Pandemie
Nur die Hälfte des Aargauer Pflegepersonals will sich gegen Corona impfen lassen

Verantwortliche in Heimen und Spitälern sind gegen ein Impfobligatorium – sie setzen auf Aufklärung und Aufrufe. Die Impfbereitschaft sei jedoch höher als bei der Grippe.

Fabian Hägler
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Impfzentrum am Kantonsspital Aarau: Beim Pflegepersonal ist die Impfbereitschaft niedriger als bei Mitgliedern der Risikogruppe.

Impfzentrum am Kantonsspital Aarau: Beim Pflegepersonal ist die Impfbereitschaft niedriger als bei Mitgliedern der Risikogruppe.

Sandra Ardizzone

Als erste Aargauerin wurde am Dienstag im Pflegeheim Auhof in Veltheim die 89-jährige Agatha Baumann geimpft. Daneben wurden auch Angestellte geimpft. Die Bereitschaft war je nach Alter unterschiedlich: Von den unter 25-jährigen Pflegenden haben sich nur etwa zehn Prozent impfen lassen, bei den über 50-Jährigen waren es hingegen 80 Prozent.

Das Heim in Veltheim ist eine von fünf Institutionen, wo im Aargau bereits geimpft wird. «Es gibt keinen Impfzwang – weder bei den Bewohnern, noch bei den Angestellten», sagt André Rotzetter, Präsident der Sparte Pflegeinstitutionen beim Spital- und Heimverband Vaka. Alle müssen ihre Zustimmung geben. Wenn ein Bewohner nicht mehr selber entscheiden kann, braucht es die Einwilligung der Angehörigen.

Heimpräsident: «Kein Druck auf das Personal»

«Wir sammeln in der Pilotphase wertvolle Erfahrungen im Umgang mit dem Impfstoff, beim Einholen der Zustimmung zur Impfung und bei der Zusammenarbeit mit den mobilen Impfteams des Kantons», sagt Rotzetter. Auch in den Heimen in Frick und Laufenburg, die vom Verein für Altersbetreuung im Oberen Fricktal geführt werden, wo Rotzetter Geschäftsführer ist, werden Bewohner und Angestellte geimpft.

«Es werden insgesamt rund 180 Impfungen pro Alterszentrum sein», so Rotzetter. Er sei daran, die Liste der impfwilligen Personen zu bereinigen. Für die Impfungen ist laut Rotzetter deutlich weniger Zeit nötig, als angenommen: «Innerhalb von rund drei Stunden sollten alle geimpft sein, zuvor gingen wir von etwa anderthalb Tagen aus.»

Die Impfbereitschaft beim Personal sei deutlich höher als bei der Grippe, wo sie bei etwa 30 Prozent liegt: «Ich habe noch nicht alle Daten ausgewertet, aber es dürften rund 50 Prozent der Angestellten sein, die sich gegen Covid-19 impfen lassen wollen», sagt Rotzetter. Der Geschäftsführer und Heimexperte ist persönlich dagegen, Druck auf das Gesundheitspersonal auszuüben. «Ob sich jemand impfen lassen will, ist eine persönliche Entscheidung und soll eine persönliche Entscheidung bleiben», sagt Rotzetter.

Impfstrategie für Personal ist in allen Spitälern gleich

Auch an den vier Aargauer Spitälern, die schwere Covid-Fälle behandeln, wurden schon erste Angestellte geimpft. Die Strategie ist mit dem Kanton abgesprochen und wird in allen Spitälern gleich gehandhabt. «Derzeit impfen wir Mitarbeiter, die fix auf Covid-Stationen tätig und den ganzen Tag dem Infektionsrisiko ausgesetzt sind», sagt Julien Buro, Mediensprecher des Kantonsspitals Aarau (KSA). Ein Chefarzt, der nur einmal pro Woche auf der Covid-Station seine Visite macht, wird noch nicht geimpft. Das gleiche gilt für die vielen pensionierten Helferinnen und Helfer im Impfzentrum.

In einem zweiten Schritt werden in den Spitälern Mitarbeitende auf Notfallstationen geimpft, dann alle Angestellten mit Patientenkontakt. Danach wird – analog zur Gesamtbevölkerung – allen Mitarbeitenden eine Impfung angeboten. «Dies wird aber wohl erst im Frühling möglich sein», sagt Buro.

Personal auf Covid-Station ist impfwilliger

«Wir haben vor Weihnachten über die Impfung informiert und jedem Mitarbeiter einen Brief geschickt mit einem Infoblatt», sagt KSA-Sprecher Buro. Zudem habe man Onlinekonferenzen organisiert, um die Angestellten über Wirkung und Nebenwirkungen zu informieren und Fragen zu beantworten. «Wir glauben, dass sich offene und ehrliche Information auszahlt.»

180 der rund 2100 Pflegerinnen und Pfleger sind am KSA schon geimpft, die Impfbereitschaft ist unterschiedlich: Mehr als 80 Prozent bei Personal auf Covid-Stationen, zwei Drittel bei Angestellten mit gelegentlichem Kontakt zu Coronapatienten, rund ein Drittel auf Abteilungen ohne Covid-Patienten. Insgesamt ist die Impfbereitschaft des KSA-Personals aber klar höher als bei der Grippe.

Impfaufruf mit einer spitalinternen App

Das ist im Kantonsspital Baden (KSB) nicht anders. «Wir rechnen damit, dass sich mehr Mitarbeitende gegen Covid-19 werden impfen lassen, als dies bei der Grippeimpfung der Fall ist», sagt KSB-Sprecher Omar Gisler. In einer internen Spital-App habe die leitende Ärztin für Infektiologie und Spitalhygiene den Mitarbeitenden eine Impfung empfohlen. Laut Gisler gibt es Anzeichen, dass bei den rund 1000 Pflegenden am KSB «reges Interesse an einer Covid-Impfung herrscht». Eine allgemeine Impfpflicht für das Pflegepersonal ist nicht vorgesehen.

Covid-Impfung wird empfohlen

In der Probephase des KSB-Impfzentrums haben Mitarbeitende, die engen Kontakt mit Covid-Patienten haben oder selber zur Risikogruppe gehören, die Impfung bereits erhalten.

An der Hirslanden Klinik Aarau können sich alle Mitarbeitende mit direktem Kontakt zu Covid-19-Patienten impfen lassen, zum Beispiel solche auf der Intensivstation oder der Covid-­Isolationsstation, wie Mediensprecher Philipp Lenz sagt. Dies hätten bereits einige Angestellte in Anspruch genommen, die bisherige Impfbereitschaft unter den rund 650 Pflegenden war laut dem Sprecher gross. Eine Impfpflicht für Gesundheitspersonal gibt es bei der Hirslanden- Gruppe ebenso wenig wie an den anderen Aargauer Spitälern. Lenz sagt, man setze im Rahmen «einer Sensibilisierungskampagne auf den dialogischen Austausch» mit den Mitarbeitenden und empfehle ihnen die Covid-Impfung.

Noch keine Impfungen beim Personal in Muri

Im Spital Muri wurden bisher noch keine Pflegenden geimpft, sagt Sprecherin Martina Elisabeth Wagner. Die Impftermine am Impfzentrum Baden seien noch nicht bekannt, die Impfungen sollten spätestens bis Ende März erfolgt sein. Bisher gibt es am Spital Muri keine Empfehlung und keinen Aufruf der Spitalleitung an die Mitarbeitenden.

Dies wäre laut Wagner nur sinnvoll, wenn der Impfstoff uneingeschränkt verfügbar ist. «Impfmöglichkeiten vor Ort im Spital, also ein niederschwelliger Zugang, wären nützlich für einen solchen Aufruf.» Grundsätzlich stehe es allen Mitarbeitenden frei, sich impfen zu lassen. Aus Datenschutzgründen werde nicht erhoben, welcher Anteil der rund 140 Pflegenden im Spital Muri für eine Impfung bereit seien, und wie viele nicht.