Stilles Örtchen
Ohne Konsumzwang in der Beiz aufs WC dank «netten Toiletten»

Ein Projekt soll dafür sorgen, dass sich das Toilettenangebot in Städten und Gemeinden verbessert. Dabei dürfen Passanten die WCs von Restaurants, Bars oder Hotels nutzen, ohne dafür bezahlen zu müssen. Die Idee findet in Brugg und Wettingen Anklang.

Nik Dömer
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Bald sollen auch im Aargau «nette Toiletten» zum Benützen einladen. Die Idee stammt aus Deutschland.

Bald sollen auch im Aargau «nette Toiletten» zum Benützen einladen. Die Idee stammt aus Deutschland.

hcw

Wer bei einem gemütlichen Stadtbummel plötzlich zunehmenden WC-Drang verspürt, der befindet sich schnell in einer unangenehmen Situation. Denn in den Städten sind öffentliche und saubere Toiletten, die auch für ein grosses Geschäft geeignet sind, oft Mangelware.

Dem möchten nun mehrere Städte und Gemeinden in der Schweiz mit «netten Toiletten» entgegenwirken. In Luzern und Thun ist das Projekt bereits lanciert worden, der Berner Gemeinderat zieht in Betracht, im Februar 2016 einen Pilotversuch durchzuführen. Auch im Aargau möchte der Verein Tourismus Region Brugg das Projekt umsetzen. In der Gemeinde Wettingen hat eine Einwohnerrätin in einer Motion an den Gemeinderat das Konzept vorgeschlagen, dieser prüft nun die entsprechenden Möglichkeiten. Spannend findet man die Idee in den Städten Aarau und Baden, hat aber zurzeit noch keine konkreten Pläne zur Umsetzung.

Das Prinzip der «netten Toiletten» ist simpel. Hotels und Restaurants machen ihre Toiletten für Passanten öffentlich, auch wenn diese nichts konsumieren. Die Lokale werden mit einem Aufkleber markiert und erhalten dafür eine Entschädigung der Stadt oder der Gemeinde. Dabei könnten Gemeinde oder Stadt sparen, da die Abgeltungen an die Wirte weniger Kosten einbringen würden, als Errichtung und Unterhalt von öffentlichen WC-Anlagen. Zusätzlich könnten die Wirte im Gegenzug von potenziellen neuen Kunden profitieren.

Dies sieht auch Präsident Dietrich Berger vom Verein Tourismus Region Brugg so: «Meiner Meinung nach überwiegt der Marketingeffekt. Nicht nur der Unternehmer, sondern auch die Stadt vermittelt mit den ‹netten Toiletten› einen freundlichen Eindruck.» Der Verein werde dazu nun bei nächster Gelegenheit mit Unternehmern und Betrieben den Dialog suchen. Dabei gilt es abzuschätzen, ob die Geschäftsführer für die «netten Toiletten» überhaupt entschädigt werden möchten. Schliesslich könne man den Brugger Tourismus nicht mit dem aus der Grossstadt vergleichen, so der Vereinspräsident. Der Verein Tourismus Region Brugg möchte das Projekt primär in der Stadt Brugg sowie vereinzelt in der Gemeinde Windisch umsetzen.

Dass das Konzept «nette Toilette» durchaus grosses Potenzial hätte, zeigt sich in Deutschland, von dort stammt auch die Idee. Bereits in über 190 Städten und Gemeinden gibt es Gastronomiebetriebe, die ein öffentliches Örtchen anbieten.