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Nur noch saubere Busse im Aargau? Regierungsrat will kein Dieselbus-Verbot

Nach dem Test von Wasserstoff-Bussen in der Region Brugg zog Postauto eine positive Bilanz, im regulären Betrieb werden die Fahrzeuge aber nicht eingesetzt. MHU/Archiv

Nach dem Test von Wasserstoff-Bussen in der Region Brugg zog Postauto eine positive Bilanz, im regulären Betrieb werden die Fahrzeuge aber nicht eingesetzt. MHU/Archiv

CVP-Grossrat Andreas Meier will nur noch Elektrobusse ab 2028 – das ist der Aargauer Regierung zu restriktiv. Sie will aber zusammen mit Transportfirmen sinnvolle Einsatzgebiete für Elektrobusse festlegen und Linien definieren, die für den Umstieg auf den umweltschonenden Antrieb geeignet sind.

In der Stadt Aarau wurden Hybridbusse getestet, in der Region Brugg gab es einen Versuch mit Wasserstoff-Postautos – doch im Linienbetrieb setzen die Aargauer Transportunternehmen noch immer auf Dieselfahrzeuge. Das möchte CVP-Grossrat Andreas Meier ändern, in einer Motion verlangt er eine schrittweise Umstellung der Busflotten auf Elektro-Antrieb. Geht es nach Meier, sollen sämtliche Verkehrsbetriebe, die Aufträge vom Kanton erhalten, ab 2023 nur noch Hybridbusse, ab 2028 nur noch Fahrzeuge ohne Verbrennungsmotoren anschaffen dürfen.

Der CVP-Grossrat hält fest, die Entwicklung weg vom Dieselbus komme weltweit in Schwung. So habe die chinesische Stadt Shenzhen «unlängst 16 359 neue Elektrobusse in Betrieb genommen». Meier verweist weiter auf ein ABB-Projekt für elektrische Busse, das letztes Jahr vom Bundesamt für Energie ausgezeichnet wurde. Er bedauert, dass im Aargau «das innovative, ökologische Verkehrsmittel» derzeit noch nicht eingesetzt wird. Dabei stünde die Führerschaft in dieser Technologie dem Image des Kantons sehr gut an.

Diesel bald nicht mehr akzeptiert?

Meier räumt ein, dass Schadstoffausstoss und CO2-Emissionen bei Dieselmotoren der neuesten Generation «erfreulich tiefe Werte erreichen». Dennoch werde mit dieser Technologie das Ziel der Energiestrategie nicht erreicht, zudem verursachten Dieselbusse beträchtlichen Lärm. Er geht davon aus, dass der Dieselantrieb bei Bussen von der Bevölkerung dereinst nicht mehr akzeptiert wird, und weist darauf hin, dass die Beschaffung von neuen Bussen sich weit in die Zukunft auswirke. Üblicherweise stünden die Fahrzeuge für 14 Jahre im Einsatz, erläutert Meier. Ein neuer Bus, der heute bestellt und im nächsten Jahr ausgeliefert würde, würde damit bis ins Jahr 2034 fahren.

Deshalb will Meier die Regierung in die Pflicht nehmen und verlangt von ihr «eine richtungsweisende Verordnung». In seinem Vorstoss hält der Grossrat mit Blick auf seine Forderung fest, «ab 2023 nur noch Hybridfahrzeuge und ab 2028 nur noch Fahrzeuge ohne Verbrennungsmotoren zuzulassen, ist realistisch und entspricht aktueller Expertenmeinung».

Meier weist darauf hin, dass sich die Streckenpreise mit der neuen Technologie leicht erhöhen würden. Bei einer durchschnittlichen Buslinie koste ein gefahrener Kilometer heute 7.75 Franken, bei Bussen mit Elektroantrieb wären es rund 8.50 Franken. Meier hält dazu fest, wenn den Verkehrsbetrieben die Treibstoffzölle (ca. 60 Rappen pro Liter) nicht zurückerstattet würden, wäre die Umstellung auf eine Elektrobus-Flotte gar kostenneutral.

«Nicht zu stark einschränken»

Der Regierungsrat hält in seiner Antwort fest, er unterstütze die Elektromobilität grundsätzlich. Man habe die Chancen von Elektrobussen erkannt und sei bereit, deren Einsatz zu fördern. Meiers Forderung, dass Verkehrsbetriebe mit Kantonsauftrag ab 2023 nur noch Hybridbusse und ab 2028 nur noch Elektrobusse einsetzen dürften, «erachtet der Regierungsrat als zu restriktiv». Momentan seien nur wenige Hybridfahrzeuge auf dem Markt, wie die Situation in vier Jahren aussehen werde, sei unklar. Auch bei den reinen Elektrobussen meldet der Regierungsrat seine Vorbehalte an. Die heute verfügbaren Modelle seien primär auf den städtischen Raum ausgelegt. Erfahrungen mit Elektrobussen in ländlichen Gebieten und auf Strecken mit grösseren Steigungen, wie sie im Aargau zum Beispiel an der Staffelegg oder am Benkerjoch vorkommen, seien noch kaum vorhanden.

Der Regierungsrat findet es nicht sinnvoll, die Transportunternehmen bei der Fahrzeugbeschaffung stark einzuschränken. Die Verkehrsbetriebe hätten selber ein grosses Know-how, wüssten Bescheid über den Entwicklungsstand und würden so «die für ihre Einsatzgebiete am besten geeigneten Fahrzeuge» beschaffen.

Kanton will Ladestationen fördern

Die Regierung spricht sich also gegen verbindliche Vorschriften aus, möchte die Aargauer Transportunternehmen jedoch bei Elektrobusprojekten unterstützen. Derzeit sind Elektrobusse noch deutlich teurer als Dieselbusse, deshalb schlägt der Regierungsrat eine längere Amortisationsdauer vor. Künftig sollen Elektrobusse, wie heute schon die ebenfalls mit Strom betriebenen Trolleybusse, über die Zeit von 18 Jahren abgeschrieben werden.

Der Regierungsrat lehnt Meiers Motion zwar ab, will aber zusammen mit Transportfirmen sinnvolle Einsatzgebiete für Elektrobusse festlegen und Linien definieren, die für den Umstieg auf den umweltschonenden Antrieb geeignet sind. Zudem will der Kanton finanzielle Beiträge an den Bau von Elektro-Ladestationen leisten. Diese seien eine strategisch wichtige Infrastruktur für die Zukunft, entsprechende Investitionen seien notwendig.

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