Regionalverkehr

öV finanziert sich nur zur Hälfte – für den Rest kommen die Steuerzahler auf

In den letzten fünf Jahren ist die Zahl der Pendler markant angestiegen.

In den letzten fünf Jahren ist die Zahl der Pendler markant angestiegen.

Der Aargau hat den grössten Postauto-Bestand und übertrifft auch Bergkantone wie Graubünden und Wallis. Doch Pendler und Reisende füllen die öV-Kasse nur zur Hälfte. Den Rest zahlen Kanton, Bund und Gemeinden - schlussendlich also der Steuerzahler.

Am Dienstag wurden im Grossen Rat zwei Vorstössen abgelehnt, die verlangten, die Verwendung von Strassengeldern anzupassen. Aus der Debatte, ob Gelder aus der Strassenkasse oder der kantonale Anteil aus der Leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe (LSVA) für die externen Kosten des Strassenverkehrs eingesetzt werden sollten, wurde dabei eine verkehrspolitische Grundsatzdiskussion.

Dabei warf Martin Keller (SVP) den links-grünen Motionären vor, sie wollten die Strassenkasse aushöhlen. Die Strasse finanziere ihre Kosten vollständig, der öffentliche Verkehr decke seine nur zur Hälfte, sagte Keller. Eine Nachfrage beim Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) zeigt: Keller hat recht. Etwas plakativ gesagt, sind die Steuerzahler generell die grossen Sponsoren der öV-Benutzer.

Konkurrenzfähig dank Steuergeld

Doch warum müssen die Pendler und Reisenden in S-Bahnen und Bussen nicht die vollen Kosten bezahlen? «Weil wir dann nicht mehr konkurrenzfähig wären, die Differenz zum Auto wäre zu gross.» Das sagt Hans Ruedi Rihs, Leiter der Sektion Verkehr im (BVU). Die Politik setzt aus Umweltgründen verstärkt auf den öffentlichen Verkehr. Immer mehr kommen Platzprobleme dazu, die Staus auf den Strassen werden länger und länger. Wohl mit ein Grund, weshalb sich die riesigen Investitionen in topmoderne Züge und Busse mehr als lohnen: Um 25 bis 40 Prozent ist die Auslastung der Regionalzüge in nur fünf Jahren gestiegen, und die Wachstumgsprognosen bleiben hoch.

Kostendeckung öV

Kostendeckung öV

Mehr Pendler und Reisende füllen die öV-Kasse besser. Tendenziell senkt das die ungedeckten Kosten, aber sie liegen immer noch bei rund 50 Prozent. Die gesamten Restkosten für den Regional- und Agglomerationsverkehr übernimmt der Kanton zu rund 20 Prozent, den Rest teilen sich Bund und Gemeinden rund hälftig. Überfüllte Züge und Busse rufen nach einem weiteren Ausbau. Für mehr Halbstunden-Takte der S-Bahnen hat der Grosse Rat 40 Millionen an ein Paket von 163 Millionen Franken bewilligt. Der Bau längerer Perrons benötigt von der Idee bis zur Umsetzung fünf bis zehn Jahre.

Busse und Züge werden länger

Aber danach kann die Kapazität zum Beispiel mit zwei S-Bahn-Einheiten verdoppelt werden. Eine ähnliche Entwicklung ist auch bei den Bussen in Aarau, Baden und weiteren Zentren absehbar. «Es geht von Normalbussen zu Gelenkbussen und in den grossen Städten bereits zu Doppelgelenkbussen oder Anhängern», erklärt Rihs. Weil die Pendler immer weiter fahren und fast alle zur gleichen Zeit zur Arbeit und am Abend nach Hause wollen, verschärft sich das Mobilitätsproblem. Ausserhalb der Spitzen und vor allem zu Randzeiten sind Bahnen und Busse oft schlecht ausgelastet. Eine Streichung etwa von Spätkursen ist laut Rihs delikat: «Wenn jemand nicht sicher ist, ob er am Abend noch mit dem öV nach Hause kommt, fährt er mit dem Auto.»

Kanton bestellt das Angebot

Schon heute ist der Aargau der grösste Besteller bei Postauto Schweiz und übertrifft auch Bergkantone wie Graubünden und Wallis. «Bei uns rollen die Postautos viertelstündlich und bis spät in die Nacht», begründet Hans Ruedi Rihs die Spitzenposition des Kantons.

Das Bundesamt für Raumentwicklung rechnet für den Aargau mit den grössten Zuwachsraten aller Deutschschweizer Kantone - was übrigens viel mit der guten Erreichbarkeit zu tun hat. Als Besteller des Angebots bei den Transport-Unternehmen tritt immer der Kanton auf, neben dem Regionalverkehr auch für die Busse in Agglomerationen und Gemeinden. Dies passiert in enger Absprache mit den regionalen Planungsverbänden.

Bei der Erneuerung von Busflotten nimmt der Kanton auch Einfluss auf den Komfort. «Niederflur-Einstieg und Klimaanlage sind Standard geworden, Fahrgast-Informationen über Zuganschlüsse auch», betont Rihs.

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