Es ist ein Mangel, der schon länger bemängelt wird: jener der Fachkräfte. Doch der Kanton will das nicht einfach so hinnehmen, seine Unternehmen nicht einfach so leiden lassen, sondern ihnen bei der Suche nach qualifiziertem Personal helfen. Dafür hat Aargau Services, wie die Standortförderungsabteilung im Departement von Wirtschaftsdirektor Urs Hofmann offiziell heisst, mehrere Projekte lanciert. Eines davon trägt den Namen Karriere Aargau – und wurde gestern in Zusammenarbeit mit der Aargauischen Industrie- und Handelskammer (AIHK) im Trafo Baden zum zweiten Mal durchgeführt.

Engagement und Offenheit

Die Idee: Fachkräfte und Arbeitgeber zusammenzubringen. Der Tag begann mit Betriebsführungen, ging weiter mit einem «Company Catwalk», einer Art Speed-Dating für Arbeitgeber und -nehmer, Fachvorträgen, einem CEO-Talk. Es gab eine Innovationsmeile, eine kostenlose Laufbahnberatung oder auch einen Start-up-Corner. 280 Fachkräfte hatte sich angemeldet – laut den Organisatoren 10 Prozent mehr als bei der Premiere 2017. Und was Marietta Frey, Leiterin Aargau Services, besonders freute: «Den Anteil der Leute mit MINT-Hintergrund konnten wir steigern.» Das entspreche der Ausrichtung des Industriestandorts Aargau. Dem Vernehmen nach verliefen einige der Begegnungen gestern derart gut, dass aus dem Stand Vorstellungsgespräche für nächste Woche vereinbart wurden.

Nach Networking-Runden und Referaten, die sich die Teilnehmenden nach persönlichen Interessen selber zusammenstellen konnten, kam man zum Schluss nochmals im Plenum zusammen für den CEO-Talk. Auf die Bühne gebeten wurden Marianne Wildi, AIHK-Präsidentin und CEO der Hypothekarbank Lenzburg, Stefan Schimon von der auf mechatronische Systeme spezialisierten Antrimon Group (Muri) sowie Marco Born von der Solvias AG (Kaiseraugst), die im Auftrag von Pharma-, Biotech-, Medizintech- und Kosmetikunternehmen forscht und entwickelt. Moderatorin Judith Wernli wollte von den dreien wissen, was sie zu ihren Posten kamen – und was es für eine erfolgreiche Karriere heute braucht.

Schnell zeigte sich, dass die drei in vielem gleich sind. Etwa darin, dass sie ihre Chefposition nicht gesucht, sondern sich diese ergeben hatte. Dass beruflicher Erfolg zwar einen grossen Einsatz erfordert, aber die Freude am Tun genauso wichtig ist. Oder dass die Leistung des Teams immer wichtiger sein sollte als die eines Einzelnen. Marianne Wildi sagte: «Wer weit kommen will, braucht ehrliches Interesse, Engagement und Offenheit. Man muss jederzeit bereit sein, sich zu verändern.» Sie hätte ihren Aufstieg von der Programmiererin zum CEO niemals planen können: «Ich gab einfach immer vollen Einsatz und bewahrte mir die Freude an dem, was ich tat.» Zudem sei ein gesundes Selbstvertrauen sicher hilfreich. «Ich war immer überzeugt von meinem Marktwert, dachte immer, ich könnte sofort wechseln, wenn ich wollte.» Darum sei sie seit 30 Jahren beim gleichen Unternehmen. «Vielleicht ist das aber auch eine Illusion», brachte Wildi das Publikum zum Lachen.

Keine exakte Wissenschaft

Marco Born erklärte, er suche niemandem, der «genau das und das kann». Viel erfolgversprechender sei es laut seiner Erfahrung, einfach lernfähige Leute zu suchen, die offen seien für Neues. «Rekrutieren ist keine exakte Wissenschaft.» Wichtig sei, dass jede und jeder seinen Beitrag leisten könne – «und dass jeder und jede Einzelne selber auch weiss, was der eigene Beitrag zum Unternehmenserfolg ist.» Wildi und Schimon nickten bejahend, und Stefan Schimon ergänzte: «Ein Mitarbeiter kann fachlich noch so gut sein. Wenn er nicht ins Team passt, bringt das niemandem etwas.» Das erfordere aber auch, dass man sich als Chef die Zeit nehme, «Mitarbeitende wirklich zu führen und zu bestärken».

Einig war man sich auch darin, dass der Kanton seine Sache gut mache: Wirtschaftsförderung sei hier keine hohle Floskel, sondern werde gelebt. Das zeigten Anlässe wie Karriere Aargau oder das über Jahre aufgebaute Umfeld. Dieses sei mit Hightech-Zentrum, Park Innovaare und Paul-Scherrer-Institut sehr attraktiv, und der ebenso attraktive Wohnraum helfe beim Rekrutieren international gefragter Berufsleute zusätzlich.