Bundesgericht
Parallelfamilie im Kosovo verschwiegen – jetzt folgt die späte Quittung

Ein Kosovare heiratet eine Landsfrau, die in der Schweiz lebt, und erhält die Aufenthaltsgenehmigung. Fünfeinhalb Jahre später lässt er sich scheiden – und will seine Geliebte mit gemeinsamen Kindern nachziehen. Doch der Plan geht nicht auf.

Philipp Zimmermann
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Eheringe getauscht: Das hatte ein Mann bereits in seiner Heimat im Kosovo, ehe er eine zweite Landsfrau in der Schweiz heiratete und herzog. (Symbolbild)

Eheringe getauscht: Das hatte ein Mann bereits in seiner Heimat im Kosovo, ehe er eine zweite Landsfrau in der Schweiz heiratete und herzog. (Symbolbild)

Keystone

Beim dritten Anlauf klappte es: Nachdem ein heute 38-jähriger Kosovare 1997 und 2001 ohne Erfolg in der Schweiz Asyl beantragt hatte, erhielt er 2005, als 29-Jähriger, doch noch eine Aufenthaltsbewilligung. Möglich wurde dies dank einer Heirat mit einer Landsfrau (2003), die schon mit einer solchen Genehmigung in der Schweiz lebte.

Doch fünfeinhalb Jahre später (2009) liess sich das kinderlose Paar scheiden. Nun können Ausländer, die in der Schweiz leben und seit 5 Jahren mit einer Schweizerin oder einer Ausländerin mit Niederlassungsbewilligung (Ausweis C) verheiratet sind, eine Niederlassungsbewilligung beantragen. Deshalb hoffte der Mann, dass er in der Schweiz bleiben darf.

Nochmals zwei Jahre danach (2011) ehelichte der Mann zum zweiten Mal eine Frau vor dem Standesamt, wieder ist es eine Landsfrau, diesmal gibt er ihr das Ja-Wort im Kosovo. Nach nur zwei Monaten stellt er das Gesuch, die Frau und ihre zwei Kinder in die Schweiz nachziehen zu dürfen.

Nun stellt sich Pikantes heraus: Erstens: Es handelt sich um gemeinsame Kinder. Das eine kam im Jahr seiner ersten Heirat zur Welt (2005), das zweite im Jahr der Scheidung und der zweiten Heirat (2009).

Zweitens: Die beiden haben sich bereits 2005 das Ehe-Versprechen gegeben, wenn auch nur bei einer «traditionellen Heirat», zwei Monate nach der ersten Geburt. Das alles geht aus einem kürzlich veröffentlichten Bundesgerichtsentscheid hervor.

Selbst zugegeben

Nicht nur die Frau bestätigte das selbst der Schweizer Botschaft im Kosovo bei einer Kurzbefragung. Auch der Kosovare bejahte den Sachverhalt vor zwei Jahren, wobei er – wie im Bundesgerichtsurteil steht – damals noch keinen Anwalt an seiner Seite hatte.

Die Existenz der Parallelfamilie blieb nicht ohne Folgen. Das kantonale Amt für Migration und Integration verweigerte dem 38-Jährigen im Oktober 2012 die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung.

Begründung: Er habe die Behörden wiederholt «nicht über die Parallelfamilie im Kosovo informiert» und sogar ausdrücklich verneint, Kinder im Kosovo zu haben. Damit erlösche sein Anspruch auf eine Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung.

Seine Beschwerde wies das Verwaltungsgericht im November 2013 ab, nun hat das Bundesgericht die Beschwerde dagegen ebenso abgewiesen. Ob die Ehe mit der in der Schweiz lebenden Landsfrau eine Schein-Ehe war, lässt das Bundesgericht wie die Vorinstanz offen. Denn das hätte am Ausweisungsentscheid nichts geändert.