Strassenverkehr
Nur selten sucht das Aargauer Amt nach Toten

Im Amtsblatt des Kantons St. Gallen wurden bereits verstorbene Autofahrer zur medizinischen Fahreignungsprüfung aufgeboten. Einzelne Fälle gibt es auch im Aargau, doch die Personendaten für Fahreignungsprüfung sind im Aargau aktueller als auch schon.

Robert Benz
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Ab 70 braucht jeder Verkehrsteilnehmer ein Arztzeugnis, das seine Fahrtauglichkeit belegt.Keystone

Ab 70 braucht jeder Verkehrsteilnehmer ein Arztzeugnis, das seine Fahrtauglichkeit belegt.Keystone

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Wie die Sendung «10 vor 10» am Dienstag berichtete, wurden im Amtsblatt des Kantons St. Gallen Autofahrer zur medizinischen Fahreignungsprüfung aufgefordert, die bereits verstorben waren. Dasselbe Problem kennt auch der Kanton Aargau.

In einigen Fällen sei es vorgekommen, dass die im Amtsblatt aufgeführte Person bereits verstorben war, so der Leiter des hiesigen Strassenverkehrsamtes Johannes Michael Baer.

«Das passiert, Gott sei Dank, nur sehr selten. Es ist unglaublich unangenehm», sagt Baer.

Grund für die peinlichen Situationen: Das Update über die kürzlich verstorbenen Personen trifft nur einmal im Jahr ein. Das Amtsblatt erscheint hingegen wöchentlich.

Immerhin: Das Problem wurde inzwischen entschärft. Seit rund einem Jahr kann das Strassenverkehrsamt direkt auf die Einwohnerkontrollen der Gemeinden zugreifen.

«Datenleiche»: Einem angeblich 113-Jährigen wird der Ausweis entzogen

Im aktuellen Aargauer Amtsblatt wird einem 113-jährigen Belgier der Führerausweis aberkannt - für exakt drei Monate.

Zusätzlich muss der ausländische Verkehrsteilnehmer die 260 Franken Verfahrenskosten berappen, die dem Kanton Aargau auf der Suche nach ihm entstanden sind.

Dass Amaury Regout aus Etterbeek tatsächlich 113 Jahre gelebt hat, ist unwahrscheinlich.

Sein angebliches Geburtsdatum, der 1. Januar 1900, wurde ihm amtlich zugeteilt, weil sein echter Geburtstag genauso wenig bekannt ist wie sein aktueller Aufenthaltsort.

Es handle sich um eine Datenleiche, erklärt Johannes Baer vom Strassenverkehrsamt. (rob)

Der Abgleich der Daten passiert monatlich, diese sind somit viel aktueller als früher.

Kürzlich verstorbene Personen, die im Aargau wohnten, sind deshalb nicht mehr von einer unerwünschten Publikation betroffen.

Hatte ein Automobilist aber lediglich einen Aargauer Führerausweis und war aus dem Kanton weggezogen, sind Datenleichen weiterhin nicht auszuschliessen.

Ab 70 müssen Verkehrsteilnehmer alle zwei Jahre den medizinischen Nachweis erbringen, dass sie noch Auto fahren können. Wer vom Aargauer Strassenverkehrsamt nicht direkt gefunden und kontaktiert werden kann, wird per Amtsblatt dazu aufgefordert, den medizinischen Nachweis zu erbringen.

Unabhängig vom Alter, ruft der Kanton jeden Monat Autofahrer mit unbekanntem Aufenthaltsort auf. Die Aufforderungen richten sich grossmehrheitlich an Berufschauffeure aus dem Ausland, Grenzgänger, die für die Schweiz einen gültigen Führerausweis erhalten haben.

Wenn diese das Land und somit die Schweizer Strassen verlassen, scheren sie sich oft nicht darum, den Behörden ihren Weggang mitzuteilen.

Schweizer Autofahrer melden ihren Adresswechsel ebenfalls immer seltener, weil beim Fahrausweis im Kreditkartenformat die Wohnadresse nicht mehr eingetragen ist.

«Eine Publikation im Amtsblatt ist für uns das allerletzte Mittel, um die Fahreignung von Verkehrsteilnehmern zu gewährleisten», so Baer. Das Strassenverkehrsamt sei dafür verantwortlich, dass niemand im Besitz eines Fahrausweises ist, der nicht in der Lage ist, ein Fahrzeug zu lenken.

Der Aargau ist einer der wenigen Kantone, die keine hängigen Fälle dulden (siehe Box).

Jeder 70-Jährige und jeder verschwundene Berufschauffeur wird in allen verfügbaren Datenbanken und über den Arbeitgeber gesucht.

Wer dem amtlichen Aufgebot nach dem ersten Aufruf nicht nachkommt, dem wird bei der nächsten Polizeikontrolle der Fahrausweis abgenommen. Wer den Gesundheitsnachweis erbringt, erhält seinen Ausweis wieder zurück.

Die «jüngsten» betroffenen Senioren sind zwei Frauen und ein Mann mit Jahrgang 1943. Alle drei konnten vom Strassenverkehrsamt nicht gefunden werden. Die Namen sind online im aktuellen Amtsblatt nachzulesen.