Geldanlage
Nur exklusive Oldtimer sind Gold auf Rädern

In Zeiten rekord tiefer Zinsen kaufen Spekulanten vermehrt Oldtimer. Auch wenn die Preise für historische Fahrzeuge steigen, droht ein Verlustgeschäft.

Pascal Meier
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Peter Rau, Touring-Garage Oberweningen: «Wer nur auf den Profit schaut, soll keinen Oldtimer kaufen.»

Peter Rau, Touring-Garage Oberweningen: «Wer nur auf den Profit schaut, soll keinen Oldtimer kaufen.»

Matthieu Lamour vom Pariser Auktionshaus Artcurial sprach begeistert von einem Tag, «an den wir uns noch lange erinnern werden». Dieser Tag war der 5. Februar 2016 und bleibt wegen einer Zahl in Erinnerung: 32 Millionen Euro. Für diesen Betrag ersteigerte ein unbekannter Bieter aus den USA einen Ferrari vom Typ 335 Sport Scaglietti. Der Sportwagen aus dem Jahr 1957 ist alt, selten, in gutem Zustand und war im Besitz mehrerer Rennfahrer-Legenden. Das alles sind bei Oldtimern beste Voraussetzungen, um bei Auktionen einen hohen Preis zu erzielen.

Millionenbeträge haben in jüngerer Zeit zahlreiche Oldtimer erreicht: 2014 brachten die zehn Oldtimer-Auktionen mit den höchsten Geboten total 125 Millionen Euro ein. Was auffällt: Die Preise für teure Klassiker, die auf Auktionen den Besitzer wechselten, sind über die Jahre gestiegen. Das ist auch bei weniger exklusiven Fahrzeugen zu beobachten. Der Deutsche Oldtimer-Index, den der Verband der Automobilindustrie (VDA) jährlich erstellt, legte 2015 um 5,6 Prozent zu. Dieser Zuwachs entspricht fast exakt dem durchschnittlichen jährlichen Preisanstieg von Oldtimern seit Beginn der Erhebung 1999. Langfristig zeigt der Deutsche Oldtimer-Index eine klare Tendenz nach oben.

Diese Entwicklung beobachtet auch Peter Rau, Gründer der Touring Garage in Oberweningen ZH, eine der grössten und bekanntesten Oldtimer-Garagen der Schweiz. «In den vergangenen fünf bis sechs Jahren sind die Preise von Oldtimern gestiegen, und zwar durchs Band.» Die Erklärung sei einfach: «Geld ist derzeit billig zu bekommen und viele Anlagemöglichkeiten sind nicht mehr attraktiv.» Wer viel Geld habe, wisse nicht, wohin damit.

Bei Peter Raus Oldtimer-Garage, die seit 2011 von seiner Tochter Katrin Schena-Rau geführt wird, klopfen deshalb vermehrt Kunden an, die einen Oldtimer vor allem aus finanziellen Gründen kaufen wollen und nicht wegen der Freude am Hobby. «Bei welchem Auto steigt der Wert am stärksten», fragen diese Kunden. Peter Rau, der auch nach der Pensionierung noch in der Garage anpackt, hat eine klare Antwort: «Wer nur auf den Profit schaut, soll keinen Oldtimer kaufen.» Dies aus zwei Gründen: Nur sehr teure und exklusive Autos eignen sich als Wertanlage. «Bei Autos unter 100 000 Franken frisst der Unterhalt in der Regel einen eventuellen Wertzuwachs weg.» Mit einem VW Käfer oder einem Deux Chevaux etwa lasse sich kein Geld verdienen. Was für Peter Rau aber viel wichtiger ist: «Man muss Freude am Fahrzeug haben und dieses fahren.» Alles andere sei nicht der Sinn eines schönen Oldtimers.

Autos verlieren auch an Wert

Dieser Meinung ist auch Bernhard Taeschler. Der Sarmenstorfer Autoliebhaber ist Vorstandsmitglied der Swiss Historic Vehicle Federation, des Dachverbands von rund 120 Oldtimer-Klubs in der Schweiz. «Oldtimer sind Fahrzeuge, keine Stehzeuge», sagt Taeschler. Schöne alte Fahrzeuge müssten gepflegt sowie ab und zu auf die Strasse gebracht werden. «Was nicht gefahren wird, geht kaputt.» Dies erfordere einen ständigen Unterhalt.

Das weiss Taeschler aus eigener Erfahrung: Von seinen ursprünglich 21 Oldtimern hat er in den vergangenen Jahren altershalber 15 Fahrzeuge verkauft. «An einigen habe ich verdient, aber über mehrere Jahrzehnte hinweg auch ziemlich viel Geld investiert.» Einige Fahrzeuge hätten in dieser Zeit sogar an Wert verloren. Grosses Glück hatte Bernhard Taeschler jedoch mit seinem Messerschmitt Tiger, von dem es weltweit noch etwa 40 Stück gibt: Diesen hatte er vor rund 30 Jahren für 20 000 Franken gekauft, heute wird dieser seltene und unverkäufliche Oldtimer siebenmal teurer gehandelt. «Das hätte ich mir damals nicht vorstellen können», sagt der Oldtimer-Liebhaber.

Hat Bernhard Taeschler in den vergangenen Jahren unter dem Strich an seinem Hobby verdient? «Das weiss ich nicht.» Überhaupt stelle sich diese Frage für einen Oldtimerfan nicht. Taeschler: «Der ‹Schrauber›, der seinen Oldtimer hegt und pflegt, schaut nicht auf den Wertzuwachs. Und wenn es eine solchen geben sollte, ist das eine schöne Nebenerscheinung.»