Markus Dieth

Olma-Besuch: Aargauer Grossratspräsident zu Gast bei den Vorfahren

Für den Aargauer Grossratspräsidenten Markus Dieth ist die Fahrt nach St. Gallen eine Reise zu den familiären Wurzeln. Seine Familie hat seit Jahrhunderten das Bürgerrecht der Stadt.

Für Markus Dieth ist die Reise nach St. Gallen eine Reise nach Hause. Auch wenn er hier nie gewohnt, gearbeitet oder studiert hat. Der Grund: Dieth ist ein Geschlecht, das so fest zu St. Gallen gehört wie die Stiftskirche mit ihren zwei Türmen, der Bahnhof mit dem legendären Logo des Schokoladeproduzenten Maestrani hoch über den Gleisen oder der älteste Fussballclub der Schweiz mit seiner treuen Anhängerschaft.

«Die Familie Dieth hat seit 1577 das Stadtsanktgaller Bürgerrecht», erklärt der Wettinger Gemeindeammann und Grossratspräsident beim Gang über das Olma-Gelände. «Und ich bin der Erste in unserer Linie, der nicht mehr hier lebt.»

Unbekannt ist ihm die grösste Publikumsmesse der Schweiz aber nicht. Aufgewachsen und zur Schule gegangen war er in Davos: «Mit der Familie gingen wir natürlich oft an die Olma, und ich durfte auf die neusten Traktoren sitzen. Das isch no öppis gsi!»

Heuer ist der Aargau Gastkanton an der Olma. Grossratspräsident und St. Galler Bürger Markus Dieth (rechts) und Grossratsweibel Manuela Widmer.

Heuer ist der Aargau Gastkanton an der Olma. Grossratspräsident und St. Galler Bürger Markus Dieth (rechts) und Grossratsweibel Manuela Widmer.

Am Mittag beim Bankett sitzt Markus Dieth mit Schicksalsgenossen aus der ganzen Schweiz am gleichen Tisch: Grossratspräsidenten, Landratspräsidenten, Kantonsratspräsidenten – je nach dem, wie die gleiche Funktion in anderen Kantonen heisst. Neben ihm: Fridolin Luchsinger, Landratspräsident in Glarus. Schwarzer Anzug und blaue Aargauer Einheitskrawatte treffen auf Sennenhemd und glismete Trachtenjacke.

Per Du ist man schon vom letztjährigen Vizepräsidenten-Treffen, und nach dem Dessert entführt der Fridolin den Markus an den Stand von «Glarner Ziger». Genug gegessen hat man bereits, drum gibts ein Gläschen Aigle. Doch wir müssen schnell weiter, es ist Viertel nach drei, und um vier fährt der Car zurück nach Aarau. «Ich habe heute Abend eine Verpflichtung, die ich nicht verschieben konnte», sagt Dieth, hält kurz am Stand von «Eberle Käsespezialitäten», probiert Früchtekäse.

Vor fünf oder sechs Jahren sei er vermutlich letztmals an der Olma gewesen. «Sie hat sich ziemlich verändert», findet Dieth. «Weniger Landwirtschaft, mehr Ernährung und ganz viel anderes, Möbel, Massage-Sessel, Heizungen. Das gabs früher hier nicht in dem Ausmass.»

Grossratspräsident Markus Dieth am Stand der Badener Brauerei Müller-Bräu, rechts Geschäftsführer Felix Meier.

Grossratspräsident Markus Dieth am Stand der Badener Brauerei Müller-Bräu, rechts Geschäftsführer Felix Meier.

Wir kommen in die Halle 9.1.2: «Sonderschau des Gastkantons Aargau». In der Mitte stehen Gastro-Aargau-Präsident Sepp Füglistaller und Gewerbepräsident Kurt Schmid. «Ah lueg jetzt, hoi mitenand!» Das ist ja immer die Gefahr oder das Glück bei Politikern: Dass sie auch in der Fremde sofort Freunde finden.

Dieth schaut nach links, nach rechts, nach oben. «Sieht schön aus! Aber ein paar Fahnen mehr hätte man schon aufhängen können.» Mit Müller-Bräu stossen die Mannen an. «Proscht Kurt!» – «Zum Wohl Markus! Hend er guet gmacht!»

Aargau als «Einheit in der Vielfalt»

Auch Bundesrat Johann Schneider-Ammann liess Dieth an der Olma-Eröffnung wissen, dass die Aargauer auf ihren Kanton stolz sein dürften. Für den Grossratspräsidenten ist der Kanton eine «Einheit in der Vielfalt».

Wir gehen weiter in die Halle 7. An der Aargauer «Muni-Bar» treffen sich allerlei Bekannte, auch aus der nationalen Politik. Dieth, der Quasi-Einheimische, trifft auf einen «richtigen»: Toni Brunner – und auch dieser schätzt ein Müller-Bräu.

Der Gastkanton Aargau am Olma-Umzug

Der Gastkanton Aargau am Olma-Umzug

Im Olma-Stall stehen nicht nur die schönsten Kühe der Ostschweiz, sondern auch des Aargaus. Auch eine aus Wettingen? Gibts da noch Bauernhöfe? «Aber ja, wir haben noch einige», sagt Dieth.

Sein Bezug zur Landwirtschaft sei sonst nicht besonders gross. «Aber als Jugendlicher arbeitete ich in Davos während den Ferien in einer Landschaftsgärtnerei.» Gerne würde er wieder ein wenig gärtnern: «Wenn ich denn die Zeit dazu hätte.»

Eine Wettinger Kuh finden wir nicht. Und in fünf Minuten fährt der Bus nach Aarau. Am nächsten Olma-Tag kommt Dieth wieder, dann samt Buchung für ein Hotelzimmer. Wenn man schon mal ausnahmsweise zu Hause zu Gast ist, sollte man schliesslich auch dort schlafen.

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