Zofingen

«Ohne Tiere könnte ich nicht!» - im Hirschpark fand sie ihren Traumjob

Fabienne Josi bei ihrer täglichen Arbeit.

Fabienne Josi bei ihrer täglichen Arbeit.

Fabienne Josi ist die neue Tierpflegerin im Hirschpark auf dem Heitern und im Trottenweiher. Für sie, der beste Job der Welt.

Mit sanften Schritten, den Futtereimer unter den Arm geklemmt, geht Fabienne Josi auf die beiden mächtigen Rothirschdamen zu. Sie streckt ihnen die Hand mit einem Graswürfel entgegen, welchen sie ihr zutraulich aus der Hand fressen.

«Von klein auf wollte ich immer etwas mit Tieren machen», erzählt die 24-Jährige in breitem Berndeutsch und strahlt. «Als es dann um die Berufswahl ging, war bald klar, dass ich Wildtierpflegerin werden möchte.» Der Arbeitsmarkt für Wildtierpfleger ist hart umkämpft. Es gibt nicht viele Lehrstellen.

Da es im ersten Anlauf nicht klappte, absolvierte sie das 10. Schuljahr. «Ich habe auch Tierarztgehilfin, Coiffeuse und Restaurationsfachfrau geschnuppert und in den Zoofachhandel reingeschaut», erzählt sie, doch sei sie lieber draussen in der Natur. Ihre Lehre absolvierte sie dann bei der «Erlebniswelt Seeteufel» in Studen bei Biel. Danach arbeitete sie weitere vier Jahre dort – allerdings nur im Sommer. «Im Winter ist die Anlage geschlossen. Dann musste ich jeweils zum RAV.» Nachdenklich lehnt sie sich zurück. Das war eine schwierige Zeit.

Die Stelle in Zofingen war ein Glückstreffer. Sie bewarb sich spontan, wurde zum Vorstellungsgespräch eingeladen und erhielt kurz darauf die Zusage. Im Oktober letzten Jahres trat sie das Praktikum an, das eigentlich bis im März dieses Jahres dauern sollte. «Es passte jedoch so gut, dass ich seit Januar fest angestellt bin.»

Ein vielseitiger Arbeitsalltag

Der Arbeitstag startet für Josi um 7.15 Uhr. Zusammen mit Tierpfleger Gilbert Kälin, der aus gesundheitlichen Gründen nur noch morgens und am Wochenende arbeitet, kümmert sie sich um die Fütterung der Tiere und sorgt für Ruhe und Ordnung. Dasselbe Prozedere erfolgt nach einer Znünipause im Trottenweiher.

Am Nachmittag ist sie auf sich allein gestellt. «Dann putze ich die öffentlichen WCs beim Trottenweiher und auf dem Heitern», sagt sie ohne mit der Wimper zu zucken. «Zudem kümmere ich mich zwei Mal in der Woche um die Taubenschläge beim Pulverturm und bei der Kantonalbank.» Auch fallen Arbeiten wie Rasenmähen, Laubwischen und das Misten der Stallungen an. Josi kann anpacken.

Auf die Frage, ob es sie nicht störe, abends schmutzig nach Hause zu gehen, schmunzelt sie. «Das macht mir gar nichts aus!» Für etwas gibt es schliesslich eine Dusche. Auch ihr Freund, mit welchem sie seit letztem Jahr zusammen in Kriegstetten wohnt, geht einer körperlich anstrengenden Arbeit nach. «Er ist Schreiner und kommt abends immer ganz staubig nach Hause», lacht sie.

Beide haben ein grosses Herz für Tiere. Ihre 3½-ZimmerWohnung teilen sie mit zwei Katzen, einem Aquarium und zwei Zwergbartagamen – Reptilien, die bis zu 15 cm lang werden können. «Ohne Tiere könnte ich nicht!», sagt Josi.

Es ist nicht immer einfach

Im Alltag mit den Tieren gibt es auch schwierige Momente. Der neue Rothirschstier war während der Brunftzeit so sehr damit beschäftigt, seine Position vor zwei anderen männlichen Junghirschen zu verteidigen, dass er kaum zur Begattung der Hirschkühe kam. Deshalb mussten die beiden Junghirsche getötet werden. «Klar ist das nicht immer leicht, doch es gehört einfach dazu», sagt Josi nüchtern. «Auch in einem Park muss der Wildbestand kontrolliert werden.»

Der Jäger muss in solchen Fällen mit dem Gewehr anrücken. «Die Tötung erfolgt diskret in gewohnter Umgebung.» Angst vor den Tieren hat Josi nicht. «Einfach so greifen die Tiere einen nicht an.» Ein gesunder Respekt sei jedoch wichtig.

Tiere haben eigenen Charakter

Eine der Rothirschkühe trägt den Übernamen «Schlitzohr», weil sie «echli e Frächi» ist, erklärt Josi. «Sie kommt gerne auf mich zu und schlägt mit dem Fuss aus.» Sie zeige damit, dass sie Futter haben möchte. Auch der Graupapagei Coco im Trottenweiher macht sich gerne bemerkbar, wenn Josi und Kälin die Voliere putzen. «Er schwatzt uns andauernd dazwischen», erzählt Josi grinsend.

Um 17 Uhr ist Feierabend. Die Frage, ob sich Josi auch einen anderen Beruf vorstellen könnte, erübrigt sich. Sie hat als Wildtierpflegerin im Tierpark Heitern und dem Trottenweiher ihren Traumjob gefunden und ist bereit, diese Verantwortung für eine lange Zeit zu übernehmen.

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