Der bald 60-jährige Pakistani war vor über 30 Jahren in die Schweiz gekommen, hatte hier aber vergeblich um Asyl ersucht. Im Sommer 1986 heiratete der Mann in Pakistan eine Schweizerin und erhielt daraufhin eine Aufenthaltsbewilligung in unserem Land.

Obwohl sich der Mann sechs Jahre später von der Schweizerin scheiden liess, erhielt er im Jahre 1997 die Niederlassungsbewilligung. Im Sommer 2010 beantragte der Pakistani den Familiennachzug für seine zweite, nunmehr pakistanische Ehefrau und seine vier Kinder.

Das Amt für Migration und Integration des Kantons Aargau (MIKA) hiess das Gesuch, nach intensiven Abklärungen und mehreren Verfahren, teilweise gut und erlaubte den Familiennachzug für die Ehefrau und die drei jüngeren Kinder.

Dem ältesten Sohn, der inzwischen beinahe 20 Jahre alt ist, wurde die Einreise in die Schweiz verweigert. Wer älter als 18 Jahre alt ist, kann nicht mehr im Familiennachzug in die Schweiz kommen. Als das Verwaltungsgericht des Kantons Aargau dieses Vorgehen des MIKA absegnete, rief der Pakistani das Bundesgericht an.

Gefälschte Heiratsurkunde

In Lausanne warf er den Aargauer Behörden vor, das Verfahren verschleppt zu haben, weil es mehr als fünf Jahre gedauert hatte. Dieses Verhalten verstosse gegen Treu und Glauben. Denn im Zeitpunkt der Einreichung des Gesuchs um Familiennachzug sei der älteste Sohn 13 Jahre alt gewesen und hätte ohne Weiteres im Rahmen des Familiennachzugs in die Schweiz einreisen können.

Das Bundesgericht hat die Beschwerde abgewiesen. Vorab erinnern die Richter den Pakistani daran, dass er bei den Behörden eine gefälschte Heiratsurkunde sowie manipulierte Geburtsurkunden eingereicht hatte. Damit wollte er seine Bigamie verheimlichen. "Von einer Verfahrensverschleppung seitens der aargauischen Behörden kann keine Rede sein, nachdem derartige Abklärungen erfahrungsgemäss einige Zeit beanspruchen", meint das Bundesgericht.

Einreiseverweigerung verhältnismässig 

Die Verweigerung des Familiennachzugs für den ältesten Sohn ist nach Meinung des Bundesgerichts auch aus einem andern Grund nicht zu beanstanden. Denn Tatsache ist, dass der Pakistani jahrelang freiwillig getrennt von seiner Frau und seinen Kindern lebte und ein Familiennachzugsgesuch erst stellte, als der Sohn fast 14 Jahre alt war.

Nachdem der Sohn nie mit seinem Vater zusammengelebt hatte und sich schon im Zeitpunkt der Gesuchseinreichung im Jugendalter befand, kann die Verweigerung des Familiennachzugs für den heute bald 20-jährigen Sohn nicht als unverhältnismässig bezeichnet werden.

Urteil 2C_73/2016