Wenn es zur Abstimmung über den Lehrplan 21 komme, müsse sich Alex Hürzeler gut überlegen, auf welcher Seite er stehe – das sagte SVP-Hardliner Andreas Glarner im Mai 2015. Und er schob damals an die Adresse seines Parteikollegen und Aargauer Bildungsdirektors nach: «Steht er auf der falschen, muss er sich warm anziehen.»

Nimmt man den Parteitag der SVP Aargau vom Donnerstagabend in Aarau als Massstab, steht Hürzeler auf der falschen Seite. Dieser beschloss mit 82 zu 40 Stimmen, die Anti-Lehrplan-Initiative zu unterstützen, die am 12. Februar zur Abstimmung kommt. Folgt man Hürzelers Argumentation, der für ein Nein warb, steht der SVP- Bildungsdirektor nicht auf der falschen Seite. Mehrfach betonte der Regierungsrat, in gut drei Wochen werde nicht über den Lehrplan, sondern über eine Änderung des Schulgesetzes entschieden.

Tatsächlich will die Initiative im Grundsatz vier Punkte im Gesetz verankern: klare Lernziele pro Schuljahr, nur eine Fremdsprache in der Primarschule, eine feste Fächerliste und einen Rahmenlehrplan für den Kindergarten. Dies sei dringend nötig, um Mängel im Lehrplan 21 zu beheben, sagte Lehrerin und Grossrätin Tanja Suter. Obwohl dieser von 21 Deutschschweizer Kantonen gemeinsam erarbeite worden sei, bringe er keine Harmonisierung, enthalte inhaltlich keine klaren Anforderungen, sondern liste nur schwammige und fragwürdige Kompetenzen auf.

Glarner wittert linke Ideologie

Andreas Glarner sagte, der Lehrplan 21 habe seinen Ursprung in der linken Ideologie der 68er-Generation, die Kinder würden in der Schule weitgehend sich selber überlassen, die Lehrer zu Coaches degradiert – kurz: «Das ist ein teures Reformwerk ohne jeglichen Nutzen.» Alex Hürzeler hörte kopfschüttelnd zu und entgegnete, der Kanton könne den bestehenden Basislehrplan auf die eigenen Bedürfnisse anpassen, so zum Beispiel die Stundentafel selber festlegen. «Von selbstgesteuertem Lernen steht übrigens nichts im Lehrplan», merkte er an. Hürzeler räumte ein, der ersten Variante des Lehrplans im Jahr 2010 hätte er nicht zustimmen können. Inzwischen seien aber diverse Anpassungen vorgenommen worden, sodass er nun dahinter stehen könne.

Unterstützung erhielt Hürzeler von Erziehungsrat Edgar Kohler, bei einem Ja zur Initiative könne sich die Schule nicht mehr frei entwickeln, die Gesetzesvorgaben würden vieles unnötig einschränken. Grossrat Daniel Vuillamy, Mitglied der Bildungskommission, warb für Alex Hürzelers Weg. Es gebe keinen Handlungsdruck, bis zur geplanten Einführung im Sommer 2020 bleibe genug Zeit, den Lehrplan inhaltlich zu diskutieren und anzupassen. Zwei weitere Votanten aus der Versammlung ernteten mehr Applaus, als sie kritisierten, der Lehrplan 21 führe zu einem Durcheinander und überfordere die Eltern, die Defizite ihrer Kinder mühsam mit diesen zu Hause aufarbeiten müssten.

3 Fragen, 3 Antworten: Alex Hürzeler konkret.

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