Die beiden gemeindeeigenen Quellen «Hunzibrunnen» und «Vögelibrunnen» haben ein Nitratproblem. Deshalb kann ihr Wasser gegenwärtig gar nicht als Trinkwasser verwendet werden. Und die Kapazität der Grundwasserfassung beim «Delphin» ist auch nicht unbeschränkt – insbesondere nicht in Hitzesommern wie 2015. Deshalb hat der Gemeinderat Meisterschwanden beschlossen, das Problem grundsätzlich anzugehen. «Wir wollen ein Seewasserwerk realisieren», erklärte Gemeindeammann Ueli Haller am Mittwoch an einem Informationsabend.

Am 28. Juni soll der Souverän einen Projektierungskredit von 250'000 Franken bewilligen, im Sommer 2019 einen Baukredit in der Grössenordnung von 5 Millionen Franken. Der Gemeinderat Meisterschwanden möchte, dass andere Gemeinden ebenfalls Wasser aus dem Werk beziehen, will die Anlage aber selber erstellen.

Fahrwangen und Seengen haben Interesse angemeldet. Beim Kanton gibt es Überlegungen, langfristig nicht nur Seetaler, sondern auch Oberwynentaler Gemeinden, etwa Reinach und Menziken, mit Hallwilersee-Wasser zu versorgen.

Pumpstation im Strandbad Seerose

Das erste Seewasserwerk der Schweiz wurde 1870 am Bodensee gebaut. Am Sempachersee gibt es eines seit 1965. Ein Vorprojekt hat gemäss Markus Haller vom Ingenieurbüro Holinger AG ergeben, dass die Meisterschwander ihr Seewasserwerk im Bereich des Strandbads Seerose bauen sollten. Das Wasser würde etwa 200 bis 300 Meter vom Ufer entfernt gefasst. In einer Tiefe von 25 bis 30 Metern.

Es würde über einen Saugkorb (3 bis 4 Meter über dem Seeboden) angesaugt und durch eine Rohwasserleitung (Kunststoffrohr, ist mittels Betonblöcken auf dem Seeboden fixiert) an den Strand geführt. Im Bereich der Wiese gäbe es eine unterirdische Pumpstation, die das Wasser über eine 700 Meter lange Leitung zur Aufbereitungsanlage pumpen würde. Diese käme in den Bereich der Sportanlagen (neben der Kantonsstrasse) zu stehen.

Gute Qualität, attraktiver Preis

In der Aufbereitungsanlage wird das Seewasser mittels Filtern (Aktivkohlefilter und Membranfilter) sowie dem Einsatz von Ozon gereinigt. «Die Seewasserqualität ist besser als diejenige von Grund- oder Quellwasser», erklärte Ingenieur Haller. Und der Preis? Ein Kubikmeter aufbereitetes Seewasser kostet laut dem Politiker Haller maximal 85 Rappen. Der Wasserpreis in Meisterschwanden würde auf 1,85 Franken steigen, was im Vergleich mit anderen Gemeinden immer noch attraktiv wäre. Gemeinden wie Seengen, Boniswil oder Seon könnten mit einer Leitung (einem Kunststoffrohr) durch den See hindurch versorgt werden.

Sinkt der Seespiegel?

Sinkt der Hallwilersee-Spiegel wegen der Wasserentnahme ab? Nein, der jährliche Verbrauch der Gemeinde Meisterschwanden entspricht einem Gewitter. Ist von der Wasserfassung etwas zu sehen? Nein, es gibt weder eine Boje noch eine Schutzzone, die Schiffe nicht befahren dürfen. Der genaue Standort des Saugkorbes wird möglichst geheim gehalten, damit niemand (etwa Nachtbuben) auf falsche Gedanken kommt. Die Fischer werden wissen, wo der Stutzen ist. Denn ihre Schleppnetze könnten sich verfangen. Und was ist mit den Wandermuscheln? Allenfalls muss die Rohwasserleitung periodisch mit Chlor gespült werden.