Öffentlicher Verkehr
Öffentlicher Verkehr ist in Baden top, in Lenzburg aber nur knapp genügend

Eine neue Studie zieht eine durchzogene Bilanz für den öffentlichen Verkehr in Aargauer Städten und deren Agglomerationen. Es sind vor allem die vergleichsweise hohen Tarife, welche die einzelnen Resultate trüben.

Merken
Drucken
Teilen
Busse der Regionalen Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen RVBW am Bahnhof Baden (Archiv)

Busse der Regionalen Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen RVBW am Bahnhof Baden (Archiv)

Walter Schwager

Das beste öV-Angebot im Kanton Aargau bietet die Region Baden-Wettingen. Das zumindest geht aus den heute publizierten Resultaten eines Tests der Vereins umverkehR hervor. Die neue Studie bewertet den öffentlichen Verkehr in der Agglomeration Baden insgesamt mit der Note «sehr gut».

Besonders überzeugt hat die Umweltorganisation dabei der dichte Fahrplan. «Die Buslinien überlagern sich auf den wichtigsten Achsen zu einem attraktiven 7,5-Minuten-Takt und bieten so den Standard einer Grossstadt», heisst es in dem Bericht.

Verbesserungspotenzial sieht umverkehR indes «bei der unübersichtlichen Situation» beim Umsteigeknoten Bahnhof und beim «unlogischen» Wechsel der Abfahrtszeiten am späten Abend. Da dadurch die Anschlüsse an die Züge nicht mehr optimal seien, würden sich jeweils längere Wartezeiten ergeben.

Note «genügend» für Aarau und Zofingen

Mit der Note «genügend» zufriedengeben muss sich der öV in den Regionen Aarau und Zofingen-Wiggertal. In Aarau, so umverkehR, sei das Fahrplanangebot zumindest werktags ordentlich und das Informationsangebot entspreche dem aktuellen Standard. Dies werde indes durch das hohe Preisniveau relativiert.

Auch moniert der Test die schlechte Signalisation des Wegs vom Perron zu den Bussen in der Westunterführung des Bahnhofs. Da sich nach dem Umbau des Bahnhofplatzes die Haltestellen an einem Ort konzentrieren werden, dürfte es nach Ansicht von umverkehR aber zu einer erheblichen qualitativen Verbesserung des Umsteigeknotens kommen.

In Zofingen hat das Busangebot gemäss der Studie einen «merklichen Sprung nach vorn gemacht». Das Fahrplanangebot sei massiv erhöht worden und die Qualität habe sich spürbar verbessert. Kritik ernten das hohe Preisniveau und die schlechten Anschlüsse an die Züge nach Bern, Olten, Basel und Luzern.

Lenzburg nur «knapp genügend»

Nur gerade als «knapp genügend» erachtet umverkehR das öV-Angebot in Lenzburg. «Wenn nach Feierabend der RegioExpress aus Zürich eingetroffen ist und sich die PendlerInnen auf dem viel zu engen Wartebereich der Bushaltestelle des Bahnhofs drängen, dann droht Klaustrophobie», so das Fazit der Tester.

Da bis zu drei Busse dicht hintereinander einfahren würden, erfordere es eine gehörige Portion Aufmerksamkeit, die richtige Linie zu erwischen. Der geplante Umbau des Bahnhofplatzes sei deshalb «zweifellos dringend».

Projektleiter und umverkehR-Co-Präsident Christian Harb: «Die Anschlüsse an die Bahn sind zwar gut, der Halbstundentakt ist für Gelegenheitsfahrten aber wenig attraktiv». Zu hoch seien die Preise im Tarifverbund A-Welle, zu tief die Parkgebühren im Zentrum, zu weit der Weg zur nächsten Bushaltestelle.

Test bereits zum dritten Mal durchgeführt

Die Umweltorganisation hat ihren öV-Test nach 2003 und 2006 heuer bereits zum dritten Mal durchgeführt. Insgesamt 10 Personen aus dem Umfeld von umverkehR haben die Tram- und Busangebote von 53 Städten, Agglomerationen und Agglomerationsgemeinden in der Schweiz untersucht.

Gesamtschweizerisch hätten sich vor allem die Preiserhöhungen als problematisch erwiesen. «Die Kosten für Monatsabonnemente in den untersuchten Städten haben seit 2003 um durchschnittlich 19 Prozent zugenommen. Die Teuerung betrug in dieser Zeitspanne dagegen nur 7 Prozent», sagt Harb.

Dadurch sei der öV insbesondere in Kleinstädten immer weniger mit dem Auto konkurrenzfähig. Die beiden ersten Plätze im öV-Test belegen denn auch die Städte Zürich und St. Gallen. Auf dem dritten Platz folgen - neben dem zürcherischen Glattal - Bern und Genf. (bau)