Pandemiekrise
«Andere Vorstellungen» als Gallati: Dieter Wicki, Chef Führungsstab, verlässt Kantonsverwaltung definitiv

Jetzt bestätigt der Betroffene, was Recherchen der AZ schon früher an den Tag brachten: Dieter Wicki ist nicht länger Chef des Kantonalen Führungsstabs im Departement von Regierungsrat Jean-Pierre Gallati.

Rolf Cavalli
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Der oberste Aargauer Zivilschützer gibt sein Amt ab: Dieter Wicki, hier im ersten Notfall-Treffpunkt im Aargau mit Standort in Dietwil (15.10.2020).

Der oberste Aargauer Zivilschützer gibt sein Amt ab: Dieter Wicki, hier im ersten Notfall-Treffpunkt im Aargau mit Standort in Dietwil (15.10.2020).

Britta Gut

«Es liege mir daran, Sie direkt darüber zu informieren, dass ich die kantonale Verwaltung per Ende September 2021 verlassen werde.» Dies schreibt Dieter Wicki in einem Mail an die AZ am Mittwochmorgen. Wicki nennt «unterschiedliche Vorstellungen zur Rolle und zur Weiterentwicklung» der Abteilung Militär und Bevölkerungsschutz, welche zu diesem Schritt geführt hätten. Bis dahin nehme er sich eine Auszeit.

Das deckt sich mit den Informationen, welche die AZ bereits Ende April publiziert hatte. Mehrere inoffizielle Quellen bezeugten damals, dass sich Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati von Wicki getrennt hatte. Wicki war Leiter der Abteilung Militär und Bevölkerungsschutz und Chef des Kantonalen Führungsstabes.

«Ermächtigt, das Arbeitsverhältnis aufzulösen»

Wicki galt gemäss eigenen Angaben und Auskunft des Gesundheitsdepartementes bisher als krankgeschrieben und ärztlich arbeitsunfähig. Dass er nicht mehr an den Arbeitsplatz zurückkehren wird, war aufgrund der Recherchen naheliegend.

Die Staatskanzlei nannte gestern Nachmittag in einer Mitteilung ebenfalls «unterschiedlichen Auffassungen» als Trennungsgrund und schreibt. Der Regierungsrat habe die Departementsleitung «ermächtigt, das Arbeitsverhältnis mit Dr. Dieter Wicki aufzulösen». Bis zur Nachfolgeregelung übernimmt Wickis bisheriger Stellvertreter Rolf Stäuble die Amtsleitung.

Unstimmigkeiten gingen über Coronakrise hinaus

Der Zwist zwischen dem Gesundheitsdirektor und Wicki hat auch mit der Funktion des Kantonalen Führungsstabs in der Coronakrise zu tun. Offenbar hat sich Wicki eine gewichtigere Rolle in der Bewältigung der Pandemiekrise vorgestellt als sein Chef Gallati.

Regierungsrat Jean-Pierre Gallati: andere Vorstellungen als Dieter Wicki.

Regierungsrat Jean-Pierre Gallati: andere Vorstellungen als Dieter Wicki.

Fabio Baranzini

Zwar nahmen die Involvierten dazu direkt bisher keine Stellung. Stellvertretend kritisierte aber die FDP immer wieder, dass der Führungsstab im Zusammenhang mit der Coronakrise abgezogen wurde. Und stellvertretend konterte Regierungssprecher Peter Buri diese Kritik, bei vielen spezialisierten Tätigkeiten sei eine kurzfristige Entlastung durch den Kantonalen Führungsstab gar nicht möglich.

Dem Vernehmen gehen die Unstimmigkeiten rund um Dieter Wicki aber weit über die Rolle in der Coronakrise hinaus, was schliesslich in der Trennung mündete.

Bekannt ist, dass es in Wickis Abteilung schon früher rumorte. So kündigten seit 2018 mindestens acht hochrangige Mitglieder allein in der Sektion Katastrophenvorsorge. In einer Interpellationsantwort vom September 2019 nannte der Regierungsrat auch «Führungsprobleme» im Amt für Bevölkerungsschutz und Militär als Ursache für die zahlreichen Abgänge. Wicki wurde 2017 von der damaligen Regierungsrätin Franziska Roth eingestellt. Vorher arbeitete er beim VBS in Bern.

Weil Wicki krankgeschrieben wurde, war vorerst nicht klar, wann er das DGS offiziell verlässt und ob es noch zu Streitigkeiten bezüglich Abgangsmodalitäten kommt. Nun ist klar: Ab Oktober ist Wicki nicht mehr Angestellter des Kantons.