Pandemie
Erstmals Studie zum Fernunterricht veröffentlicht: So hat das Lernen zuhause Schüler, Lehrer und Eltern verändert

Der pandemiebedingte Fernunterricht im Frühjahr 2020 stellte Schülerinnen und Schüler, Eltern, Lehrpersonen und Schulleitungen der Volksschulen vor grosse Herausforderungen. Eine Studie im Bildungsraum Nordwestschweiz hat diese Situation nun erstmals analysiert.

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Eine gemeinsame Studie der Kantone Aargau, Basel-Landschaft, Basel-Stadt und Solothurn liefert erstmals Erkenntnisse zum Fernunterricht.

Eine gemeinsame Studie der Kantone Aargau, Basel-Landschaft, Basel-Stadt und Solothurn liefert erstmals Erkenntnisse zum Fernunterricht.

Keystone

(luk) Als Teil der Pandemiebekämpfung verfügte der Bundesrat die Umstellung auf Fernunterricht von Mitte März bis Anfang Mai 2020. Vorerfahrungen oder Konzepte dazu fehlten allerdings weitgehend. Eine gemeinsame Studie der Kantone Aargau, Basel-Landschaft, Basel-Stadt und Solothurn liefert nun erstmals Erkenntnisse, auf deren Grundlage Bedingungen für das Gelingen von Fernunterricht abgeleitet werden können.

Die Auswertungen der Studie zeigen, dass der Fernunterricht von den Lehrpersonen einerseits digital andererseits auch analog durchgeführt wurde. Klar ersichtlich wurden Unterschiede bei den Kompetenzen und Vorerfahrungen der Lehrpersonen im Umgang mit digitalen Medien im Unterricht. Weiter mussten Rollenerwartungen zwischen Lehrpersonen und Eltern als Lernbegleitung geklärt werden.

Mehrbelastung für Schüler und Lehrer trägt Früchte

Das Unterrichten auf Distanz und das betreute Lernen der Schülerinnen und Schüler zuhause führten bei Lehrpersonen und Eltern häufig zu einer Mehrbelastung. Diese trug jedoch Früchte: Die Einschätzung des Lernzuwachses der Schülerinnen und Schüler fiel mehrheitlich positiv aus. Alle Akteure nahmen positive Auswirkungen des Fernunterrichts auf das Lernen der Schülerinnen und Schüler und auf den Unterricht wahr.

Auch die familiäre Situation zuhause hatte grossen Einfluss auf das schulische Lernen während des Fernunterrichts. Ein geregelter Tagesablauf sowie Motivation und Unterstützung durch die Eltern wirkten sich positiv auf das Lernen der Kinder und Jugendlichen aus.

Verbesserung der Eltern-Lehrer-Beziehung

Die Eltern bringen der Arbeit der Lehrpersonen und der Schulleitungen insgesamt viel Lob entgegen, hält die Studie abschliessend fest. Schulleitungen hätten gar eine Verbesserung in der Beziehung zwischen den Lehrpersonen und den Eltern wahrgenommen.

Soziale Kontakte fehlen im Fernunterricht.

Soziale Kontakte fehlen im Fernunterricht.

Keystone

Zwar hätte der Fernunterricht in Anbetracht der kurzfristigen Organisation und beschränkten Dauer im Grossen und Ganzen erfolgreich umgesetzt werden können. Dennoch habe der Präsenzunterricht höchste Priorität: Besonders jüngere, leistungsschwächere und fremdsprachige Schülerinnen und Schüler brauchen zwingend persönliche und individuelle Unterstützung, schreiben die Urheber der Studie. Diese Unterstützung könne im Fernunterricht weniger effektiv angeboten werden. Ausserdem seien soziale Kontakte für die meisten Schülerinnen und Schüler von zentraler Bedeutung.

Studie bildet eine Momentaufnahme ab

Die Datengrundlage für die Studie bildet eine im Juni und Juli 2020 durch die Pädagogische Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz (PH FHNW) durchgeführte Online-Befragung bei Schulleitungen, Lehrpersonen, Eltern sowie Schülerinnen und Schülern der 4. bis 8. Klasse (Primarstufe und Sekundarstufe I) in den vier Kantonen.

Die Studie bildet damit eine Momentaufnahme der Zeit kurz nach der Phase des Fernunterrichts ab, wie die Urheber der Studie in ihrer Mitteilung schreiben. Ziel sei es einerseits gewesen, die Organisation des Fernunterrichts durch Schulleitungen und Lehrpersonen zu untersuchen und andererseits Erkenntnisse aus der Begleitung des Unterrichts durch die Eltern zuhause sowie dem Lernen und Erlebten der Schülerinnen und Schüler zu gewinnen. Die Studie ermögliche darüber hinaus auch Rückschlüsse für den Präsenzunterricht.

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