Bildungsausgaben

Oberste Aargauer Lehrerin: «Kundgebung hat den Grossen Rat beeinflusst»

Das ist der `Hürzeler-Schreck`

Das ist der `Hürzeler-Schreck`

Elisabeth Abbassi kämpfte an vorderster Front gegen die Bildungssparpläne der Aargauer Regierung. Die grosse Mobilisierung hat sich ausbezahlt, der Grosse Rat machte den Sparplänen einen Strich durch die Rechnung.

Als Präsidentin des Aargauer Lehrerverbandes kämpfte Elisabeth Abbassi an vorderster Front gegen den Bildungsabbau. Dass der Grosse Rat weitere Massnahmen ablehnt, ist in ihren Augen auch das Verdienst der Protestbewegung.

«Fast schon wie Weihnachten» war für Elisabeth Abbassi, Präsidentin des Aargauer Lehrerverbandes (ALV), der Entscheid des Grossen Rates, das Kantonsbudget nicht weiter auf Kosten der Bildung aufzupolieren.

In einer Marathon-Budgetdebatte hatte sich der Grosse Rat am Dienstag nämlich gegen weitere Sparmassnahmen im Bildungsbereich ausgesprochen. Die Reduktion von Stundentafel und Halbklassenunterricht wurde deutlich abgeschmettert und für den gestalterischen Vorkurs gibt es eine Gnadenfrist.

Wirklich überraschend kam diese Entwicklung für die oberste Lehrerin im Kanton allerdings nicht: «Es hat sich abgezeichnet. Der Widerstand gegen die Reduktion war im Volk extrem gross», sagt Elisabeth Abassi gegenüber Tele M1 und erinnert auch an das Nein zur Streichung des Beurfswahljahres am vergangenen Sonntag.

Zur Erinnerung: Aus Protest gegen den Bildungsabbau haben die Lehrer 50'000 Unterschriften gesammelt. An einer Kundgebung vor drei Wochen verschafften verschafften rund 8000 von ihnen ihrem Unmut Luft.

Die Wirkung dieser Lehrer-Demo auf den Entscheid der Grossräte schätzt Abbassi als «recht gross» ein. «Wenn 8000 Leute vor dem Grossratsgebäude zeigen, dass sie nicht einverstanden sind, kann man das nicht einfach übersehen.»

Wie weiter im Aargauer Bildungsstreit?

Wie weiter im Aargauer Bildungsstreit?

Elisabeth Abbassi kämpfte an vorderster Front gegen den Bildungsabbau. Und war erfolgreich. Ganz zum Unmut von Alex Hürzeler.

SVP fand Demo unnötig

Diese Lorbeeren gesteht die SVP den Protestierenden nicht zu. Zwar habe es ein grosses öffentliches Echo gegeben, findet Bildungsdirektor Alex Hürzeler. Die Meinungsbildung habe aber in den Kommissionen stattgefunden. «Die Resultate waren Regierung und Parlament seit Wochen bekannt. Die Demonstration hätte es nicht gebraucht», so Hürzeler.

Das findet auch SVP-Grossrätin Maya Meier und beschuldigt die Lehrer, hauptsächlich die eigenen Interessen im Auge gehabt zu haben: «Das war eine rein gewerkschaftlich orientierte Demo. Mit dem Wohl der Schüler hatte das nichts zu tun, sondern mit höheren Löhnen für die Lehrer.»

Bildungsdirektor Hürzeler erinnert zudem daran, dass durch die Ablehnung der Reduktionen die Probleme nicht gelöst seien. «Das Parlament wird auf die Differenz eine Antwort finden müssen. Wir sind gespannt.»

Bildung nicht unantastbar

Trotz Grossratsentscheid ist die Schule kein Tabu wenn es ums Sparen geht. «Es gibt im Bildungsbereich durchaus andere Positionen», hält Hürzeler fest. Das Parlament werde nicht darum herumkommen, dort nach weiteren Sparmöglichkeiten zu suchen.

Politexperte Hans-Peter Widmer pflichtet ihm dem Bildungsdirektor bei. Denn der Bildungsbereich werde sonst zum «geschützten Raum»: «Wenn man dort nicht auch sinnvoll zu sparen versucht, kann man am Ende vielleicht noch bei den Blumensträussen für Hundertjährige sparen.»

Wo der Kanton noch weiter Sparen kann, entscheidet sich in der Fortsetzung der Budget-Debatte am kommenden Dienstag. Der Bildungsbereich ist davon nicht mehr betroffen. Übrigens ebensowenig wie die Jubiläumsblumensträusse – der Grosse Rat hat auch diese Massnahme (Sparpotenzial: 10'000 Franken) abgelehnt.

Meistgesehen

Artboard 1