«Objekt-Talk»

Pepe Lienhard: «Hühnermist macht bodenständig»

Pepe Lienhard sprach über Vögel, den Tod von Udo Jürgens und warum seine Töchter nie Harfe spielten.

Es ist ganz still im Raum, als Pepe Lienhard vom plötzlichen Tod seines Freundes Udo Jürgens erzählt: «Wir waren am Abend vorher noch Essen, zusammen mit unseren Frauen. Wir hatten zwei Flaschen Wein getrunken und waren ‹rächt i de Möscht›.» Der erste Teil einer weiteren erfolgreichen, gemeinsamen Tour war gerade zu Ende, Udo wollte vor dem zweiten Teil in die Ferien. «Er hat sich bei mir bedankt, für die langjährige Zusammenarbeit und dass ich ihm immer den Rücken freigehalten habe. Er hat sich verabschiedet.» Am nächsten Tag dann die traurige Nachricht. «Er ist einfach umgefallen. Ich fuhr ins Spital, aber da war er schon tot.»

Pepe Lienhard im "Objekt-Talk"

Pepe Lienhard im "Objekt-Talk"

Rudolf Velhagen, Leiter Historische Sammlung Museum Aargau, unterhält sich mit Pepe Lienhard, international renommierter Bandleader, Saxofonist und Flötist. Unter anderem spricht Lienhard auch über den Tod seines langjährigen Freundes Udo Jürgens.

Obwohl Pepe Lienhard auf Schloss Wildegg im Gespräch mit Rudolf Velhagen vom Museum Aargau persönliche und bewegende Geschichten aus seinem Leben erzählt, traurig ist der Abend nicht. Die Jugend im Aargau habe ihn sehr geprägt, erzählt er. «Uns war nie langweilig. Wir gingen in den Wald, machten ein Feuer und spielten Musik. Es gab kein grosses Freizeitangebot. Aber ich glaube, das hat uns die Kraft gegeben, etwas zu machen.» Ähnlich tönt es, als Lienhard über den Start seiner Musikkarriere spricht. «Manchmal wohnten wir in grausamen Absteigen.» Es sei aber wichtig gewesen, dass sie sich den Erfolg erarbeitet hätten. «Heute kommt ein Nobody in eine Castingsendung, sieht gut aus, kann ein bisschen – wä wä – Playback singen. Dann ist er ein Star, und ein Jahr später gibt es ihn nicht mehr. Und das ist gewollt: Die Branche will neue Gesichter.»

Engel wollten nicht Harfe spielen

Lienhard ist auf dem Boden geblieben. Ihm sei klar, dass es bei der Musik auch um Geld gehe – da müsse man Kompromisse machen. «Aber nur in der unwirklichen, abgehobenen Welt des Showbusiness zu leben, das geht auch nicht.» Seinen Ausgleich habe er bei den Tieren gefunden. «Schon als ich noch klein war, hatten wir Hühner und Enten. Wenn man Hühnermist wegkratzen muss, holt einen das schon auf den Boden zurück, man nimmt sich dann nicht zu wichtig», erzählt er.

Lienhard durfte vor dem Talk ein Objekt aus der Historischen Sammlung von Museum Aargau aussuchen, er entschied sich für eine Harfe. Er habe sich gewünscht, dass sich eine seiner Töchter für dieses Instrument begeistern könnte, erzählte er an der Veranstaltung am Donnerstag. «Zwei blonde Engeli, das hätte gepasst.» Er habe es aber nie geschafft, sie zu überzeugen. «Als ich vorhin geholfen habe, das Instrument die Treppe hinaufzutragen, dachte ich mir, vielleicht war das auch gut so.»

Natürlich kam das Publikum auch in den Genuss eines kleinen Konzerts. Die Harfe aus der Sammlung ist zwar in einem zu schlechten Zustand, als dass man sie noch spielen könnte. Musikerin Eliane Koradi-Zweifel brachte ihr eigenes Instrument mit. Lienhard spielte dazu auf der Querflöte. Das Publikum war von dieser Inszenierung regelrecht gebannt. Am heutigen Musikkonsum störe ihn, hatte Lienhard zuvor noch gesagt, dass sich die Leute nicht mehr bewusst Zeit nehmen würden, zuzuhören. «Wenn bei mir zu Hause Musik läuft, dann will ich nicht gleichzeitig noch etwas essen oder lesen. Ich sitze da, höre mir die Platte an, und wenn sie vorbei ist, überlege ich mir, ob ich noch eine hören will.» Über Udo Jürgens sagte Lienhard, dieser habe nie für die erste Reihe gespielt, sondern immer für den ganzen Konzertsaal – das trifft wohl auch auf ihn selber zu.

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