Kolumne

Parteien auf Profilsuche – wird Andreas Glarner Berufspolitiker?

Andreas Glarner strebt das Präsidium der SVP Schweiz an.

Andreas Glarner strebt das Präsidium der SVP Schweiz an.

Kommentar zu SVP und CVP, die wichtige Entscheidungen zu fällen haben.

Aha, Andreas Glarner will Präsident der SVP Schweiz werden. Im Januar erst ist er zum Präsidenten der SVP Aargau gewählt worden. Er würde auch als Landespräsident Kantonalpräsident bleiben. Seine Begründung: Peter Spuhler sei bei Stadler Rail auch VR-Präsident und CEO. Lassen wir diesen etwas schiefen Vergleich und stellen einfach fest: Mit diesem Doppelmandat würde Herr Glarner das, was er und seinesgleichen normalerweise hart kritisieren: Berufspolitiker. Denn so ein Doppelmandat wäre auch für ihn kein Feierabendjob mehr.

Die Landespartei wird bei ihrer Präsidentenwahl entscheiden müssen, was schon die Kantonalpartei entscheiden musste: Will sie, angesichts des jüngsten Krebsganges, wirklich einen Vertreter des polarisierenden Konfrontationskurses an ihrer Spitze? Wäre einer, der auch im Stande ist, Pakte mit Partnern zu schliessen, nicht erfolgreicher? Wie sich die Kantonalpartei entschieden hat, wissen wir. Und was die SVP im kompromisslosen Alleingang erreicht, haben wir diese Woche bei der Beratung des CO2-Gesetzes im Nationalrat wieder erlebt. Gar nichts.

Wenden wir uns noch einer anderen Partei zu, die sich auf Profilsuche befindet, der CVP. Bei ihr gab es bei den jüngsten Wahlen leise Zeichen der Erholung, zum Beispiel einen zweiten Nationalratssitz im Aargau. Und jetzt winkt sozusagen gratis eine Verstärkung im Parteiengefüge, durch das Zusammengehen mit der BDP. Doch der Partei steht gerade eine heikle Debatte ins Haus: Soll sie auf der Suche nach einem neuen Parteinamen künftig auf das C verzichten?

C steht zwar nicht für "catholique", sondern für "christlich". Doch im Gegensatz zur deutschen CDU, die eine säkulare Nachkriegsgründung ist und sich nie als konfessionelle Partei verstanden hat, liegen die Wurzeln der CVP im kirchlichen, im katholisch-konservativen Milieu. Von dort will sie weg, das ist klar (los von Rom). Aber vom christlichen Menschenbild eigentlich nicht. Oder doch? Marketingfachleute mahnen: Eine Namensänderung kann eine Marke schwächen. Eine vertrackte Sache. Vermutlich kommt die CVP nicht um eine Wertedebatte herum: Bekennt sie sich noch zum christlichen Menschenbild? Oder hält sie diesen Bezugspunkt für veraltet? Wir meinen: CVP, bleib bei deinem C!

hans.fahrlaender@chmedia.ch

Meistgesehen

Artboard 1