Die Kritik zielt dabei allerdings nicht auf die Person Obrist ab. Vielmehr stören sich einzelne Parteimitglieder an der Tatsache, dass der Nominierte keine Frau ist.

Gleich mehrere Teilnehmer der Mitgliederversammlung meldeten sich an der Sitzung vom Montagabend zu Wort und monierten, dass die Grünen nicht mit einer Frau versuchen, den Sitz der scheidenden Regierungsrätin Susanne Hochuli zu verteidigen. 

«Ich werde mich für eine grüne Wirtschaft einsetzen»: Grünen-Kandidat Roland Obrist am Donnerstag nach seiner Nomination.

«Ich werde mich für eine grüne Wirtschaft einsetzen»: Grünen-Kandidat Roland Obrist am Donnerstag nach seiner Nomination. (Juli 2016)

Ein Parteimitglied erinnerte die Versammlung daran, dass es im Vorfeld durchaus weibliche Interessenten für das Amt gegeben habe. Es sei daher eher seltsam, dass man sich nun für einen Mann entschieden habe.

Daniel Hölzle, Parteipräsident der Grünen Aargau, erklärte das gegenüber dem SRF Regionaljournal so: «Robert Obrist hat sich im Grossen Rat viel Erfahrung über die Kantonalpolitik erarbeitet, insbesonders im Finanzbereich. Bei der aktuellen Finanzsituation und Finanzdebatte im Kanton ist es wichtig, dass wir eine dossierfeste und starke Persönlichkeit ins Rennen schicken, die etwas bewirken kann.»

«Alles fliesst – auch in der Politik»: die 1.-August-Ansprache von Robert Obrist auf dem Aussichtspunkt Wanne in Schinznach.

«Alles fliesst – auch in der Politik»: die Youtube-1.-August-Ansprache von Robert Obrist auf dem Aussichtspunkt Wanne in Schinznach.

Nicht alles optimal abgelaufen

Die Grünen nominierten also schlicht denjenigen Kandidaten mit den grössten Chancen für die Wahl. Dennoch sei im Auswahlprozedere nicht alles optimal abgelaufen, wie Daniel Hölzle einräumt. Zwar habe man die weiblichen Kandidaturen für das Amt geprüft. Doch der überraschende Rücktritt Susanne Hochulis habe die Situation parteiintern erschwert.

Rücktritt: Acht Jahre sind genug

Rücktritt: Acht Jahre sind genug (Juli 2016)

Die Aargauer Regierungsrätin Susanne Hochuli kandidiert überraschend nicht für eine dritte Amtszeit. Wieso nicht?

«Wir sind lange davon ausgegangen, dass sie wieder antritt», erklärt Hölzle und fügt an: «Wir hätten früher damit beginnen sollen, die Kandidaturen zu prüfen. Dafür entschuldige ich mich bei den Frauen in der Partei.» (luk)