Bezirksgericht Aarau

Parkplatz-Streit: Kein Landesverweis für Vater und Sohn

Prozess zu Parkplatzstreit in Buchs

Prozess zu Parkplatzstreit in Buchs

In Buchs artete ein Streit auf einem Parkplatz aus, bei dem sogar Polizisten verletzt wurden. Heute mussten sich die beiden Schläger vor Gericht verantworten.

Ein Streit auf einem privaten Parkplatz in Buchs eskalierte, zwei Polizisten wurden verletzt. Die Beschuldigten wurden nun am Bezirksgericht Aarau teilweise freigesprochen.

Es begann mit einer Zigarette. Drei Kollegen parkierten an einem Septemberabend 2018 ihr Auto am Obermattweg in Buchs. Sie hatten eine Freundin nach Hause gebracht und wollten laut Anklageschrift noch rauchen. Der Parkplatz, auf dem sie ihr Auto abgestellt hatten, gehörte zum Haus von Edin (alle Namen geändert). Edin war nicht zu Hause, erhielt aber kurz daraufhin einen Anruf von seiner Frau: «Komm nach Hause, dein Vater streitet sich draussen mit drei jungen Männern», soll sie aufgeregt gesagt haben.

Ohrfeige mit Faustschlag beantwortet

Der Fall wurde am Montag am Bezirksgericht Aarau verhandelt. Edin und sein Vater Jetmir sollen an jenem Abend sowohl auf die drei jungen Männer als auch auf zwei Polizisten der Stadtpolizei Aarau eingeprügelt haben.

Edins Vater war zu diesem Zeitpunkt 66 Jahre alt. Es sei nicht das erste Mal gewesen, dass Fremde den Parkplatz benutzten. Ausserdem habe Jetmir etwas gerochen, sagt die Ehefrau und Mutter der beiden Beschuldigten, als sie als Zeugin befragt wird. Mit etwas gerochen meine sie Marihuana, präzisiert sie. Jetmir habe nicht gewollt, dass das Privatgrundstück seines Sohnes von Drogendealern missbraucht würde. Er rief bei der Notrufzentrale an, wo man ihm gesagt haben soll, dass gerade keine freie Patrouille in der Nähe sei. Man soll ihm geraten haben, das Gespräch mit den Rauchern zu suchen. Doch Jetmir soll sich durch die drei Männer so provoziert gefühlt haben, dass er eine Ohrfeige austeilte. Einer der drei Männer konterte mit einem Faustschlag ins Gesicht des pensionierten Kosovaren. Mittlerweile war eine Polizeipatrouille unterwegs. «Die Polizisten trafen in der Nähe des Tatortes die drei jungen Männer, die in der Zwischenzeit aus Angst geflüchtet waren», steht in der Anklageschrift. Zu fünft gingen die Polizisten und die Raucher zurück an den Tatort und diskutierten dort mit Jetmir und seinem Sohn Edin, der inzwischen nach Hause gekommen war. «Die Diskussion verlief vorerst unproblematisch», schreibt die Staatsanwaltschaft. Doch als Edin erfuhr, dass sein Vater körperlich angegriffen worden war, verlor er die Beherrschung und schlug einem der Männer ins Gesicht: «Meine Reaktion war nicht gut, es tut mir leid», sagt er im Gerichtssaal.

Pfefferspray und Schlagstock

Ab diesem Zeitpunkt driften die Aussagen von Polizisten und Beschuldigten auseinander. Während die Polizisten ausgesagt haben, dass sie während der Intervention sowohl von Edin als auch von seinem pensionierten Vater angegriffen worden seien, beteuern die beiden, die Polizei habe nach dem letzten Faustschlag unvermittelt Schlagstock und Pfefferspray eingesetzt. «Sie waren sehr aggressiv», sagt Edin. Er habe sich nicht gewehrt. Eventuell habe er den Polizisten im Gerangel verletzt. Sein Vater habe sich schützend vor ihn gestellt, die Polizisten aber nicht geschlagen.

Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage wegen Angriffs sowie Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte und forderte für beide Kosovaren eine bedingte Freiheitsstrafe von je sechs Monaten und eine Landesverweisung von fünf Jahren. Vater und Sohn lebten seit 50 beziehungsweise 28 Jahren in der Schweiz, hielten deren Verteidiger fest. Ein Landesverweis hätte für beide katastrophale Auswirkungen.

«Der Tatbestand des Angriffs ist nicht erfüllt, da sich die Polizisten nicht passiv verhalten haben», hält die Gerichtspräsidentin fest und spricht beide Beschuldigten in diesem Punkt frei. Schuldig sind die beiden des Angriffs und Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte. «Eine Geldstrafe ist ausreichend, sie haben beide keine einschlägigen Vorstrafen», so die Gerichtspräsidentin. Edin bekommt eine bedingte Geldstrafe von 150 Tagessätzen à 50 Franken (7500 Franken), sein Vater 150 Tage à 40 Franken (6000 Franken) mit je drei Jahren Probezeit.

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