Fusionen

Ohne Fusion gibt es Standortnachteile für die Städte

Der Wettinger Rathausplatz böte viel Platz für die Verwaltung einer fusionierten Gemeinde Baden-Wettingen.

Der Wettinger Rathausplatz böte viel Platz für die Verwaltung einer fusionierten Gemeinde Baden-Wettingen.

Die Stadt Luzern machte es vor, wie in Aarau und in Baden sinnvoll fusioniert werden könnte. 2010 fusionierten Luzern und Littau. Nach einer rund fünfjährigen Planungsphase stimmten dort die Stimmberechtigten der beiden Gemeinden einer Fusion zu.

Die im Juni 2012 neu gegründete «IG zur Stärkung der Zentren Aarau und Baden» setzt sich für eine verstärkte Zusammenarbeit in den Zentrumsregionen rund um Aarau und Baden sowie für Gemeindefusionen in diesen Regionen ein. Der Aargau dürfe die Chance zur Stärkung seiner Zentren nicht verpassen, wenn er auch in Zukunft konkurrenzfähig bleiben wolle, betonte IG-Präsident und Aarauer alt Stadtrat Nik Brändli an der ersten IG-Veranstaltung am Samstagnachmittag vor rund 30 Zuhörern im Wettinger Rathaus.

«Die durch Fusionen gestärkten Zentren Aarau und Baden könnten als wirtschaftliche und kulturelle Zugpferde wesentlich zur positiven Entwicklung des Aargaus beitragen», zeigte sich Brändli überzeugt. Es sei aber nicht das Ziel der IG, Aarau und Baden zu Grossstädten zu machen. «Bereits heute greifen die Stadträume in Aarau und Baden über die eigentlichen Gemeindegrenzen hinweg. Gemeindefusionen führen faktisch nicht zu grösseren, unpersönlicheren Städten, sondern zu besser organisierten und stärkeren Stadträumen», betonte Brändli. «Die Intimität, welche etwa auf dem Aarauer Wochenmarkt für gemütliche Stimmung sorgt, ginge durch die angestrebten Fusionen ganz sicher nicht verloren.»

Eine strategische Neuausrichtung ist für die Zukunft des Aargaus in den Augen der IG elementar. Der Aargau profitiere bisher primär von seiner günstigen Lage zwischen ausserkantonalen Städten. «In Zukunft aber werden sich nur starke Zentren im eidgenössischen Konzert durchsetzen können», mahnte Brändli. Die beiden verhältnismässig kleinen Städte Baden und Aarau seien von der 10. beziehungsweise der 15. grössten Agglomeration der Schweiz umgeben. «Die Grösse der beiden Kernstädte entspricht bei weitem nicht der Bedeutung ihrer Agglomerationen. Daraus resultiert sowohl für die Region Aarau wie auch für die Region Baden ein klarer Standortnachteil», bilanzierte Brändli.

Eine gleichzeitig stattfindende Gruppenfusion mit mehreren Gemeinden, wie sie unlängst etwa in Lugano oder im Kanton Glarus geglückt ist, sei im Aargau kaum realistisch, meinte Brändli. «Es braucht die positiven Erfahrungen von einzelnen Gemeinden, welche über die Vorteile einer Fusion berichten und für andere Gemeindefusionen als Vorbilder dienen können.»

Fusion entlastet und stärkt Luzern

Gastreferent Urs W. Studer, Luzerner alt Stadtpräsident, sprach in Wettingen über eine jener Vorbild-Fusionen: die 2010 vollzogene Gemeindefusion von Luzern (60000 Einwohner) und Littau (16000 Einwohner). Nach einer rund fünfjährigen Planungsphase stimmten die Stimmberechtigten der beiden Gemeinden einer Fusion mit je gut 50 Prozent zu. «Die Fusion von Luzern und Littau war wichtig, um die Pseudokonkurrenz zwischen den beiden Gemeinden aufzuheben», erklärte Studer. «Die Bevölkerung hat erkannt, dass sich die Raum-, Siedlungs- und Verkehrspolitik in einem gemeinsamen Gemeindewesen viel besser handhaben lässt.» Die Fusion habe dem Zentrum Luzern zudem eine bessere Position im regionalen und nationalen Standortwettbewerb gebracht. Die Voraussetzungen für die positive Fusion sei neben der zielgerichteten Führung der Exekutivorgane die transparente Informationspolitik gegenüber den politischen Behörden und der Stimmbevölkerung gewesen.

Trotz der von beiden Seiten als positiv gewerteten Fusion von Luzern und Littau ist eine von Luzern-Littau angestrebte Gruppenfusion mit Adligenswil, Ebikon, Emmen und Kriens 2012 gescheitert. Ausser Luzern-Littau haben alle betroffenen Gemeinden die Fusionspläne abgelehnt. «Gruppenfusionen dürften auch im Aargau einen schweren Stand haben», prophezeite Studer. Das Beispiel Glarus erklärt er sich mit der Dynamik der Glarner Landgemeinde. «An geheimen Urnenabstimmungen wie im Kanton Aargau werden Gruppenfusionen aber kaum je eine Chance haben.» Der Aargau solle nichts überstürzen und mit gut überlegten, sinnvollen Fusionsprojekten Schritt für Schritt starke Zentren bilden.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1