Der Fall ist aussergewöhnlich. Eine Frau, die von ihrem Ehemann getrennt lebte, versuchte mit Hilfe ihres neuen Lebenspartners ihren Noch-Ehemann umzubringen.

Sie lockerte die Schrauben an zwei Rädern des Autos ihres Ehemanns. Die Manipulation wurde aber entdeckt. Auch eine spätere Messerattacke überlebte der Mann.

Begnadigung vom Aargauer Grosser Rat

Begnadigung vom Aargauer Grosser Rat

Die Frau wurde wegen versuchten Mordes zu siebeneinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Sie nahm einen Sohn mit in den Strafvollzug und gebar im Gefängnis ein weiteres Kind. Wegen des schlechten Gesundheitszustands des Säuglings wurde 2009 ein Haftunterbuch verfügt.

Inzwischen hat die Frau mit ihrem neuen Lebenspartner vier Kinder. Im März 2012 wurde ihr aber eröffnet, dass die Weiterverbüssung der Strafe ins Auge gefasst wird.

Dem Begnadigungsgesuch stattgegeben

Die Justizkommission des Grossen Rates entschloss sich, aufgrund der besonderen familiären Situation einem Begnadigungsgesuch stattzugeben. Allerdings sollte es als Novum eine bedingte Begnadigung mit Auflagen sein.

Dagegen opponierte die SVP. Die Frau habe in verantwortungsloser Weise nach einer rechtskräftigen Verurteilung weitere Kinder zur Welt gebracht, ihr sei schon einmal das Sorgerecht entzogen worden, sie biete keine Gewähr zur Erfüllung ihrer Erziehungspflichten, sagte Gregor Biffiger (Berikon).

Jean-Pierre Gallati (Wohlen) betrachtete vor allem die Begnadigung auf Probe als Unding. Damit sei nicht garantiert, dass die Frau die Auflagen für ihre Begnadigung auf dem Prozessweg wieder ausser Kraft setzt.

Die Mehrheit teilte diese Bedenken nicht. Der Begnadigung auf Probe wurde mit 79 gegen 43 Stimmen stattgegeben.