Die Aargauer Regierung nimmt in einer Mitteilung zur Kenntnis, dass weniger Kündigungen ausgesprochen werden als ursprünglich angekündigt. Sie bedauert, dass durch die Restrukturierung von GE dennoch 900 Mitarbeitende ihre Stelle verlieren werden. Zusammen mit GE will sie eine umfassende Betreuung für die von Kündigung betroffenen Mitarbeiter sicherstellen. Sie begrüsst aber auch, dass GE in den nächsten zwei Jahren 172 neue Stellen schaffen will. Die az fragte Volkswirtschaftsdirektor Urs Hofmann, ob sich der Einsatz um den Erhalt von möglichst vielen Stellen gelohnt hat.

Die Regierung wollte alles tun, um das Ausmass des Abbaus zu verringern. Es geht jetzt um 900 statt wie ursprünglich angekündigt um 1300 Kündigungen. Sind Sie damit leidlich zufrieden?

Urs Hofmann: Die Reduktion der angekündigten potenziellen Entlassungen ist sicher positiv. Zufrieden können wir jedoch nicht sein. Der Regierungsrat hat die Erwartung, dass sich die Anzahl der betroffenen Mitarbeitenden durch interne Stellenbesetzungen und den Aufbau neuer Stellen noch signifikant reduzieren lässt.

«Die Gespräche sind offen und transparent»: Badens Stadtammann Geri Müller ist in ständigem Kontakt mit GE.

«Die Gespräche sind offen und transparent»: Badens Stadtammann Geri Müller macht bei GE Werbung für den Standort Baden.

(6. Juni 2016)

Ziel der Personalvertretung ist, diese Zahl auf 650 hinunterzuschrauben. Ist das realistisch?

Dies scheint nicht illusorisch. Ich erwarte mit der Personalvertretung, dass sich die Zahl von Entlassungen nochmals signifikant reduzieren lässt.

Alle Standorte in der Schweiz und damit im Aargau sollen erhalten bleiben. War das von Anfang an so oder erst das Resultat der Konsultationen?

Grundsätzlich wurde bereits Anfang Jahr kommuniziert, dass kein Aargauer Standort geschlossen werden soll. Ob es dabei bleiben würde, war jedoch nicht klar. Dass diese Aussage jetzt bestätigt wurde, ist ein positives Ergebnis der Konsultation.

GE beteuert, eine langfristige und bedeutende Präsenz in der Schweiz zu wollen. Ist das aufgrund der jetzigen Entscheide, des Verschiebens zweier globaler Hauptsitze nach Baden und der Ankündigung von 172 neuen Arbeitsplätzen bei Power Services glaubhaft?

In unseren Gesprächen mit dem GE-Management wurde stets bekräftigt, dass der Aargau auch künftig für GE eine wichtige Rolle spielen werde. Entscheidend wird sein, dass Baden bzw. der Aargau in neuen Technologiefeldern mit dabei ist. Kontakte mit der ETH, dem PSI, der Fachhochschule Nordwestschweiz und dem Park innovAARE bestehen bereits. Sie zeigen, dass durchaus Kooperationsmöglichkeiten bestehen. Wir erwarten hier noch die definitiven Entscheide von GE.

Anfänglich schien die Schweizer Belegschaft im Ländervergleich überproportional betroffen. Ist das immer noch so?

Gemäss unseren Recherchen erfolgen die Restrukturierungen in ganz Europa nach betriebswirtschaftlichen Überlegungen. Für uns ist nicht erkennbar, dass in der Schweiz gegenüber andern Ländern ein überproportionaler, sachlich nicht nachvollziehbarer Abbau von Arbeitsplätzen stattfindet.

Haben Sie Hinweise darauf, ob sich die Auftragslage für General Electric im Aargau bessert?

Der Bereich der Stromproduktion leidet nach wie vor an Überkapazitäten. In Europa werden zurzeit kaum noch neue Kraftwerke gebaut und auch Investitionen in beste-
hende Anlagen erfolgen nur sehr zurückhaltend. Daran hat sich seit Anfang Jahr nichts geändert. Allerdings wird sich die Auslastung der GE-Fabrik in Birr ab dem Herbst dieses Jahres durch eine Bestellung von acht Turbinen durch Ansaldo verbessern.

Was hat der Konsultationsprozess abgesehen von der kleineren Zahl beim Stellenabbau gebracht?

Zu den Konsultationsprozessen, welche eben erst abgeschlossen wurden, fehlen uns zurzeit detaillierte Angaben. Uns gegenüber hat GE allerdings in mehreren Gesprächen bekräftigt, den Standort Aargau auch bezüglich der Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in neuen Technologiefeldern weiterzuentwickeln. Die Position von Baden im GE-Konzern soll gegenüber den ersten Aussagen noch weiter gestärkt werden.

Was bietet der Aargau den Stellensuchenden als Unterstützung genau an?

Das Amt für Wirtschaft und Arbeit steht in engem Kontakt mit den Personalverantwortlichen von General Electric, um eine individuelle Betreuung der vom Stellenabbau betroffenen Mitarbeitenden sicherzustellen. Ein mobiles Regionales Arbeitsvermittlungszentrum wird vor Ort für Beratungsgespräche und Informationsveranstaltungen eingesetzt. Betroffene Mitarbeitende profitieren zudem von einem Sozialplan, der auch Outplacement-Angebote vorsieht. Hinzu kommen die Angebote, welche die Arbeitslosenversicherung vorsieht.