Hilfikon
Notlandung in Hilfikon: Der Pilot ist 80 Jahre zu spät gelandet

Ein Kleinflugzeug ist am Dienstag dort notgelandet, wo sich einst der erste Schweizer Privatflugplatz befand. Der Flugplatz Hilfikon bestand bis kurz vor dem zweiten Weltkrieg.

Toni Widmer
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Am 31. August 1929, zum 60. Geburtstag des Schlossherrn, landeten in Hilfikon über ein Dutzend Maschinen.
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Bau des Hangars für den Flugplatz Hilfikon Er wurde später demontiert und nach Spreitenbach verkauft
Notlandung in Hilfikon: Im Wäldchen hinter der notgelandeten Maschine liegt noch heute die Bodenplatte des einstigen Hangars
1930: Fluggäste in Hilfikon
Kleinflugzeug ist in Hilfikon gelandet, dort, wo sich einst der erste Schweizer Privatflugplatz befand

Am 31. August 1929, zum 60. Geburtstag des Schlossherrn, landeten in Hilfikon über ein Dutzend Maschinen.

Hilfiker Buch

Das Manöver zwischen Hilfikon und Büttikon am Dienstag verlief äusserst glimpflich. Der 51-jährige Pilot und sein Passagier konnten unverletzt aus ihrem Kleinflugzeug steigen, mit dem sie aus bisher noch ungeklärten Gründen hatten notlanden müssen.

Am falschen Ort hat der Pilot seine «Albatros» nicht aufgesetzt. Wäre er 80 Jahre früher gekommen, hätte er eine intakte Piste vorgefunden. Auf der Hilfiker Brunnmatte, wo die Maschine am Dienstag um 15 Uhr aufgesetzt hat, befand sich bis kurz nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs eine Start-und-Lande-Bahn.

Schlossherr mit teurem Hobby

Eingerichtet hatte diesen ersten Schweizer Privatflugplatz Hermann Nabholz 1923. Der damalige Besitzer des Schlosses Hilfikon war spät zur Fliegerei gekommen und erst im Alter von 52 Jahren vom legendären Expeditionsflieger Walter Mittelholzer ausgebildet worden.

Bau der Hangars für den Flugplatz Hilfikon. Er wurde später demontiert und nach Spreitenbach verkauft.

Bau der Hangars für den Flugplatz Hilfikon. Er wurde später demontiert und nach Spreitenbach verkauft.

Entsprechend liess der begüterte Seidenhändler dann auch nichts mehr anbrennen. In seinem Hangar standen zeitweise drei Maschinen. Darunter eine der berühmten Morane-Saulnier, die im Ersten Weltkrieg (auch) von der Schweizer Armee eingesetzt worden waren, sowie eine Fokker D-VII.

Letztere stammte aus deutschen Armeebeständen. 1921 war sie in der Schweiz als Zivilmaschine immatrikuliert, 1926 aber von der Luftwaffe übernommen worden. 1936 schenkte die Schweiz diese Maschine dem aus Anlass der Olympischen Spiele eröffneten ersten deutschen Luftwaffenmuseum Berlin.

Ältester Pilot der Welt

Den Höhepunkt seiner Geschichte erlebte der zwischenzeitlich auch von der Schweizer Luftwaffe genutzte Flugplatz Hilfikon am 31. August 1929. Schlossherr Nabholz feierte seinen 60. Geburtstag und wurde von vielen Fliegerkollegen besucht. Über ein Dutzend Flugzeuge sind an jenem Tag auf der Brunnmatte gelandet und wurden von der Dorfbevölkerung entsprechend bestaunt.

Offenbar waren auch Journalisten geladen, wie aufgrund eines Berichtes im «Badener Tagblatt» zu vermuten ist. Dort wird Hermann Nabholz als der «zurzeit älteste Pilot der Welt» bezeichnet.

Zudem geht aus dem Bericht hervor, dass der Schlossherr als Major der Kavallerie nicht den Fliegertruppen angehörte, aber dennoch Gründerpräsident der «Avia» (Gesellschaft der schweizerischen Fliegeroffiziere und Offiziere mit Pilotenbrevet) war.

Ende mit der Wirtschaftskrise

In der Wirtschaftskrise ging Nabholz das Geld aus. 1939 musste er das Schloss verlassen. Er verarmte und starb 1955 im Tessin. Das Aus für den Flugplatz kam mit der von Bundesrat Wahlen verordneten Anbauschlacht. Die Start-und-Lande-Piste wurde Anfang der 40er-Jahre umgepflügt.