Grosser Rat
Öko-Offensive: Grüne wollen dem Kanton das warme Wasser abstellen

Die Fraktion der Grünen lanciert eine Umwelt-Offensive mit einer Flut von Vorstössen im Grossen Rat.

Jörg Meier
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Beim Kanton sollen die Hände künftig nur noch kalt gewaschen werden.

Beim Kanton sollen die Hände künftig nur noch kalt gewaschen werden.

KEYSTONE

Mit einer Flut von Sparmassnahmen überrascht und irritiert der Regierungsrat pünktlich zum Ferienbeginn. Den Ferienbeginn hat auch die Grossratsfraktion der Grünen als Zeitpunkt gewählt, um mit einem halben Dutzend Vorstösse eine eigentliche Umwelt-Offensive anzustossen. Dabei sind nicht alle Vorstösse von zentraler Bedeutung für den Kanton. Aber jeder führt auf seine Weise mindestens zu Diskussionen über ökologischeres Verhalten – und bringt die Grünen und ihre Volksinitiative «für eine grüne Wirtschaft» ins Gespräch.

Nur noch Hahnenwasser

Zuerst geht es ums Wasser. Da möchten die Grünen, dass in allen kantonalen Gebäuden bei Renovationen und Neuinstallationen in den Toiletten kein Warmwasseranschluss für das Händewaschen installiert wird. Denn kaltes Wasser erfülle in der Regel die Hygieneanforderungen durchaus. Mit dem Verzicht auf warmes Wasser in den Toiletten liessen sich viel Energie und Geld sparen, erklären die Grünen. Wobei: Anlagen mit speziell hohen Anforderungen wie Spitäler oder Küchen dürften weiterhin in den WCs Warmwasser anbieten.

Im zweiten Wasser-Vorstoss geht es ums Hahnenwasser. Da soll der Regierungsrat dafür sorgen, dass in allen kantonalen Räumen künftig ausschliesslich Hahnenwasser statt Mineralwasser zur Verfügung gestellt wird. Das Hahnenwasser sei im Aargau überall von bester Qualität. Es sei zudem günstig und verursache wenig Transport- und Energiekosten. Es sei deshalb nicht einleuchtend, wenn man auf Wasser von bester Qualität, das man günstig aus dem Hahnen haben könne, verzichte und stattdessen teures und unökologisches Wasser als Mineralwasser in Flaschen zur Verfügung stelle.

Warum kommen die Vorstösse jetzt?

Daniel Hölzle, Präsident der Grünen Aargau, erklärt: «Wir wollen damit auch die Diskussion um die Volksinitiative ‹Für eine grüne Wirtschaft› in Gang bringen, über die am 25 September abgestimmt wird.»

Das blaue Gold

Der dritte Wasser-Vorstoss verlangt, dass der Kanton Aargau der Organisation «Blue Community» beitritt. Wasser sei «blaues Gold», heisst es da fast schon poetisch. Wasser als eigentlich öffentliches Gut werde zunehmend kommerzialisiert. Viele Menschen hätten keinen freien Zugang zu sauberem Trinkwasser. Die Organisation «Blue Community» sei gegründet worden, um Wasser als öffentliches Gut zu verteidigen. Die Mitglieder rufen die Menschen in ihrem Umfeld auf, mehr Leitungswasser zu trinken; grundsätzlich setzt man sich für einen verantwortungsvollen Umgang mit Trinkwasser ein. Wer lokales, nicht abgefülltes und nicht transportiertes Wasser trinke, schone die Umwelt. Schliesslich liefert der Vorstoss noch ein weiteres, kaum zu widerlegendes Argument: «Dem Kanton Aargau steht es gut an, mit gutem Beispiel voranzugehen und Mitglied dieser Organisation zu werden, gerade auch, weil der Kanton Aargau das Wasserschloss der Schweiz ist.»

Mit den Kunststoffen hapert es

Zwei weitere Vorstösse des Öko-Paketes handeln von Kunststoff. So soll der Regierungsrat abklären, ob und wie im Kanton Aargau eine Reduktion von Kunststoffabfällen bewirkt werden kann. Zum Beispiel könnten die Grossverteiler im Kanton dazu verpflichtet werden, Massnahmen zur Vermeidung von Kunststoffabfall zu ergreifen und Recycling-Strukturen mitzufinanzieren. Beim Recycling von Kunststoff setzt der nächste Vorstoss an. Er verlangt, dass der Regierungsrat abklären soll, ob und wie im Aargau das Sammeln und Recyceln von Kunststoff gefördert werden könnte. Denn das Recycling von Kunststoff (mit Ausnahme von PET) stecke in der Schweiz noch in den Kinderschuhen. Dennoch gebe es bereits positive Beispiele, wie Kunststoffe in der Schweiz gesammelt und wiederverwertet würden. Vielleicht könnte das thurgauische Sammelkonzept vom Aargau übernommen werden.

Der sechste und vorläufig letzte Vorstoss verlangt einen Rückzug: Alle öffentlichen Institutionen, an denen der Kanton Aargau beteiligt ist (Kantonalbank, Axpo, AEW etc.), dürfen nicht mehr in den Abbau fossiler Energierohstoffe investieren und müssen ihre bestehenden Investitionen innerhalb der nächsten fünf Jahre zurückziehen.