2021 pro Jahr eingeplant. Längerfristig soll sich das Engagement auszahlen. Beim Kanton erhofft man sich dadurch einen Beitrag zur Entlastung der angespannten finanziellen Lage.

Dass die digitalen Angebote ein Bedürfnis sind, zeigt sich beim Projekt eUmzug: Seit der Einführung Mitte August haben über 400 Personen ihren Umzug digital gemeldet. Das Potenzial ist noch deutlich grösser. 110 000 Umzüge werden im Aargau pro Jahr registriert. Das soll sich auch in den Benutzerzahlen von eUmzug niederschlagen. Ein Drittel bis die Hälfte der Umzüge sollen künftig elektronisch gemeldet werden, nannte Gérald Strub, E-Government-Beauftragter Gemeindepersonal Fachverbände, am Informationsanlass in Aarau als Ziel.

Einige Gemeinden warten ab

Das System funktioniere gut, die Rückmeldungen seien bislang positiv, sagte Michelle Scheidegger, Leiterin der Einwohnerkontrolle in Mellingen. Schwierig wird es allerdings dann, wenn die aktuelle Wohngemeinde der Zuzüger noch nicht am System angeschlossen sind. Deshalb gilt: Je mehr Verwaltungen beteiligt sind, desto besser. Doch auf der Liste mit jenen Verwaltungen, die sich bereits oder bald an eUmzug beteiligen, sind längst nicht alle der 213 Aargauer Gemeinden aufgeführt.

In Obersiggenthal beispielsweise bestehen derzeit keine Pläne zur Einführung von eUmzug. Auf Anfrage sagt Gemeindeschreiber Anton Meier: «Wir warten bewusst ab, wie sich das Projekt entwickelt.» Er begründet diesen Entscheid einerseits mit den Kosten, die dadurch entstünden, und anderseits mit technischen Vorbehalten, die es noch zu lösen gebe. Ob und wann Obersiggenthaler ihre Umzüge elektronisch melden können werden, ist deshalb noch offen. Auch die Bruggerinnen und Brugger werden Umzüge frühestens ab kommendem Jahr, vielleicht auch erst später online melden können. Stadtschreiberin Yvonne Brescianini nennt als Hauptgrund andere IT-Umstellungen im laufenden Jahr. Allerdings seien auch noch gewisse Fragen offen, etwa zum Kosten-Nutzen-Verhältnis. Man wolle noch genauer wissen, welche finanziellen Folgen eine Teilnahme hätte.

250 Franken pro Jahr

Auch beim elektronischen Baubewilligungsprozess eBau wird eine Beteiligung aller Gemeinden angestrebt. Die Investitionen werden vom Kanton bezahlt, der Kredit für das ganze Projekt liegt bei 700 000 Franken. Die Betriebskosten sind bewusst tief gehalten und werden auf alle Verwaltungen verteilt, die eBau einführen. Würden alle Gemeinden mitmachen, beliefen sich die jährlichen Kosten für sie auf durchschnittlich 250 Franken.

Projektleiterin Sabine Reichen sagt: «Das Angebot entspricht einem Bedürfnis der Bauherren und Planer. Deshalb gehen wir davon aus, dass ein Grossteil der Gemeinden dabei sein wird.» Bis allerdings im ganzen Kanton Gesuche per Mausklick eingereicht werden können, wird es noch dauern. Nach den drei Pilotgemeinden sollen im Verlauf des nächsten Jahres etappenweise die übrigen Verwaltungen folgen.